Eine Publikation der Binkert Medien AG
Ausgabe 11/2017, 07.11.2017

Individuell statt von der Stange

Hinter dem Schlagwort Industrie 4.0 verbirgt sich mehr als die Vernetzung von Produktionsanlagen. Damit Unternehmen nicht auf der Strecke bleiben müssen Produktion und Verpackung von Lebensmitteln den umfassenden Wandel der Digitalisierung mitmachen.

Autor: Dieter Conzelmann CEO Bizerba Busch AG

Bilder: Bizerba Busch AG

Wer einen Blick nach Südkorea wirft erkennt, dass es dort bereits virtuelle Lebensmittelregale in U-Bahnhöfen gibt. Die Produktauswahl erfolgt ganz einfach per Smartphone: Jeder dritte Internetnutzer in Südkorea kauft Lebensmittel bereits im Online-Supermarkt. Zwar bestellen deutsche Verbraucher erst rund 1,6 Prozent aller Produkte im Netz, das Thema nimmt aber auch hierzulande allmählich Fahrt auf.

Industrie 4.0. Der Onlinehandel mit Lebensmitteln und die zunehmende Vernetzung von Maschinen stellen die etablierten Prozesse in der Industrie auf den Kopf: Ein Entrecote vom Kobe-Rind, das online angeboten, bei Bestellung frisch geschnitten, aromaversiegelt und innerhalb von 24 Stunden geliefert wird, ist keine Seltenheit mehr. Dieses veränderte Verhalten der Konsumenten beeinflusst die Produktion nachhaltig.

Grundsätzlich beschreibt der Begriff Industrie 4.0 ein Konzept, das auf autonome, selbststeuernde, wissensbasierte und sensorgestützte Produktionssysteme setzt. Die Möglichkeiten klingen vielversprechend: Stark individualisierte Produkte und eine hoch flexibilisierte Serienproduktion sollen sich künftig realisieren lassen, ebenso wie automatisch synchronisierte Datenbestände.

In der Vergangenheit war die Fabrik­automation dafür optimiert, möglichst effizient und schnell grosse Mengen identischer oder fast identischer Produkte zu erzeugen. Produktvarianten und Designänderungen machten dagegen stets Umrüstungen und Werkzeugwechsel erforderlich, was ein Anhalten der Anlagen zur Folge hatte.

Je mehr sich eine Produktionsstrasse heute variieren lässt, umso wettbewerbsfähiger kann sie sein. Wenn intelligente Fertigungsanlagen Produktvarianten automatisch berücksichtigen können, sind auch kleinere Losgrössen ohne signifikante Kostensteigerungen realisierbar. Und genau hierauf kommt es an: Moderne Fabriken müssen sich flexibel und schnell auf häufig wechselnde Kunden-präferenzen und Marktbedingungen einstellen können. Hierzu ist es notwendig, selbst kleine Prozessschritte intelligent zu machen.

Fakt ist jedoch: Für viele Produzenten liegen hierzulande das digitale Zeitalter bei der Prozessautomatisierung und die selbständig arbeitende Lebensmittelfabrik noch in weiter Ferne. Nach wie vor sind die meisten Anlagen in der Lebensmittelindustrie zentral gesteuert, technisch wäre jedoch schon viel mehr machbar. Als Impuls für Veränderungen in der Produktion reicht das technisch Machbare allein also offensichtlich nicht aus.

M2M-Kommunikation. Erst die sich wandelnden Anforderungen des Marktes wie etwa der wachsende Onlinehandel mit Lebensmitteln verändern das Denken der Produzenten. Der Herstellungsprozess muss sich über kurz oder lang mitverändern, da nachweislich mit dem Grad der Personalisierung des Produkts die Wertschätzung des Verbrauchers für sein Lebensmittel steigt.

Mit dem neu entstehenden Geschäftsmodell M2M werden Maschinen selbstständig ihren Zustand mitteilen können, wobei sie beispielsweise bei Bedarf automatisch einen Wartungszyklus veranlassen. Zukünftig verhindert dies unplanmässige Maschinenstillstände und erhöht so die Produktivitätskennzahl.

Der Rohling sagt künftig, wie er verarbeitet werden will. Auszeichnungs- und Inspektionstechniken sowie neue Softwarelösungen erlauben es zudem, Produktverpackungen mit persönlichen Informationen zu versehen und individuelle Rückverfolgbarkeitsinformationen aufzubringen. Schon heute können Maschinen mit dem Einlegen von Plug-in-Etikettenrollen verifizieren, ob es sich um die richtigen Labels handelt und sich entsprechend automatisch konfigurieren. Das reduziert die Rüstzeit und verhindert Fehletikettierungen und damit verbundene Rückrufaktionen. Mit fortschreitender Vernetzung werden solche netzwerkfähigen, modularen und individuell ausbaubaren Anlagen immer wichtiger. Sie sollten flexible Etikettiertechniken zulassen, um sich auf dem Weg zu individueller Auszeichnung alle Optionen offen zu halten.

Cloud-gesteuerte Systemkonfigurationen reduzieren obendrein Fehler, verkürzen Installations- und Wiederherstellungszeiten und optimieren die Leistung von Maschinen. Mit cloud-basierter Back-up-Software kann die Fertigungsindustrie Maschinen-Backups erstmals in der Wolke speichern, was eine grosse Erleichterung sowohl beim Thema Datensicherung als auch bei der Inbetriebnahme von neuen Geräten darstellt. Gerade in grossen Produktionsunternehmen passiert es häufig, dass Maschinenparameter verändert werden, sei es versehentlich oder etwa durch Installation an einem anderen Platz. Durch das automatische, zyklische Übertragen der Datensicherung in die Cloud muss der Kunde diese nun nicht mehr manuell veranlassen und speichern. Das reduziert Ausfallszeiten deutlich.

Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Noch liegt die selbstständig arbeitende Lebensmittelfabrik in weiter Ferne. Der Einzug von Internettechniken und die damit einhergehende Vernetzung der Maschinen sind in der Lebensmittelindustrie jedoch nicht mehr zu stoppen. Flexibilität bei Maschinen und Anlagen lautet das Gebot der Stunde, um für die individuelle Auszeichnung von Lebensmitteln in der Zukunft gerüstet zu sein. Der Rohling sagt künftig, wie er verarbeitet werden will. Auszeichnungs- und Inspektionstechniken sowie neue Softwarelösungen gestatten es, Produktverpackungen mit individuellen Informationen zu versehen und produktspezifische Rückverfolgbarkeitsinformationen aufzubringen. Cloud-gesteuerte Systemkonfigurationen reduzieren obendrein Fehler, verkürzen Installations- und Wiederherstellungszeiten und optimieren die Leistung von Maschinen.


Weitere Informationen:
Bizerba Busch AG, www.bizerbabusch.ch



Der Preisauszeichnungsautomat ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Industrie 4.0


Systemetiketten sind Dreh- und Angelpunkt moderner Warenkennzeichnung