Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 11/2005, 05.01.2006

BSE in der Schweiz praktisch ausgerottet

Im zweiten Jahr nacheinander wurden in der Schweiz nur drei BSE-Fälle gezählt. Die Ausrottung der Rinderkrankheit scheint dem Ende nahe zu sein. «Wir sind überzeugt, am Anfang vom Ende von BSE zu sein», sagte Marcel Falk, Pressesprecher des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET). Der seit vielen Jahren beobachtete Rückgang an BSE-Fällen hat sich in den vergangenen zwei Jahren beschleunigt: Nach 21 Fällen im Jahr 2003, gab es 2004 und 2005 je nur 3 BSE-Fälle. 2001 waren es noch 42 Fälle gewesen.

Selbst bei dieser erfreulichen Entwicklung müsse jedoch in den kommenden Jahren weiterhin vereinzelt mit BSE-Fällen gerechnet werden, hiess es. Falk erklärte weiter, es sei praktisch unmöglich vorauszusagen, wann BSE in der Schweiz nicht mehr existieren würde, denn die Inkubationszeit daure mindestens fünf, zum Teil sogar bis 12 Jahre. So hätten sich auch die dieses Jahr erkrankten drei Kühe bereits einige Jahre zuvor angesteckt. «Wir wissen aus Erfahrung, dass alle erkrankten Kühe in ihrem ersten Lebensjahr angesteckt wurden. Die 2005 diagnostizierten Kühe waren alle zwischen sieben und zehn Jahre alt, müssen also Mitte der 1990er angesteckt worden sein.»

Die getroffenen Bekämpfungsmassnahmen würden somit greifen und müssten nun bis zur Ausrottung der Krankheit konsequent weitergeführt werden. Auch das Überwachungsprogramm bleibt in seiner aktuellen Form bestehen, um die Wirksamkeit der Bekämpfung überprüfen zu können.

Ziegen und Schafe wurden in den Jahren 2004 und 2005 einem gesonderten Überwachungsprogramm unterzogen. Damit wurde in erster Linie die Frage geklärt, ob bei diesen kleinen Wiederkäuern in der Schweiz BSE vorkommt. Im Programm wurden während eines Jahres der Grossteil der geschlachteten erwachsenen Schafe und Ziegen und verendete Tiere untersucht. Zwischen Juli 2004 und Juni 2005 wurden so beinahe 35'000 Tiere untersucht, und kein einziges hatte BSE. Damit lasse sich mit sehr grosser Sicherheit sagen, dass die Schafe und Ziegen der Schweiz frei von BSE sind, hiess es. Bis heute wurde nur in Frankreich im Januar 2005 eine Ziege mit BSE entdeckt.

Schweizer Experten waren von Anfang an zuvorderst in der Bekämpfung der Krankheit dabei. Die Schweiz musste sich seit Jahren mit BSE auseinandersetzen, war sie doch bereits Mitte der 1990er-Jahre stark davon betroffen (je über 60 Fälle 1994 und 1995). So wurde in der Schweiz ein Handbuch geschaffen, das den Verantwortlichen hilft, die geeigneten Massnahmen zu treffen. Dazu gehören Kontrollen der Futtermittel. Zusätzlich wurde ein Fütterungsverbot von mit Tiermehl verunreinigtem Futtermittel erlassen. Auch die Massnahmen in den Schlachthöfen sind streng. Nebst den Schlachthöfen werden auch die Schlachtanlagen streng kontrolliert.

Schliesslich entwickelte die Schweizer Firma Prionics einen Schnelltest für BSE, der zum Exportschlager wurde. Und der weltweit führende BSE-Forscher Adriano Aguzzi erhielt für seine Arbeiten über die Erkrankungen des Nervensystems den Benoist-Preis 2004, den «Schweizer Nobelpreis».
(swissinfo)