Eine Publikation der Binkert Medien AG
Ausgabe 04/2018, 29.03.2018

Was bringt ein Projekt zum Fliegen?

«Die Verpackung ist eine Reflexion der Qualität des sich darin befindlichen Inhalts», sagt Bruno Sonderegger, Geschäftsführer der Sonderegger AG, die Verpackungslösungen aus Papier fertigt. Deshalb «darf sie nicht einem zufälligen Design überlassen werden.» Was es braucht, damit eine Verpackung mehr wird als nur «copy-paste» – hier sein Standpunkt.

Autor: Bruno Sonderegger, Geschäftsführer Sonderegger AG

Bevor wir ein Produkt in der Hand haptisch erfahren können, stellt die Verpackung die erste Verbindung zum Kunden her. Der Kunde trifft die Wahl. Er steht vor einer Auslage mit vielen Produkten mit gleichem Nutzen. Welches Produkt nimmt er aus der Auslage? Welches Produkt findet seine Aufmerksamkeit? Bei diesem Entscheidungsprozess laufen sehr viele nicht programmierte Denkprozesse gleichzeitig ab. Sie werden zum Teil aus gemachten Kauferfahrungen aus der Vergangenheit gesteuert, sie werden durch das zeitgenössische Qualitätsmerkmal gesteuert, sie sind aber auch vielfach ein innerer Wunsch, sich von der grossen Masse abzuheben. Natürlich spielt die Markenpflege des jeweiligen Produktes eine grosse Rolle. Wenn aber die Verpackung die Wertigkeit nicht kohärent widerspiegelt, dann verliert der Kunde unter Umständen das Interesse. Die Verpackung ist damit ein sehr wichtiger Bestandteil erfolgreicher Markenpflege.

Zentral: Disziplin

Was heisst das nun im Zusammenhang mit dem Verpackungs-Design? Natürlich soll die Verpackung den nötigen Schutz bieten, die Marke prominent transportieren, den logistischen Ansprüchen genügen, Lagerung, Transport etc. Danach wird das Feld der Möglichkeiten aber geöffnet. Die Materialwahl, die Veredelung, die Form, das Graphic-Design und die Präsentation am Verkaufsort muss definiert werden. Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Für eine gelungene Verpackung braucht es aber vor allem Disziplin. Nicht die Verpackung mit möglichst vielen Verarbeitungs- oder Veredelungsschritten ist gleichzeitig auch die erfolgreichste. Viel mehr ist die Reduktion Garant für eine erfolgreiche Verpackung. Dafür braucht es in erster Linie eine Idee. Ein Idee, welche wie der Leitfaden für alle zu treffenden Entscheidungen dient. Auffallen um jeden Preis kann nicht das Ziel sein und lässt meistens die Kohärenz vermissen.

Um eine einzigartige Verpackung zu entwickeln, braucht es nebst der guten Idee aber vor allem Mut, Energie, Beharrlichkeit, Verantwortung, Furchtlosigkeit und die Bereitschaft, die Komfortzone zu verlassen. Kohärenz erlangen wir auch mit einem «copy-paste» einer vergangenen Verpackung, nicht aber die Einzigartigkeit. Die Frage, wo die Grenze des Machbaren liegt, verschiebt sich laufend. Was wir heute nicht schaffen kann morgen möglich sein. Diese Frage begleitet uns täglich und auch unsere Maschinisten setzen sich damit auseinander. Es gibt jedoch so viele frei wählbare Parameter in einer Produktion.

Eine Frage der Kultur

Daher wird der Erfolg also sehr schnell zu einer Frage der Kultur und Mentalität des kompletten involvierten Teams. Behalten wir die Aufmerksamkeit, die Entdeckerqualitäten, den Willen, Grenzen zu überschreiten? Nur so schaffen wir es, der Innovation den Raum zu geben, welcher uns auf neue Wege führt. Die Freiheit, Versuche, Tests zu machen, welche uns oft auch ins Nirwana führen, erschliessen uns neue Wege. Das ist auch eine Frage der Firmenstruktur. Kann, darf der Maschinist einer Idee nachgehen, ohne dass wir von vornherein wissen, dass sie auch zum Erfolg führt? Kann, darf der Sachbearbeiter einen Test in Auftrag geben, welcher kurzfristig keine Wertschöpfung garantiert? Und vermutlich ganz wichtig: Werden die verantwortlichen Fachpersonen mit eingebunden, wenn wir erfolgreich ein ambitiöses Ziel erreicht haben? Die Wertschätzung dem ganzen Team gengenüber ist Grundvoraussetzung, um Ziele nicht nur einmal zu erreichen.

