Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 01/2006, 21.02.2006

Schweizern ist Lust auf Poulet vergangen

Den Schweizern ist mit dem Näherrücken der Vogelgrippe der Appetit auf Poulet offenbar vergangen. Wegen sinkender Nachfrage verschwindet Geflügel vielerorts aus den Hauptmenüs von Personalrestaurants, wie eine AP-Umfrage ergab. Vorerst keinen Umsatzeinbruch registrierten die Detailhändler.

Das Cateringunternehmen SV Group, welches rund 300 Betriebe betreut, nimmt ab kommendem Mittwoch das Geflügel-Fleisch aus den Hauptmenüs. «Die Nachfrage der Gäste ist nicht mehr da», sagte SV-Sprecherin Silvia Schnidrig. Seit dem Näherrücken der Vogelgrippe habe der Konsum abgenommen. Auch seien die Restaurantmanager mit Blick auf einen allfälligen Fall in der Schweiz vorsichtig geworden. So werde vermutet, dass die Nachfrage dann ganz zusammenfalle.

Auch bei der Zürcher Gastronomiegruppe ZFV-Unternehmungen wurde ein Verzicht auf Geflügelfleisch intensiv diskutiert, wie Regula Pfister, Vorsitzende der Geschäftsleitung, sagte. Man habe sich schliesslich entschieden, weiterhin Geflügel zu verkaufen. Es sei aber eine Weisung herausgegeben worden, wonach nur noch Schweizer Fleisch verkauft werden soll. Die ZFV-Unternehmungen beliefern Universitäten, Hotels und Unternehmen wie die Grossbank UBS.

Bei GastroSuisse wird die Situation mit erhöhter Aufmerksamkeit beobachtet. Offenbar ist vereinzelt eine gewisse Verlagerung zu Gunsten von geflügelfreien Gerichten festzustellen; konkrete Zahlen liegen aber nicht vor, wie GastroSuisse-Sprecherin Brigitte Meier-Schmid sagte. Der Verband stehe eng in Kontakt mit den zuständigen Bundesämtern. Es sei wichtig, dass die Restaurateure selber gut informiert seien und beispielsweise über die Herkunft des verwendeten Fleisches Auskunft geben könnten sowie für dennoch verunsicherte Gäste eine vielfältige Menükarte bereit hielten.

Peter Röthlisberger, Präsident der Schweizer Geflügelproduzenten (SGP), sieht die Produktion in der Schweiz in Bezug auf die Sicherheit gut gerüstet. Momentan präsentiere sich der Markt aber sehr verhalten. Sorgen bereite ihm aber der erste mögliche Vogelgrippe-Fall in der Schweiz. Dies werde einen markanten Punkt im Markt darstellen. Kagfreiland konnte bisher von der Solidarität der Konsumenten profitieren, wie Roman Weigel, Geschäftsführer der Nutztierschutz-Organisation sagte. So hätten viele aus Mitleid mit den Bauern und trotzdem Geflügel gekauft.

Keinen Einbruch des Umsatzes mit Geflügel in den vergangenen Tagen stellten dagegen die Detailhändler fest. Wie Migros-Sprecherin Monika Weibel sagte, würden zur Zeit zahlreiche Aktionen mit Schweizer Geflügel-Fleisch durchgeführt. Laut einem Coop-Sprecher wissen die Konsumenten, dass der Konsum von Geflügelfleisch keine Gefahr darstellen sollte. Bei Carrefour hat sich der Umsatz laut einem Sprecher in der vergangenen Zeit stabilisiert. Es sei nur eine leichte Einbusse registriert worden.
(ap)