Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 05/2018, 08.05.2018

Effiziente Kälte für kühle Rechner – «Kälte begleitet uns rund um die Uhr»

Die Kältetechnik wurde bisher noch zu wenig als Möglichkeit zur Steigerung der Energieeffizienz wahrgenommen. Dabei schlummern hier oft erhebliche Potenziale, um Kosten zu senken. Denn rund 15 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs entfallen auf dieses Segment. Die Kampagne «effiziente Kälte» vom Bundesamt für Energie zeigt, worauf es ankommt.

Autor: Helen Weiss

Ob Supermarkt, Metzgerei oder Labor, gekühlt wird überall. Der Strombedarf für dieses Segment ist beachtlich: In der Schweiz verbrauchen die Kälte- und Klimaanlagen in Industrie, Gewerbe und Dienstleistungsunternehmen acht Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr. Dies entspricht einem Siebtel des schweizerischen Elektrizitätsverbrauchs, also gleich viel, wie für Beleuchtung verbraucht wird. Experten sind sich einig, dass in den Anlagen Energieeffizienzpotenziale von 20 Prozent liegen und die jährlichen Energiekosten in der Schweiz damit um bis zu 300 Millionen Franken reduziert werden könnten.

Die Kampagne «effiziente Kälte» – lanciert vom Schweizerischen Verein für Kältetechnik (SVK) und dem Bundesamt für Energie (BFE) im Rahmen von EnergieSchweiz – will dazu beitragen, den Energieverbrauch von Kälteanwendungen in der Schweiz zu senken. «Wir möchten damit die KMU für die Thematik sensibilisieren und für Betriebsoptimierungen im Kälte- und Klimakältebereich gewinnen», erklärt Martin Stettler, Fachspezialist Energieeffizienz am BFE. Die Kampagne wird mit den beiden Kälteverbänden SVK und ASF bis Ende 2018 geführt.

Nicht selten führe die Unkenntnis im Kälte- und Klimakältebereich bei KMU dazu, dass Schwachstellen und somit entsprechende Optimierungsmöglichkeiten nicht erkannt würden, weiss SVK-Ehrenpräsident Marc Stampfler. «Das Fachgebiet ist komplex und benötigt Erfahrung. Zusammenhänge mit anderen Bereichen der Haustechnik wie Heizung oder Lüftung zu erkennen, ist anspruchsvoll.»

Erfolgreiche Umsetzung

Mit dem kostenlosen Dossier «Bärenstark» stellt die Kampagne deshalb für KMU ein praxisnahes Instrument bereit, das aufzeigt, wie eine erfolgreiche Betriebs- und Kostenoptimierung der Kälteanlage angegangen wird. Die Romer’s Hausbäckerei AG, die seit 1974 in Benken (SG) auf tiefgekühlte Feinbackwaren spezialisiert ist, hat in den letzten Jahren bereits von der Kampagne profitiert und plant nun den Einbau von drei neuen, umweltverträglich betriebenen Spiralfrostern.

Damit werden Lebensmittel sofort nach dem Backen tiefgekühlt: Die Produkte laufen auf einem Förderband je nach Grösse 40 bis 60 Minuten durch die Anlage. Jeder Spiralfroster verarbeitet pro Stunde 600 bis 700 Kilogramm Backwaren. Gegenüber konventionellen Tiefkühlgeräten hat diese Methode den Vorteil, dass nur die Produkte selbst und keine Backbleche oder Blechrechen mitgefroren werden. Das spart nicht nur viel Kälteenergie, sondern senkt auch die Kosten. Die neuen Spiralfroster werden zudem mit dem natürlichen Kältemittel Kohlendioxid betrieben. Das periodisch notwendige Abtauen geschieht nicht elektrisch, sondern durch die Abwärme aus den Backöfen.

Jährlicher Kältecheck

Neben der Erneuerung der Kälteanlagen hilft der «Kälte-Check» dabei, die Optimierungen systematisch anzugehen. Der Betreiber legt mit dieser jährlichen Kontrolle die Basis für eine erfolgreiche Betriebs- optimierung. Interessierte KMU können zudem auf Wunsch einen unabhängigen Experten hinzuziehen, der beim Ersatz von Kälteanlagen berät.

Kostenvorteil transparent aufgezeigt

Dank des «Kälte-Tools» zur Abschätzung des Stromverbrauchs einer Anlage kann künftig der tatsächliche Kostenvorteil von effizienteren, in der Anschaffung teilweise aber teureren Industriekälte- und Klimakälteanlagen transparent aufgezeigt werden. Martin Stettler vom Bundesamt für Energie BFE: «Mit dem zusätzlichen ‹TEWI-Tool› wird zudem die Umweltwirkung der geplanten Anlage respektive des verwendeten Kältemittels sowie des Stromverbrauchs in CO₂-Äquivalenten ausgedrückt.»

Beat Schmutz, Kältetechniker TS und Geschäftsleiter der SSP Kälteplaner AG, Oensingen, im LT-Kurzinterview:

Warum ist ein fachgerechter Umgang mit Kältetechnik gerade für KMU wichtig?

