Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Anlagen- und Apparatebau: Ausgabe 01-02/2018, 06.02.2018

Gut geschützte Glattmotoren in der Mälzerei

Für Auswahl und Auslegung von Antriebstechnik müssen Betriebe in der Nahrungsmittel- und Getränkeproduktion nicht nur Rücksicht auf die Lebensmittelsicherheit nehmen. Häufig gilt es ausserdem, herausfordernde Umgebungsbedingungen von Anfang an und dauerhaft im Griff zu behalten.

Bilder: Moravské potravinářské strojírny, a.s. (MOPOS), Bild 2:NORD DRIVESYSTEMS

Traditionell bereiteten Bierbrauer ihr Malz selber vor. Heutzutage übernehmen dies oft spezialisierte Mälzereien, in denen stark automatisierte und fortlaufend modernisierte Prozesse die Regel sind. Dies gilt auch für eine grosse Mälzerei in Nymburk nahe der tschechischen Hauptstadt Prag. Bei hohem Technisierungsgrad halten die Verantwortlichen hier die Braukunst selbstverständlich weiter hoch – das tschechische Bier hat schliesslich einen Ruf von Weltgeltung zu verlieren. Wie eh und je bekommt das Malz als wichtiger Rohstoff ausreichend Zeit, um sein Aroma zu entfalten. In der ersten Phase der Herstellung weichen die Fachleute das Getreide ein, bis es seine volle Keimfähigkeit ausgebildet hat. Danach folgt der Keimprozess: Das Korn treibt Blatt- und Wurzelkeime. Es bildet und reichert Enzyme an und wandelt die Stärke in Malzzucker um. Währenddessen wenden und lüften Mitarbeiter das Getreide regelmässig. Nach etwa fünf Tagen verlegen sie das ausreichend ausgekeimte Grünmalz zum Trocknen auf eine Darre.

Neue Glattmotoren ausgewählt.

Nord Drivesystems deckte den Bedarf an Antriebstechnik aus einer Hand und lieferte 112 neue Getriebemotoren für die Lockerungsschnecken sowie acht Fahrantriebe mit Antriebselektronik zur Geschwindigkeitsregelung. Die tschechische Niederlassung Nord-Poháněcí technika, projektierte die Antriebstechnik anwendungsspezifisch in enger Abstimmung mit ihrem langjährigen Kunden Mopos. Die Rahmenbedingungen haben es in diesem Werk in sich. In der Kastenmälzerei herrscht 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Durch die Reaktion von Wasserdampf mit Kohlendioxid tritt zudem permanent dünne Kohlensäure H2CO3 in der Atmosphäre auf. In Anbetracht dieser erschwerten Betriebsbedingungen installierte Mopos zum ersten Mal Glattmotoren. Im Gegensatz zu konventionellen Rippenmotoren sind hier die Gehäuse ohne Kühlrippen ausgeführt, was Schmutzanhaftungen und Feuchtigkeitsniederschlag entgegenwirkt. Bereits ihre Standardausführung ist in der Schutzart IP 66 im Angebot. Die Klemmkästen sind mit Harz vergossen. Sowohl die Rotoren als auch die Statoren hat der Hersteller mit einem speziellen, gegen Feuchtigkeit resistenten Isolationslack beschichtet.

Effizientes Wärmemanagement.

Die glatten Motorgehäuse erhöhen wie zuvor beschrieben die Resistenz gegen Schadeinflüsse. Die Bauart bedingt allerdings auch ein sorgfältiges Wärmemanagement, insbesondere, da die Antriebe in der Anlage im Dauerbetrieb laufen. Die Glattmotoren an den Lockerungsschnecken verfügen über Thermowächter und sind mit Lüftern ausgestattet, die die Abwärme vom Motorgehäuse abführen. Dadurch lassen sich Motoren einer kleinen Baugrösse einsetzen, ohne zu überhitzen. Der Motor am Fahrantrieb ist ohne Lüfter ausgeführt und gibt lediglich über die Oberfläche seine Wärme ab. In verschiedenen Phasen des Prozesses sind unterschiedliche Fahrgeschwindigkeiten gefordert, daher steuern Frequenzumrichter diese Motoren. Die hier eingesetzten Geräte der Baureihe SK 500E arbeiten mit feldorientierter Vektorregelung und Teillasterkennung. Die Spezialisten installieren sie, mit Rücksicht auf die rauen Umgebungsbedingungen, geschützt im Schaltschrank.

Robuste, lebensmitteltaugliche Antriebskonfiguration.

Für die Fahrantriebe haben Fachleute robuste Flachgetriebe der Block-Baureihe ausgewählt. Diese mehrstufigen Getriebe verfügen über eine hohe Übersetzung, um das Keimgut langsam und schonend befördern zu können. Die Flachgetriebe an den Lockerungsschnecken sind mit einem vollsynthetischen, für die Lebensmittelindustrie zertifizierten Öl gefüllt und verfügen über Edelstahlabtriebswellen. Sie gewährleisten damit Korrosionsresistenz und eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen chemische Reinigungsmittel, die zum Sauberhalten der Fertigungslinie nötig sind. Alle Antriebe sind mit einer speziellen Lackierung versehen, die der feuchten Umgebung in Mälzereien angepasst ist.

Getriebebau NORD GmbH & Co. KG
www.nord.com



Herstellungsprozesse mit viele hundert Jahre alter Tradition sind in modernen Mälzereien längst weitgehend automatisiert


Antriebssysteme mit Glattmotoren im Aluminiumgehäuse eignen sich für den Einsatz im Food-Bereich und für andere vergleichbar anspruchsvolle Anwendungen.