Eine Publikation der Binkert Medien AG
Verfahrenstechnik: Ausgabe 01-02/2018, 06.02.2018

Für den Notfall gut gerüstet

Bei einem Unfall ist schnelle Hilfe gefragt. Das gilt auch bei Betriebsunfällen. Doch Arbeitskollegen sind meist keine ausgebildeten Sanitäter. Um die Hemmschwelle zur Ersthilfe im Notfall zu senken und für schnelle Hilfe zu sorgen, gibt es ein durchdachtes Notfallmanagement-System.

Autor: Eva Dirlinger

Bilder: Lifetec AG

Statistiken sind eine nüchterne Aneinanderreihung trockener Zahlen und geben einen schnellen Überblick über verschiedene Situationen. Auch die Unfallstatistik der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) enthält eigentlich nur Zahlen. So hat die Suva 2016 rund 814 000 Schadenfälle registriert, wovon etwa 266 000 zu den Betriebsunfällen zählen. Doch hinter diesen Zahlen verbergen sich teils schwere und traurige Schicksale. Ein Unfall ist schnell geschehen, ob nun aus Unachtsamkeit oder aufgrund technischer Defekte, sei jetzt nicht genauer definiert. Wichtig ist in so einer Situation nur, dass schnell Hilfe zur Stelle ist. Im Arbeitsumfeld sind meist Kollegen als erste am Unfallort. Doch diese sind in der Regel keine Sanitäter und haben auch keine anderweitige medizinische Ausbildung. Demzufolge kann auch die Hilfestellung nur laienhaft erfolgen. Ein intelligentes Notfallmanagement-System könnte das schon bald ändern und nicht nur den Unfallopfern helfen, sondern auch die Ersthelfer tatkräftig unterstützen.

Jede Sekunde zählt.

Hinter der Erste-Hilfe-Lösung Lifetec One verbirgt sich ein Notfallsystem mit integriertem Defibrillator und internetbasierter Technik von Swisscom. Diese stellt eine Verbindung des Notfallsystems mit dem Notruf 144 her. So erhalten ungeschulte Ersthelfer professionelle Unterstützung durch eine Fachperson. «Erste Hilfe zu leisten ist ohne entsprechende Ausbildung nicht einfach. Die meisten Menschen fühlen sich bei einem Unfall emotional überfordert und haben Angst etwas falsch zu machen. So unterlassen viele aus Panik und Unsicherheit Hilfe zu leisten, was fatale Folgen für das Unfallopfer haben kann. Doch das darf nicht sein. Das Smartphone hat unser Leben komplett verändert. Und sind wir ehrlich, kaum jemand geht noch ohne dieses Kommunikationsmittel aus dem Haus. So haben wir uns bei Lifetec überlegt, wie diese Technik Einzug halten könnte in ein Notfallmanagement-System. Das Resultat ist ein ‹sprechendes› Gerät mit Defibrillator und Verbandsmaterial», erklärt Mirko Djuric, CEO von Lifetec.

Erste Hilfe mit integrierter Kommunikation.

Die Handhabung des Notfallkoffers ist einfach. Wichtig ist dabei, dass das Gerät frei zugänglich und schnell zu erreichen ist. Denn nur so können Ersthelfer den portablen Koffer in kurzer Zeit zum Unfallort bringen und mit der Versorgung des Verletzten beginnen. «In dem Moment, wo eine Person den Koffer öffnet, stellt die Telekommunikationstechnik die Verbindung zur Notrufnummer her. Damit bin ich als Ersthelfer psychologisch gesehen nicht mehr allein, was erheblich zur Deeskalation beiträgt. Durch die eingebaute Gegensprechanlage erhalte ich gezielte Anweisungen und kann auch fragen, wodurch ich viel besser in der Lage bin, wirklich zu helfen. Gleichzeitig kann die Notrufzentrale auch die Ambulanz benachrichtigen, so dass keine wertvolle Zeit verloren geht. Die genaue Lokalisierung des Unfallorts läuft über das Gerät, denn das eingebaute GPS zeigt der Notrufzentrale die Lage bis auf wenige Meter genau an», erläutert Geschäftsführer Djuric die Handhabung.

Pads aufs Herz.

Das Notfallmanagement-System hilft aber nicht nur bei der Versorgung von Verletzungen. Der integrierte Defibrillator ist eine unschätzbare Hilfe, wenn es zum Herzstillstand gekommen ist oder Kammerflimmern auftritt. Doch Hand aufs Herz, wer traut sich schon einen Defibrillator zu benutzen und wie ist überhaupt zu erkennen, wann das Herz flimmert oder aufgehört hat zu schlagen? Die Hemmschwelle, eine Herzdruckmassage durchzuführen oder sogar einen Defibrillator einzusetzen ist enorm gross, genau so gross wie die Angst, Fehler zu machen.

