Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Hygiene: Ausgabe 03/2011, 18.03.2011

Einfache Hilfe im Kampf gegen Mikroorganismen

Hefen, Schimmelpilze oder Bakterien sind wichtige Helfer in der Lebensmittelindustrie. Es gibt aber auch unerwünschte Vertreter dieser Mikroorganismen. Diese lassen sich mit einer einfachen und dauerhaft wirkenden Methode schnell eliminieren.

Camembert, Bier oder Joghurt sind Lebensmittel, die mithilfe von spe-ziellen Schimmelpilzen, Hefen und Bakterien hergestellt werden. Während die Lebensmittelindustrie ganz gezielt Penicillium camemberti, Saccharomyces cerevisiae und Lactobazillen einsetzt, gibt es aber auch andere Vertreter ihrer Gattungen, die absolut unerwünscht sind. Da Mikroorganismen aller Art in unserer Umgebung vorkommen, lassen sie sich nur durch gezielte Massnahmen aus der Lebensmittelproduktion fernhalten. Regelmässige Reinigung von Anlagen, Maschinen und produktberührenden Oberflächen ist Grundvoraussetzung für eine hohe Produktsicherheit. Auch Wände, Böden und Decken lassen sich mit Hochdruck oder Schaum reinigen. Mit einfachen Massnahmen können Unternehmen jedoch noch zusätzlich die Keimzahl in ihren Produktionsräumen erheblich reduzieren.

Beschichtungen. So lassen sich Oberflächen mit speziellen Beschichtungen antimikrobiell ausrüsten und verhindern damit dauerhaft die Ansiedlung von Mikroorganismen. Als Beschichtungsmaterial eignen sich Epoxydharze besonders für den Boden- und Nassbereich. Die Harze sind sehr strapazierfähig, robust gegenüber zahlreichen Chemikalien und halten auch mittleren bis schweren mechanischen Belastungen stand. Polyurethanbeschichtungen sind ebenfalls chemikalienbeständig und sind leicht auf Wände aufzutragen. Zudem lassen sich auch klassische Wandfarben antimikrobiell ausrüsten. Diese Massnahme verhindert, dass sich an schwer zugänglichen Stellen oder in schlecht zu reinigenden Ecken unbemerkt Bakterien-herde oder Schimmelbefall bilden.

Wirkprinzip. Als Wirkstoff kommt ein Biozid zum Einsatz. «Wir verwenden keine in der Lackindustrie üblichen Biozide, sondern haben eine eigene Technologie entwickelt», so Edgar Wittlin, Chemiker der «stc hygiene AG». «Unser Biozid wirkt physikalisch und unterscheidet sich damit von den üblichen Bioziden mit chemischem Wirkmechanismus.» Als Basis dient das Polymer Akacid plus, das als Breitband-Desinfektionsmittel in der Lebensmittelindustrie eingesetzt wird. Die in der Umgebung vorkommenden Mikroorganismen werden durch die hohe Ladung auf der Oberfläche des polymeren Elektrolyts angezogen und über Ladungsausgleich (Ionenfluss) im Stoffwechsel gestört und somit inaktiviert. Als Polymer ist das Biozid nicht auswaschbar, diffundiert und migriert nicht, wodurch sich die antimikrobielle Funktion über die Zeit auch nicht erschöpft.

Einsatzgebiet. Mit der speziell entwickelten «BaCoat»-Linie lassen sich Beschichtungsmassen mit dem Biozid verlinken. Wie das funktioniert, bleibt jedoch das Geheimnis von Edgar Wittlin. Weniger geheimnisvoll sind die Methoden zum Auftragen der Beschichtungen. Je nach Applikationseigenschaft des Beschichtungsmaterials können Maler oder Lackierer die Beschichtung auf Oberflächen aufsprühen, aufwischen, rollen oder lackieren. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine Wand, einen Boden oder eine Maschinenoberfläche handelt. «Grundsätzlich können wir alle Oberflächen antimikrobiell ausrüsten. Nur Kunststoffe wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) können bei der Beschichtung problematisch werden», erklärt der Chemiker. Zudem schreibt der Gesetzgeber vor, dass Flächen, die im direkten Kontakt mit Lebensmitteln stehen, nicht biozid ausgerüstet werden dürfen. In solchen Fällen rät der Experte von einer Beschichtung ab.

>> Lesen Sie mehr darüber in der aktuellen Ausgabe LT 3/11.