Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 01/2006, 17.01.2006

Mehr Geld für Kampf gegen Vogelgrippe

Die Schweiz hat weitere 1,1 Millionen Franken gegen das Vogelgrippe-Virus in Asien zugesagt. Dies vor Beginn einer Geberkonferenz in Peking. Bereits im September hatte die Schweiz 4,8 Millionen an Länder gesprochen, von denen eine Pandemie ausgehen könnte.

Der Auftakt zur zweitägigen Konferenz in Peking erfolgte am Dienstag. Es wird erwartet, dass die Teilnehmerländer mindestens 1,3 Mrd. Franken für den Kampf gegen die Vogelgrippe in Asien bereitstellen werden. Das Patronat der Tagung liegt bei China, der Weltbank sowie der Europäischen Kommission. Zur Bekämpfung des tödlichen H5N1-Virus sind gemäss Weltbank insgesamt 1,5 Mrd. Franken nötig. Bis jetzt sind der Vogelgrippe mindestens 79 Menschen zum Opfer gefallen, die meisten von ihnen in Asien. In den letzten Tagen hat die Krankheit auch in der Türkei Menschenleben gefordert.

Mit den Geldern sollen in erster Linie die Gesundheitssysteme der "kritischen" Länder gestärkt werden. Dies als Prävention eines Ausbruchs einer Vogelgrippe-Pandemie. Eine solche tritt dann ein, wenn das H5N1-Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist und sich schnell über den Globus ausbreitet. «Die Krankheit ist momentan nicht unter Kontrolle», sagt Thomas Jemmi vom Schweizerischen Bundesamt für Veterinärwesen (Bvet) gegenüber swissinfo. Die Vogelgrippe sei in Asien bereits endemisch (bei Menschen verbreitet), so der Leiter der Schweizer Delegation in Peking.

Laut Jemmi besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Krankheit über die ganze Welt ausbreitet. Das Risiko dabei sei, dass sich die Viren verändern könnten, was eine neuerliche Pandemie auslösen könnte. «Deshalb müssen wir jetzt handeln. Die Geberkonferenz bietet dabei Gelegenheit, die betroffenen Länder zu unterstützen.»

Untersuchungen von infiziertem Geflügel aus der Türkei hatten letzte Woche eine genetische Veränderung des Virus gezeigt, wie sie zuvor bereits in Hongkong und Vietnam beobachtet worden war. Bei dieser Variante ist der Erreger besser befähigt, an menschliche Zellen anzudocken. Bisher haben sich die meisten mit dem H5N1-Virus infizierten Menschen über direkten Kontakt mit kranken Vögeln angesteckt. Experten befürchten aber eine Mutation des Virus in eine Form, welche die Übertragung auch von Mensch zu Mensch möglich macht.

Die zusätzlich von der Schweiz gesprochenen 1,1 Millionen Franken würden an die Weltgesundheits-Organisation sowie in spezifische Programme der betroffenen Länder fliessen, so Jemmi weiter. Das grösste Problem sieht der Experte bei den Tieren. Die Krankheit müsse folglich dort, also an der Wurzel, bekämpft werden. Jemmi: «Wenn wir die Krankheit bei den Vögeln unter Kontrolle haben, verkleinern wir die Chance auf eine Pandemie.»

Die Weltbank geht davon aus, dass eine Vogelgrippe-Pandemie weltweite Kosten von bis zu einer Milliarde Franken verursachen könnte. Sie hat deshalb vergangene Woche 640 Millionen für den Kampf gegen die Vogelgrippe gutgeheissen. Die Europäische Union (EU) kündigte am Freitag an, dass sie in Peking 128 Millionen zusichern werde. In der chinesischen Hauptstadt nehmen Vertreter von über 90 Ländern und 25 Organisationen der internationalen Zivilgesellschaft teil.

«Wir hoffen, dass wir auf rund 1,2 Milliarde Franken kommen, das scheint uns ein realistisches Ziel», sagt Jim Adams, Vizepräsident der Weltbank. Die Konferenz in Peking folgt auf eine Tagung, die vor zwei Monaten in Genf stattgefunden hatte.
(swissinfo)