Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 05/2018, 08.05.2018

Neue Kälteanlage spart Kosten

Die Lebensmittelindustrie ist auf eine betriebssichere und wirtschaftliche Kältetechnik angewiesen. Die Erneuerung oder Erweiterung der Kälteanlage ist eine gute Gelegenheit, um ihre Energieeffizienz zu verbessern und damit die Betriebskosten im Betrieb langfristig zu senken.

Autor: Thomas Lang, Projektleiter der Kampagne «effiziente Kälte»

Die Kältetechnik ist in der industriellen Herstellung von Lebensmitteln nicht mehr wegzudenken. Ob in den Verarbeitungs- und Herstellungsprozessen oder bei der Lagerung von Rohstoffen und von Halb- und Fertigprodukten – das Kühlen ist eine unternehmenskritische Technologie. Eine Technologie allerdings, die nicht zu den eigentlichen Kernprozessen und zum entsprechenden Know-how der Unternehmen gehört. Dieses fehlende Wissen bezahlen viele Betriebe mit einem (zu) hohen Preis bei den Energie- und Betriebskosten. Wie in anderen Branchen auch, die auf eine verlässliche Kältetechnik angewiesen sind, gibt es ein beachtliches, ungenutztes Energie- und Kostensparpotenzial bei der Kälte.

Die Unternehmen haben zwei Hebel, mit denen sie die Betriebskosten bei der Kälte beeinflussen können. Ein Hebel ist die kontinuierliche Optimierung der Kälteanlage. Der andere ist eine zukunftsgerichtete Anlageplanung mit einem vorausschauenden Anlageersatz. Damit werden die Weichen für einen sparsameren und sicheren Betrieb für viele Jahre richtig gestellt, denn industrielle Kälteanlagen halten bis zu 25 Jahre. Ist eine Kälteanlage einmal gebaut und gut einreguliert, so ist die Basis für die künftigen Energie- und Betriebskosten weitgehend gelegt.

Informationen und Hilfsmittel

Aus diesem Grund hat der Schweizerische Verein für Kältetechnik SVK zusammen mit EnergieSchweiz und verschiedenen Partnern aus der Kältebranche Werkzeuge wie die «Leistungsgarantie Kälteanlagen» entwickelt, die Unternehmen beim Ersatz der Kälteanlage unterstützen. Ein Beispiel, wie diese Informationen und Hilfsmittel der Kampagne greifen, ist der Walliser Trockenfleischhersteller Gabriel Fleury SA. Das Unternehmen verliess sich auf eine über 20 Jahre alte Kälteinfrastruktur mit einem veralteten Kältemittel und einem grossen Bedarf an Grund- und Frischwasser für die Kühlung. So bestand permanent das Risiko, dass ein Ausfall der Kälteanlage die gesamte Produktion lahmgelegt hätte. Daher entschloss sich die Gabriel Fleury SA, die Kälteanlage rundum zu erneuern.

«Leistungsgarantie Kälteanlagen»

Planung und Realisierung der neuen Kälteanwendungen orientierten sich dabei an den zehn Punkten der «Leistungsgarantie Kälteanlagen» – ein Planungsinstrument und eine Checkliste mit allen relevanten Punkten für eine wirtschaftliche und betriebssichere Kälteanlage. So wurden auch der Elektrizitätsverbrauch und der Treibhauseffekt der neuen und der alten Anlage mit den Berechnungswerkzeugen der Kampagne «effiziente Kälte» berechnet und einander gegenübergestellt. Der Vergleich zeigte, dass der gesamte Elektrizitätsverbrauch für die Kälteanwendungen der Gabriel Fleury SA von bisher 680 000 auf neu 560 000 Kilowattstunden pro Jahr gesenkt werden konnte. Die neue Anlage verfügt für die Kälteerzeugung über zwei Kaltwassergruppen, welche die Kälte für die Kühlräume und den Pökelkühlraum zur Verfügung stellen. Daneben gibt es eine separate Kühlung für die Reife- und Trocknungsräume. Alle Kältesysteme sind an ein gemeinsames System angeschlossen und kommen heute ohne teures Grund- oder Frischwasser aus.