Beat Schmutz:

Kälte ist für viele kleinere und mittlere Unternehmen ein zentrales Thema, wenn es um Hygiene, Qualität und Haltbarkeit geht. Viele Produkte können heute Dank der Technologieentwicklung in diesem Bereich qualitativ hochwertig und fristgerecht hergestellt werden, zum Beispiel Teiglinge durch Schockfroster und Gefrieranlagen. Aufgrund dieser modernen Prozesse können auch kleinere Gewerbebetriebe flexibel und schnell auf die Marktanforderungen reagieren. Kälte begleitet uns – oft unbemerkt – vom Aufstehen bis spätabends.

Wie stark beeinflusst die Wartung der Kühlanlagen den Energieverbrauch?

Eine fachgerechte und periodische Wartung ist für die Energieeffizienz sehr wichtig. Oft sind es kleine Aspekte, die aber eine grosse Auswirkung haben. Wenn etwa der luftgekühlte Wärmeaustauscher stark verschmutzt ist, führt dies vor allem bei warmen Aussentemperaturen zu einem erhöhten Verbrauch ohne Mehrnutzen für den Betreiber.

Welche einfachen Tipps zur Strom- und Energieersparnis im Kältebereich können Sie geben?

In der Kampagne «effiziente Kälte» haben wir einige einfach umzusetzende Punkte aufgeführt. Dazu gehören ganz alltägliche Dinge wie zum Beispiel das Abschalten des Lichts in gekühlten Räumen oder die Türdisziplin. Grossverbraucher haben dies schon seit mehreren Jahren erkannt. Statt offene Kühlregalen installieren sie Kühlvitrinen mit Glastüren. Diese sind genauso bedienerfreundlich, senken den Energieverbrauch jedoch markant. Das ist auch für Gewerbebetriebe machbar und effizient.

Inwiefern sind die Instrumente der Kampagne «effiziente Kälte» im Berufsalltag hilfreich?

Wir haben uns bei der Kampagne auf Massnahmen konzentriert, die mit möglichst wenig Aufwand einen hohen Nutzen bringen. Die Instrumente sollen die Kompetenz des Endkunden in diesem Bereich stärken und sind leicht verständlich. Einige der Massnahmen sind zwar schon länger bekannt, wurden aber nicht oder ungenügend umgesetzt. Die Kampagne fasst die wichtigsten Tipps übersichtlich zusammen.



Damit Joghurt, Getränke und Glace frisch gekühlt bleiben, benötigt es viel Energie. Mit der richtigen Kühlung lässt sich jedoch nicht nur viel Strom, sondern auch Geld sparen. (Bilder: zvg)


Die Kampagne «effektive Kälte» bietet Hilfe und massgeschneiderte Lösungen in allen Bereichen der Kälte- und Klimatechnik.


Beat Schmutz, Kältetechniker TS und Geschäftsleiter der SSP Kälteplaner AG. (Bild: zvg)

Effizient kühlen – so packen Sie es richtig an

Wer effizient kühlt, kann bis zu 20 Prozent Kosten sparen. Die meisten Effizienzmassnahmen lassen sich dabei einfach umsetzen. So gehen Sie vor:

Organisieren:

Bestimmen Sie in Ihrem Unternehmen eine Person, die für die Kälte- und Klimaanlagen verantwortlich ist. Statten Sie den Verantwortlichen mit entsprechenden Kompetenzen und einem klaren Auftrag aus.

Kontrollieren:

Achten Sie darauf, dass der jährliche Kältecheck durchgeführt wird, indem Sie den Verantwortlichen für die Kälte- und Klimaanlagen damit beauftragen.

Informieren:

Energiekosten sparen geht alle Mitarbeitenden an. Nehmen Sie Ihr Personal in die Pflicht und machen Sie deutlich, dass der bewusste Umgang mit Energie ein wichtiges Anliegen der Geschäftsleitung ist.

Delegieren:

Nicht alle Optimierungen können selbst ausgeführt werden, da sie zum Teil gewisse Risiken bergen. Ziehen Sie deshalb bei bestimmten Massnahmen eine ausgewiesene Fachperson bei.

Links

Kampagne «effiziente Kälte»:

www.energieschweiz.ch

> Kampagnen > effiziente Kälte

Kältemittel-Fibel

Information zum Thema Energieeffizienz und Kältemittel für Heizungs-, Lüftungs- und Klimafachleute

Download unter: www.energieschweiz.ch > Publikationen > Kältemittel-Fibel

Kälte effizient erzeugen

Das wichtigste zur Kälteerzeugung nach SIA 382/1

Download unter: www.energieschweiz.ch > Publikationen > Kälte effizient erzeugen

Streikt Ihre Klimaanlage?

Das müssen Sie über einen wirtschaftlichen Ersatz wissen

Download unter: www.energieschweiz.ch > Publikationen > Streikt Ihre Klimanlage?