Eine Publikation der Binkert Medien AG
Ausgabe 11/2017, 07.11.2017

Durchdacht geschaltet – hygienisch gestaltet

Moderne Prozesstechnik, hohe Verfügbarkeit und hygienisches Design sind bei Neuanschaffungen von Maschinen das A und O. So auch für das konzernweite Forschungs- und Entwicklungszentrum von Nestlé Product Technology Centre (PTC) in Orbe (Schweiz).

Autor: Seline Hunkeler Pascal Warnebold, Unternehmenskommunikation Rittal

Bilder: Rittal AG

Für alle offenen Prozesse in der Lebensmittelproduktion – beispielsweise beim Transport von Zutaten in offenen Förderanlagen – formulierte Nestlé ein umfangreiches Hygienepflichtenheft. Dieses schreibt vor, wie elektrische Kabel zu fixieren sind, macht Vorschriften zur Reinigungsfähigkeit von Oberflächen von Anlagen und Maschinen oder äussert sich zu Vorsichtsmassnahmen beim Schweissen. «In der Lebensmittelindustrie herrschen bereits strenge Hygienestandards. Wir bei Nestlé sind auf der robusten Seite und fügen einfach noch zwei Schichten an Anforderungen hinzu», macht Phillipe Demarque, Spezialist E&APP bei Nestlé während des Rundgangs durch den Betrieb deutlich. In Bereichen, in denen Flüssigkeiten in geschlossenen Rohren und Behältern zirkulieren, sind die Anforderungen weniger streng. Wo immer das Auge hinschaut, überall bündeln sich Rohrleitungen aus Edelstahl für verschiedene Wasserqualitäten oder für Druckluft, die zu den einzelnen Behältern und Maschinen führen. Die leichte Zugänglichkeit der Installationen spielt eine Rolle bei der Instandhaltung der Anlagen und Maschinen im PTC.

Effizientes Reinigen.

Das alltägliche Reinigen soll effizient vonstattengehen. Eine so genannte CIP-Reinigung geschieht schrittweise: Mit Natronlauge versetzte Reinigungsflüssigkeit löst den Schmutz in den Behältern, anschliessend wird diese ausgespült. Es folgt mit Sauerstoff angereichertes Wasser, schliesslich heisses Wasser. Mehrere Spülgänge beenden den Reinigungsprozess. Demarque schildert die Praxis: «Der Hochdruckreiniger ist unser wichtigstes Werkzeug. Wir reinigen die Anlagen von oben nach unten. Der Fluss aus Wasser und Schaum soll alles mitnehmen.»

Hygienic Design.

Im Hinblick auf effiziente Reinigungsprozesse gewinnt Hygienic Design immer mehr an Bedeutung  – auch bei Nestlé. Dazu Demarque: «Je weniger wir innen gewölbte Oberflächen, tote Winkel, freiliegende Gewindegänge von Schraubköpfen haben, desto weniger führt dies zu Schmutzablagerungen oder Wasserlachen und zu Bakterienwachstum.» Die Forderung nach Hygienic Design ist vergleichsweise jung. Noch vor über 20 Jahren bestanden die Metalloberflächen vieler Gehäuse und Schränke aus einer galvanisierten Schutzschicht. Aus Erfahrung mit deren Rostanfälligkeit gingen die Hersteller über zu Oberflächen aus rostfreiem Stahl.

Gerade Rittal ist dem Hygienic Design (HD) verpflichtet und sieht sich als Systempartner der Nahrungsmittelindustrie. Im Nestlé Product Technology Centre (PTC) sind gleich mehrere Rittal-Schaltschränke, Bediengehäuse und Klemmkästen installiert. Elektronische Komponenten sind so vor Staub, Wasser und anderen Fremdeinflüssen geschützt.

Während der Besichtigung fallen die Vorteile dieser HD-Produkte gegenüber älteren Gehäusen ins Auge: Eine spaltfreie Rundumdichtung aus Silikon in auffälligem Blau ist auf der Innenseite von Türen und Wänden sicher eingelegt. Die Scharniere befinden sich im Innern des Schranks. Dies erlaubt ein optimales, reinigungsgerechtes Design.

HD bis ins Detail: Zum Schutz von Tastern oder Displays sind grosse Sichtfelder angebracht. Der Übergang von Sichtfenster zu Rahmen ist spaltfrei. Die Schraubverschlüsse sind ebenfalls in HD gestaltet, ebenso die Schaltschrankschlüssel. Und das Augenfälligste ist von Vorteil in einem Lebensmittelbetrieb: Die Kompaktschaltschränke haben eine Dachneigung von 30°. Dies lässt Flüssigkeiten schnell abschliessen. Zudem sind die HD-Gehäuse mit runden Abstandshaltern aus Metall zur Wand montiert. Somit lässt sich auch die Rückwand des Gehäuses reinigen.

Spitzenqualität als Kaufkriterium.

Wie jeder andere Lebensmittelbetrieb ersetzt das PTC von Zeit zu Zeit ältere Anlagen und Maschinen – wie zum Beispiel Extruder, Mühlen, Steuerungen und so weiter – durch neue. Das PTC formuliert gegenüber Projektanbietern einen detaillierten Anforderungskatalog zu Schalttafeln und elektrischen Anlagen, sowohl was die mechanische wie die elektrotechnische Ausführung betrifft. Auch das Thema Sicherheit und hygienisches Engineering kommt darin nicht zu kurz (SPS-Notstromversorgung, Erdungsschellen, Insektendichtigkeit und weiteres). Gegenüber Lieferanten tritt der PTC-Projektleiter als anspruchsvoller Kunde auf und sein Urteil kann hart sein: «Kleine Pannen können mit jeder Maschine vorkommen. Aber was wir nicht mit wenigen Handgriffen beheben können, ist für uns Schrottware. Wir lassen das sofort demontieren.»

Es mag unter diesen Voraussetzungen erstaunlich klingen, dass die Partnerschaft von Nestlé zu Rittal schon lange währt. «Es braucht eine gewisse Hellhörigkeit. Es liegt an uns, eine genau angepasste Lösung vorzuschlagen», sagt Julien Gaillard, Niederlassungsleiter von Rittal in der französischsprachigen Schweiz. «Wir kennen die Bedürfnisse des Kunden genau und gute Beratung ist ein wichtiger Teil unserer Aufgabe. Wir investieren viel, um die optimale Lösung zu offerieren.»

Experten im PTC Orbe entwickeln nicht nur Produktneuheiten, sondern es kommen auch innovative Techniken der Steuerung und Überwachung von Prozessen zum Einsatz. Zwar entscheiden die Nestlé-Ländergesellschaften und deren Fabriken bei ihren Investitionen autonom. Dennoch gelten das PTC-Hygienepflichtenheft und der PTC-Katalog zu technischen Spezifikationen bei Neuanschaffungen als Leitfaden innerhalb des Nahrungsmittelkonzerns. «Ich will nicht sagen, dass der Preis keine Rolle spielt, aber wir haben einen anderen Fokus. Wir wollen einfach die besten Produkte beschaffen, die auf dem Markt erhältlich sind», so Philippe Demarque. Der Anspruch ist eindeutig: Das PTC will innerhalb von Nestlé weiterhin den technischen Standard vorgeben und mit Innovationen überraschen.


Weitere Informationen:
Rittal AG
www.rittal.ch




Die leichte Reinigbarkeit der Schaltschränke ist für die Lebensmittelindustrie unerlässlich.


Die spaltfreie Gestaltung von Anlagen und Komponenten erlaubt die Platzierung im Produktionsraum.