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Alternativen zu Fleisch boomen

Alternativen zu Fleisch boomen
Alexander Mathys von der ETH Zürich.
Bild: SVIAL

Die Weltklimabewegung zieht auch an der Agro-Food-Branche nicht spurlos vorbei. Aber wie können Landwirtschaft und Industrie nachhaltiger produzieren, ohne den Fokus auf die Innovation zu verlieren? Am 1. Future Food Symposium vom diskutierten Führungskräfte, welche Massnahmen im Agro-Food-Bereich die Klimakrise lösen können.

Nach verschiedenen Hochrechnungen von Experten liegt der Anteil von Treibhausgasen, welche die Agrar- und Ernährungswirtschaft verursachen, bei 25 Prozent. Der Anteil der Weltbevölkerung an der Ernährung ist jedoch 100 Prozent, betonte Marc Lutz, Präsident der SGLWT. SVIAL, Swiss Food Research und SGLWT haben das Thema «Auswirkungen des Klimawandels auf die Agro-Food Branche» aufgegriffen und führten zusammen zum ersten Mal im Februar das Future Food Symposium im Zürcher Technopark durch. «Es soll auch nicht das letzte Mal sein. Die Teilnehmerzahl von 160 Personen gibt uns Recht, dass wir mit dieser Veranstaltung den Nerv der Zeit getroffen haben», sagte der SGLWT-Präsident.

Jean-Valentin de Saussure, Regioleiter und Mitglied der Klimabewegung «Swiss Youth for Climate», appellierte an die gemeinsame Verantwortung. Wir stünden vor eine Klimakrise, da 17 Prozent der konsumbedingten Treibhausgase in der Schweiz auf die Ernährung zurückzuführen seien. Auch in der Schweiz würden noch zu aufwendig verpackte Lebensmittel angeboten. Neue und alternative Produktionsweisen seien daher unumgänglich, meinte der Klimaaktivist. Eine nachhaltigere und regionale Produktion sei schliesslich auch für den Bodenschutz entscheidend. Zudem sei es auch wichtig, mehr pflanzliche Proteine zu konsumieren, um der Umweltbelastung durch die landwirtschaftliche Tierhaltung Einhalt zu gebieten.

Wachsender Markt  für fleischlos

Für die Schweiz hat die Agroscope im Auftrag des BLW vor zwei Jahren eine Studie durchgeführt. Im Vordergrund stand die Frage, wie sich Landwirtschaftsflächen reduzieren und weiterhin so nutzen liessen, dass die Umweltauswirkungen möglichst klein sind. Dem Resultat zufolge würde der Konsum pflanzlicher Nahrungsmittel wie Brotgetreide, Kartoffeln und Gemüse steigen. Milchprodukte würden jedoch in ähnlichem Mass konsumiert wie heute und der Fleischkonsum würde zurückgehen. Dementsprechend würde die Ackerfläche verstärkt für den Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel genutzt. Durch die verringerten Importe und die nachhaltigere Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen liessen sich die Umweltwirkungen der Ernährung gegenüber heute auf rund die Hälfte reduzieren.

Für Alexander Mathys von der ETH Zürich steht fest, dass neuartige Proteine eine Rolle spielen werden. Allerdings müsse auch die Verfügbarkeit gewährt und die Kreislaufwirtschaft optimiert werden. Für Hülsenfrüchte sei zudem ein lebensmitteltechnologisches Verständnis für hochqualitative Produkte vonnöten. Wichtig beim Verarbeiten sei es, die gewünschte Textur ohne Verwendung von Zusatzstoffen zu erreichen, dies als Gegentrend zu «Ultra-processed Food».

Ein grosses Potenzial ortet Mathys bei der Kultivierung von Mikroalgen. Diese liessen sich bodenunabhängig auch in geschlossenen Reaktoren kultivieren und erzielten eine hohe Biomasseproduktion pro Fläche. So sei man bereits in der Lage, mit mikroverfahrenstechnischen Methoden wie 3D-Druckern die Verarbeitung auch in urbanen Bereichen zu gestalten. Ausserdem ermöglichen neue Methoden wie die Hochspannungsimpulstechnologie mittlerweile, funktionale Proteine aus lebenden Zellen zu extrahieren oder spezifische Einzelzellen zum schnelleren Wachstum anzuregen. Zu den wichtigsten Herausforderungen bei Mikroalgen zählen für den ETH-Forscher nach wie vor das effiziente und schonende Verarbeiten der Biomasse. Prozessentwicklung und Kontrolle spielen hier eine Schlüsselrolle, um neuartige Ansätze wie zum Beispiel die kontinuierliche Extraktion von Inhaltstoffen ohne kompletten Aufschluss der aktiven Algen zu ermöglichen.

Einer der Haupttrends des «SATW Outlooks» deutet jedenfalls klar in die Richtung der technologischen Nischen. Denn bei den Wertschöpfungsketten, von der Primärproduktion über die Lebensmittelindustrie bis hin zum Catering, besteht laut den Referenten noch viel Synergiepotenzial. Die Digitalisierung beginnt schon beim Einsatz von Spektralkameras und Drohnen, um die Weizensaat zu analysieren.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3 der Lebensmittel-Technologie (LT).