Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Verpacken: Ausgabe 04/2011, 11.04.2011

«Eine schnelle Lösung gibt es nicht»

Berichte über Mineralölrückstände in Lebensmitteln verunsichern derzeit die Konsumenten. Wie reagieren Lebensmittel- und Verpackungsindustrie darauf?

Lebensmittel, die mit Erdölrückständen belastet sind – das ist ein Thema, das in der Schweiz jüngst der «Kassensturz» auf den Tisch gebracht hat: Dieser hat einen Test beim Zürcher Kantonslabor in Auftrag gegeben, der zeigte, dass einige der getesteten Lebensmittel «stark verunreinigt» waren. Die Rückstände stammen dabei aus Druckfarben, wie sie etwa auch im Zeitungsdruck verwendet werden. Konkret handelt es sich um Mineralölfraktionen mit kürzerkettigen gesättigten und aromatischen Kohlenwasserstoffen («mineral oil saturated hydrocarbons», MOSH, und «mineral oil aromatic hydrocarbons», MOAH). Diese können aus Kartonverpackungen ins Lebensmittel übergehen.
Komplexe Problematik. Ein Problem, das zumindest zum Teil nicht neu ist (siehe Kasten), dafür aber umso komplexer. «Schliesslich sind hier alle betroffen, die mit Recyclingpapier zu tun haben – und das europaweit», so Beat Hodler, Co-Geschäftsführer der Fial.
Genauso komplex sind denn auch die Lösungswege, die nun diskutiert werden: «Ein Vorschlag wäre, dass im Zeitungsdruck nicht mehr mineralölbasierte Druckfarben zum Einsatz kommen», so Hodler, «ein weiterer, dass sensible Produkte in Frischfaserkartons verpackt werden oder in Verpackungen, die mit einer funktionalen Sperre versehen sind.»
Umzusetzen sind allerdings beide Varianten nicht so einfach: «Beim ersten Vorschlag müssten die Zeitungen europaweit diese technische Umstellung mitmachen, da Recyclingkartons – bis auf Wellkartons – heute mehrheitlich aus dem Ausland stammen», so -Hodler. Der zweite Vorschlag wiederum ist «ökologisch schwierig»: Für Frischfaserkartons «müsste viel Holz gerodet werden», die Lösung mit den funktionalen Sperren ist «von der CO2-Bilanz her problematisch, da hier oft nur eine Aluminiumbeschichtung sinnvoll ist». Für Hodler ist daher klar: «Eine schnelle Lösung gibt es nicht.»
Lösungsfindung in der JIG? Was also ist zu tun? Hodler plädiert dafür, dass die Joint Industry Group, JIG, sich des Problems annimmt.
Die JIG wurde 2007 auf Initiative des Schweizerischen Verpackungsinstituts, SVI, gegründet. Grund dafür war, dass damals eine Lösung in der Migrationsproblematik von Drucktinten, die direkt auf Lebensmittelverpackungen aufgedruckt werden, gefunden werden musste. Eingebunden in die Gespräche waren damals alle betroffenen Indus-trien sowie das BAG. «Und als Ergebnis hat die Schweiz 2008 Positivlisten für Drucktinten festgelegt und ist damit der EU in diesem Punkt heute voraus», so Hodler.
Für Wolfgang Durrer, Geschäftsführer des SVI, kann die JIG denn auch in der aktuellen Frage als Plattform für Gespräche dienen – auch wenn die JIG sich eigentlich mit dem Thema Lebensmittelsicherheit generell, «und zwar gemäss SVI-Philosophie unter Einbezug aller Packstoffe», befasst. Handlungsbedarf sieht er denn derzeit auch vor allem «in der noch stärkeren Einbindung der Nahrungsmittelproduzenten und der Rohmateriallieferanten in das JIG-Projekt».
Kommunikation und Konformität. Für Martin Häberli, Geschäftsführer des Verbandes Swisscarton und Projektleiter der JIG, steht dabei vor allem ein Punkt, für den sich die JIG einsetzt, im Zentrum: «Der Fall zeigt, dass wir an der Kommunikation innerhalb der Wertschöpfungskette arbeiten müssen – und ein Instrumentarium dafür wäre die Konformitätsarbeit.»
«Konformitätserklärungen sind in der Tat das wichtigste Element der Sicherheit und Vertrauensbildung innerhalb der Wertschöpfungskette», findet auch Durrer. «Zentraler Punkt ist hier die Verbesserung des Informationsflusses innerhalb der Supply Chain, und zwar in beiden Richtungen. Nur wenn die Endanforderungen für den Einsatz der Verpackung klar und eindeutig definiert sind, können sich die vorgelagerten Lieferanten auch darauf einstellen, sachgerechte Konformitätsarbeit zu leisten, und entsprechende Konformitätserklärungen ausstellen.»
Für Häberli reicht eine Konformitätserklärung, analog jener, wie sie in der Europäischen Verordnung Nr. 1935/2004 für Kunststoffe gefordert wird, allerdings nicht aus: «Langfristig ist für mich nur eine Volltransparenz sinnvoll, also eine Offenlegung der prob-lematischen Inhaltsstoffe nicht nur gegenüber den Behörden.» Andernfalls blieben für ihn die Verantwortlichkeiten wie bisher «letztlich unklar geregelt». ...

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