Durch die neu eingebaute Wärmerückgewinnung kann rund ein Drittel der gesamten Abwärme der Kälteanlage zurückgewonnen werden. Damit kann die Firma jährlich 28 000 Liter Heizöl einsparen. Diese Energierückgewinnung erlaubt es, mit der Abwärme im Winter die Büros und Werkstätten zu heizen. Die Ergebnisse der Erneuerung sind aber auch sonst erfreulich. Der Betrieb braucht 17 Prozent weniger Strom für die Kälteanlage, während die Produktion gleichzeitig um über 28 Prozent auf 450 Tonnen Trockenfleisch im Jahr gesteigert werden konnte.



Reiferäume bei der Gabriel Fleury SA: Die sorgfältige Reifung des Trockenfleisches braucht eine exakte Klimatisierung. (Bild: Grand+Partenaires)

Förderprogramme nutzen

Zwei Förderprogramme unterstützen Bauherrschaften: Während das Programm «Klimafreundliche Kälte» der Stiftung KliK auf die Förderung von Kälteanlagen mit klimafreundlichen Kältemitteln ausgerichtet ist, zielt «ProFrio» auf energieeffiziente Neu- und Ersatzanlagen. Zudem fördert «ProFrio» auch die Optimierung von bestehenden Anlagen. Beide Programme setzen die «Leistungsgarantie Kälteanlagen» voraus, die vom Bundesamt für Energie BFE und vom Schweizerischen Verein für Kältetechnik SVK getragen wird. Mit der Leistungsgarantie erhält die Bauherrschaft ein Werkzeug, das eine Vergleichbarkeit der Offerten ermöglicht. So muss in der Offerte aufgezeigt werden, was die Anlage während der ganzen Lebensdauer kostet. Sie stellt zudem sicher, dass die aktuellen und künftigen Bedürfnisse sorgfältig abgeklärt werden. Zudem muss die sinnvolle Nutzung der Abwärme geprüft sowie die Vor- und Nachteile der empfohlenen Kältemittel mit der Bauherrschaft besprochen werden.

Weitere Informationen unter: www.effizientekaelte.ch

Die teuersten Bauherrenfallen vermeiden

Auf Bauherrschaften, die nur selten eine Kälteanlage erneuern oder neu bauen, warten zahlreiche Fallstricke. Diese können zu teuren Baumängeln, Mehrkosten oder langfristig hohen Betriebskosten führen. Die Praxis zeigt, dass es immer wieder dieselben kritischen Punkte sind, über die Bauherrschaften stolpern: Mangelhafte Koordination, Sparen am falschen Ort und ein ungenügender Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Handwerkern.

Oft sind es Schnittstellenprobleme, die unnötigen Aufwand und zusätzliche Kosten verursachen.

Dazu gehört auch, dass Kältefachpersonen oft zu spät zum Projekt hinzugezogen werden. So stellen zum Beispiel moderne Kälteanlagen mit umweltverträglichen Kältemitteln spezifische Sicherheitsanforderungen an den Maschinenraum, die schon bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Gerade was die Planung betrifft, nehmen viele Bauherren eine Abkürzung, die nicht selten schnurgerade zu Mehrkosten führt. So wird auf eine bezahlte Planungsleistung verzichtet und diese quasi als Gratisleistung beim Installateur bezogen, der mit der Offerte kostenlos das Anlagekonzept liefert. Da dem Installateur nichts anderes übrig bleibt, als auf seine bewährten Standardlösungen zurückzugreifen, wird der individuellen Situation oft zu wenig Rechnung getragen – und damit das Potenzial für eine optimale Energieeffizienz nicht ausgeschöpft.

Weitere Tipps für Bauherren finden sich in der Broschüre «Die teuersten Bauherrenfallen und was man dagegen tun kann». Diese kann kostenlos im Internet heruntergeladen werden unter:

www.effizientekaelte.ch