Kreativitätskiller: Sicherheit

Diese Kultur und Mentalität ist wohl die wichtigste Voraussetzung, um sich von der Masse abheben zu können. Das funktioniert aber nur, wenn der Kunde diesen Prozess versteht. Verantwortung tragen nicht nur wir als Produzent, der Kunde muss auch bereit sein, seinen Teil der Verantwortung zu tragen. Bereit sein, ein scheinbar unmögliches Ziel zu erreichen, aber auch bereit sein, ein Ziel allenfalls nicht zu erreichen. Die Sicherheit wird da oft zum Kreativitätskiller. Nur wer wagt, gewinnt – das ist schnell gesagt, man muss auch bereit sein, Rückschläge einzustecken. Entscheidend ist aber, nicht den Kopf hängen zu lassen, eine Alternative in solchen Situationen nicht nur zu suchen, sondern auch zu finden und die Suche weiter zu intensiveren.  

Bei der Sonderegger AG vereinen wir viele Kompetenzen: Nebst Stanzen, Falzen, Kleben veredeln wir auch mittels Heissfolienprägung, Blindprägung und Laserstanzung, aber stets mit dem Gedanken, die heutigen Grenzen auszureizen. Damit wir die Grenzen kennen, müssen wir sie erst einmal überschreiten und danach einen Schritt zurückmachen. Beharrlich in regelmässigen Abständen, so bauen wir die nötige Erfahrung auf, um unsere Kunden zur Lösung führen zu können.

Wichtig: Das Material

Das ausgewählte Material ist oft entscheidend. Wir kennen die diversen Kollektionen der bekannten Papierhändler. Wir kennen aber auch die Kollektionen, welche in der Schweiz nicht vorliegen. Oftmals liegt das passende Material an Lager, nicht in der Schweiz, aber beim Produzenten. Oder ein Kunde sucht spezifisch ein Nischenmaterial, mit einer einzigartigen Oberfläche, Haptik, Struktur, Steifigkeit oder Farbe. Aus diesen Beweggründen haben wir letztes Jahr die Independent Paper Show (IPS) ins Leben gerufen (siehe Kasten). Hier soll unter anderem die Frage beantwortet werden: Was heisst non-verbale Kommunikation im Zusammenhang mit Papier? Oftmals stelle ich hier die ketzerische Frage: Wie sieht denn eine Premium-Einladung aus, welche per E-Mail zugesandt wird? Schafft das eine Mail überhaupt? Alleine schon die richtige Papierwahl schafft diese Herausforderung leicht. Gepaart mit der entsprechenden Verarbeitung lässt sich die Print-Kommunikationsqualität mit der E-Mail gar nicht mehr vergleichen. Ohne dass ich eine Botschaft lese, die Marke erkenne, wird Qualität sofort erkannt – non-verbal.

Was führt zum Erfolg?

Der Start ist entscheidend. Wir versuchen möglichst früh mit allen beteiligten Partnern das Vorgehen zu diskutieren. Graphic Designer, Endkunde, Drucker. In dieser Phase sind wir oft erst einmal Sparring-Partner. Aus der Erfahrung von vielen realisierten Projekten profitiert der Kunde von unserer Einschätzung. Ist der Weg erst einmal eingeschlagen, ist es oft schwierig, diesen zu verlassen ohne nochmals den ganzen Prozess zu durchlaufen. Und wenn der Anfang nicht überzeugt, dann ist es oft schwierig, oder manchmal auch fast unmöglich, das anvisierte Ziel zu erreichen. Oder anders ausgedrückt: Wenn die Idee nicht überzeugt, dann kann auch nicht mittels aufwendiger Veredelung oder Verarbeitung das Projekt zum Fliegen gebracht werden.

Sondergegger AG www.sonderegger.ch



Was sich aus Papier alles machen lässt – zwei Lösungsbeispiele «made@sonderegger.ch». (Bilder: Sonderegger AG)



Die LT in Gold

Die Sonderegger AG fertigt unter anderem Umschläge, Mappen, Verpackungen, Papiertüten und arbeitet hierfür auch mit auch unterschiedlichen Veredelungsschritten von Lasercutting bis Reliefschnitt. Für die LT hat Sonderegger das goldene Titelbild der Jubiläumsausgabe 1-2/18 gefertigt. Und auch die auf dem Jubiläums-Titelbild abgebildeten Verpackungen sind Werke von Sonderegger.

Die Independent Paper Show

Papierhändler aus der Schweiz und Hersteller aus ganz Europa kommen an die Independent Paper Show IPS. Denn die Vielfalt der erhältlichen Papiere ist weit grösser, als das viele erahnen. Die diesjährige IPS findet am

13. Juni 2018

in Genf im Bâtiment des Forces Motrices BFM statt.

www.bfm.ch