Doch gerade bei Herzinfarkten sind die ersten Minuten entscheidend. Darum ist zum einen die Handhabung des Defibrillators in Piktogrammen im Notfallkoffer einfach beschrieben, zum anderen gibt es noch die Sprachanweisungen durch den Experten. «Dank der Kommunikation mit der Notrufzentrale können Helfer verschiedene Symptome abklären, die den Gebrauch des Defibrillators nötig machen könnten. Neben der detaillierten bildhaften Beschreibung unterstützt aber auch das Gerät. Sollten die Pads beispielsweise nicht richtig platziert sein, gibt das Gerät den entsprechenden Hinweis und löst erst dann den Stromstoss aus, wenn die Pads optimal positioniert sind. Es kann also gar nichts schief gehen. Was es aber braucht ist ein beherztes Eingreifen», so der Geschäftsführer.

Wissen ist Macht – und macht mutig.

Trotz aller technischer Hilfestellungen ist aber immer noch die Unsicherheit ein grosser Hemmschuh bei Erster Hilfe. Damit dies – zumindest bei Betriebsunfällen – aber kein Problem wird, können Unternehmen vorbeugen. «Für unser Notfallmanagement-System bieten wir Schulungen an. Dabei bestimmt die Unternehmensleitung, wie viele Personen und wer aus der Belegschaft bei der Schulung mitmacht. Dabei zeigen wir den korrekten Umgang mit dem Defibrillator. Das senkt die Hemmschwelle deutlich. Die Schulung wiederholen wir alle zwei Jahre, wobei die Unternehmen den Zeitpunkt selber festlegen. Wir schicken rund sechs Monate vor dem Ablauf der zwei Jahre eine Erinnerung, die Kunden bestimmen dann den Zeitpunkt», erklärt der CEO.

Gewusst wo.

Ein Notfallsystem kann nur dann hilfreich sein, wenn es auch in erreichbarer Nähe ist. Jeder Mitarbeitende muss wissen, wo es sich im Unternehmen befindet. So kommt dem Aufbewahrungsort eine wichtige Rolle zu. «Bei der Platzwahl unterstützen wir unsere Kunden, indem wir uns die Gebäudesituation ansehen. Wir geben immer den Rat, dass das Gerät innerhalb von maximal 50 Sekunden griffbereit sein muss. Da meistens Büros und Produktionshallen räumlich getrennt sind, ist es sinnvoll, mehrere Geräte aufzustellen. Das gleiche gilt auch für grosse Produktionsstätten, die über mehrere Etagen und Gebäude verteilt sind. Bei der Platzierung achten wir auch darauf, wo Türen sind, und aus welcher Richtung die Ambulanz kommt. Zwischen Ersthelfer und Notfallsystem sollten keine Hindernisse sein. Daher ist auch die Aufbewahrung in einem abgeschlossenen Schrank im Büro des Vorgesetzten eine denkbar schlechte Wahl», wie Djuric weiss.

Was kostet das Leben?

Diese Frage ist wohl leicht zu beantworten: Es ist unbezahlbar, ebenso wie Gesundheit und körperliche Unversehrtheit. Auch wenn Unfälle glücklicherweise zu den seltenen Vorkommnissen zählen, ist die Investition in das Notfallmanagement-System sinvoll, wie der Lifetec-Experte weiss: «Der Koffer kostet 8 Franken pro Tag. In diesem Preis sind alle Kommunikationsgebühren enthalten, wie auch die komplette Überwachung des Gerätes und der Vor-Ort-Service. Dank der eingebauten IoT-Technik haben wir den Zustand der Defibrillatoren stetig im Blick, da wir umgehend eine Meldung von den Geräten bekommen, wenn beispielsweise Batterien schwach werden oder die Haltbarkeit der Pads abgelaufen ist. So müssen sich Unternehmen nicht regelmässig um die Wartung des Systems kümmern. Das machen wir für sie und ist im Preis inbegriffen.» Die Miete des Notfallsystems läuft auf 5 Jahre und ist jederzeit verlängerbar. Wer möchte, kann das Gerät auch kaufen.

Da der Defibrillator und das Verbandsmaterial in einem Peli Case untergebracht sind, haben Staub und Feuchtigkeit keine Chance, Schäden anzurichten. Auch eine schwungvolle Reinigung von Anlagen macht dem System nichts aus, da es der Schutzklasse IP64 entspricht.

Outdoorversion.

Unfälle passieren nicht nur innerhalb von Gebäuden. Auch der Aussenbereich birgt seine Gefahren. Um auch hier schnell auf das Notfallsystem zugreifen zu können, gibt es seit Kurzem ein Gerät für den Aussenbereich. Dieses hat ein besonderes Schutzgehäuse, das vor Temperaturen von -45 bis +50 Grad schützt. «Ebenso bietet das Gehäuse Schutz vor Vandalismus. Zudem ist es mit einem mehrstufigen Alarm ausgestattet. So können wir erkennen, ob hier jemand nur Unfug treibt, oder es sich um einen Notfall handelt. Das eingebaute GPS zeigt auch hier die genaue Lage des Koffers an, so dass die Ambulanz gegebenenfalls den Weg schnell zum Unfallort findet», so der Geschäftsführer.

Lifetec AG
www.lifetec.one



Der Notfallkoffer von Lifetec One besitzt GPS-Lokalisierung. Damit kann die Notfallzentrale die Ambulanz an den richtigen Ort leiten.