Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 01/2006, 24.01.2006

Malaria entsteht auch im Immunsystem

Malariaparasiten entwickeln sich auch in den Lymphknoten des Immunsystems. Zu diesem unerwarteten Ergebnis ist eine Studie des Institut Pasteur gekommen. Damit sei laut den Wissenschaftern bewiesen, wie komplex eine Malariainfektion sein kann. Es ist bekannt, dass die noch unreifen Parasiten in die Leber einer infizierten Person gelangen. Bisher wurde angenommen, dass es sich dabei um den einzigen Ort handelte, an dem sie sich entwickeln können. Die Wissenschafter hoffen, dass ihre Forschungsergebnisse zur Entwicklung besserer Impfstoffe beitragen können, die die Parasiten erreichen bevor sie in die Leber gelangen. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht.

Die Forscher infizierten Moskitos mit Plasmodien, die mit einer fluoreszierenden Markierung versehen waren. Anschliessend erlaubten sie den Moskitos eine Maus zu stechen. Bei jedem Stich fand das Team durchschnittlich 20 fluoreszierende Parasiten in der Haut des Tieres. Die Parasiten bewegten sich in der Folge mit grosser Geschwindigkeit auf einer zufälligen und verschlungenen Route durch die Haut. Nachdem sie die Haut verlassen hatten, befielen die Parasiten die Blutgefässe. Rund 25 Prozent der Parasiten befielen die Lymphgefässe des Immunsystems und verblieben in den Lymphknoten, die der Stelle an der sie gestochen hatten am nächsten lagen. Ihre Wanderung schien hier zu enden, da die Malariaparasiten fast nie in weiter entfernten Lymphknoten nachgewiesen werden konnten.

Innerhalb von vier Stunden nach dem Stechen der Moskitos erschienen viele der Parasiten in den Lymphknoten geschwächt zu sein. Zusätzlich kam es zu Reaktionen mit wichtigen Immunzellen. Das legt nahe, dass die Immunzellen die Parasiten zerstörten. Eine geringe Anzahl der Parasiten entkam jedoch der Zerstörung und begann sich in jede Form zu entwickeln, die normalerweise nur in der Leber vorkommt. 52 Stunden nach dem Insektenstich verblieben keine Parasiten in den Lymphknoten. Die Forscher folgerten daraus, dass eine vollständige Entwicklung in den Lymphknoten nicht möglich ist. Der leitende Wissenschafter Robert Ménard erklärte, dass nur voll entwickelte Parasiten die roten Blutkörperchen infizieren und Malaria verursachen können. Daher sei es denkbar, dass die Parasiten in den Lymphknoten zum Auftreten der Malariasymptome nichts beitragen. Aber auch teilweise entwickelte oder zerstörte Parasiten könnten die Reaktionen des Immunsystems auf eine Infektion deutlich beeinflussen.

Die Parasiten, die sich in den Lymphknoten entwickeln, könnten den Körper über das Vorhandensein eines Eindringlings informieren und so eine schützende Immunreaktion auslösen. Alternativ wäre es denkbar, dass ihre Präsenz den Körper gegen Parasiten unempfindlicher macht und so die Reaktion des Immunsystems auf eine Infektion abstumpft. Es überraschte die Wissenschafter, dass manche Parasiten bis zu sieben Stunden in der Haut der Mäuse verblieben. Damit würde es denkbar, dass sie so eine zweite Infektionswelle auslösten. Brian Greenwood von der London School of Hygiene and Tropical Medicine erklärte laut der BBC, dass man bisher davon ausgegangen war, dass die Folgen des Insektenstiches zu gering seien um eine Immunreaktion auszulösen. Eine entsprechende Reaktion wurde erst zu Beginn der Vermehrung der Parasiten in der Leber angenommen.
(pte)