Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 06/2011, 14.06.2011

Dank Weiterbildung eine Nasenlänge voraus

Berufsbegleitende Weiterbildungskurse bieten eine Vielzahl an Vorteilen: Neben der Aktualisierung des Wissens können Teilnehmer auch weiter auf der Karriereleiter nach oben steigen und sich ein wertvolles Netzwerk aufbauen.

Der demografische Wandel in der Gesellschaft macht sich nicht nur im Gesundheitswesen bemerkbar, sondern auch in der Wirtschaft. Viele Unternehmen kämpfen zunehmend mit dem Fachkräftemangel und werben um gut ausgebildete, kompetente und motivierte Arbeitnehmer. Dabei spielen sowohl der Ausbildungsgrad als auch die Berufserfahrung eine wichtige Rolle. Um für Unternehmen attraktiv zu sein, müssen Arbeitnehmer aber nicht zwingend notwendig einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss vorweisen – auch wenn dieser viele Türen öffnet. Personen mit einer qualifizierten Berufsausbildung sind ebenso gefragt. Trotz guter Ausbildung kann sich in der heutigen Zeit jedoch keiner mehr auf seinen «Lorbeeren ausruhen». Die Arbeitsbedingungen ändern sich laufend durch Innovationen und Veränderungen auf allen Gebieten. Nicht umsonst wächst der Mensch mit seinen Aufgaben. Vieles lässt sich in der Praxis durch «learning by doing» aneignen, sodass Arbeitnehmer den Anforderungen gewachsen sind. Wer jedoch tiefer in ein spezielles Gebiet einsteigen will oder in seinem Beruf eine Karriere als Kadermitglied anstrebt, kann sich durch Weiterbildungskurse und Seminare das gewünschte Wissen aneignen.
Weiterbildung. Der Weiterbildungsmarkt bietet für nahezu jeden Geschmack das passende Angebot. Das fängt bei Halbtagesseminaren an und hört bei einem zusätzlichen Studium auf. Für was sich Interessierte letztlich entscheiden, hängt von der persönlichen Motivation, den Berufsanforderungen, dem Zeitaufwand und der Finanzierbarkeit ab. Fachleute, die sich für alles rund um die Lebensmittelproduktion interessieren, können an Fachhochschulen wie der ZHAW in Wädenswil, der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO ) in Sion, der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (SHL) in Zollikofen und der ETH Zürich aus einer Vielzahl an Weiterbildungskursen auswählen.
Certificate of Advanced Studies (CAS). Seit wenigen Jahren bieten Fachhochschulen Zertifikatslehrgänge (CAS) an. Hierbei sind gewisse Aufnahmebedingungen zu erfüllen. Da der CAS zu einem universitären Abschluss führt, ist in der Regel ein Hochschulabschluss als Voraussetzung für diese Weiterbildung notwendig. «Es können jedoch auch Personen mit einer qualifizierten Berufsausbildung und solider Berufserfahrung diese Weiterbildung besuchen», wie Dr. Rudolf Schmitt, Dozent für Food Microbiology & Food Safety der HES-SO in Sion erklärt. Laut Sandra Burri können interessierte Personen ohne Hochschulabschluss ihre Qualifikation über ein Dosier nachweisen, das sie an der Fachhochschule einreichen.
Die Zertifikatslehrgänge sind in Modulen aufgebaut und vermitteln sowohl praktisches als auch wissenschaftliches Wissen. Seit der Bologna-I-nitiative sind CAS-Kurse zeitlich mit ECTS-Punkten (European Credit Transfer System) definiert, wobei 1 ECTS einer Arbeitsleistung von 25 bis 30 Stunden entspricht. Zertifikatslehrgänge können einen Umfang von 10 bis 15 «Credits» (ECTS-Punkte) aufweisen und beanspruchen damit eine Studienleistung von 250 bis 450 Stunden. Diese müssen Teilnehmende natürlich nicht am Stück absolvieren, was bei berufsbegleitenden Weiterbildungen gar nicht umsetzbar wäre. So sind die Module auf Semester aufgeteilt, wobei die Studenten meist tageweise die Hochschule besuchen. Zu den Anwesenheitstagen müssen Interessierte aber noch geraume Zeit für das Selbststudium einplanen, da die Module Vor- und Nachbereitungszeiten beanspruchen. Ein CAS lässt sich aber nicht nur durch die reine Anwesenheit bestehen, sondern jedes Modul muss für sich bestanden werden. Die Studenten legen als Leistungsnachweis eine schriftliche oder mündliche Prüfung (Präsentation) ab oder verfassen eine schriftliche Reflexion/Stellungnahme zu einem spezifischen Thema, wie Sandra Burri sagt. Sollte ein Modul beim ersten Anlauf nicht bestanden sein, haben die Teilnehmenden die Gelegenheit, den Leistungsnachweis zu wiederholen. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Absolventen ein Zertifikat, das die Studienleistung belegt.
Diploma of Advanced Studies (DAS). Eine Stufe weiter geht das Diploma of Advanced Studies (DAS). Dieses wird in der Regel mit 30 Creditpoints berechnet und entspricht damit einem Zeitaufwand von rund 750 Stunden. Die Zulassungsbedingungen entsprechen denen der Zertifikatslehrgänge. Beispielsweise können Personen, die bereits an der Fachhochschule Westschweiz einen CAS erfolgreich bestanden haben, sich diesen anrechnen lassen und die Module des CAS mit den darauf aufbauenden Modulen des DAS ergänzen. Wie schon beim Zertifikatslehrgang ist auch beim Diploma of Advanced Studies das Bestehen aller Module zwingend. «Für -einen erfolgreichen Abschluss ist jedoch zusätzlich noch eine eigenständige Dip-lomarbeit und eine abschliessende -Diplomprüfung erforderlich», so Rudolf Schmitt.
MAS. Der Master of Advanced Studies ist ein berufsbegleitender Masterstudiengang und verleiht den höchsten Grad der Weiterbildung. Mit 60 Creditpoints, die einen Studienaufwand von mindestens 1500 Stunden bedeuten, ist diese Weiterbildung schon eine enorme Leistung, die sich über mehrere Semester zieht. Zudem ist auch hier der erfolgreiche Abschluss jedes Moduls, eine Masterarbeit und eine Abschlussprüfung erforderlich. Interessierte sollten daher vor Beginn der Weiterbildung mit dem Arbeitgeber sprechen, um Arbeit und Studium koordinieren zu können. «Es ist durchaus machbar, dieses Studium berufsbegleitend zu absolvieren, aber es erfordert relativ viele Zugeständnisse von Arbeitgeber und -Familie», so Rudolf Schmitt.
Im Lebensmittelbereich können bisher an der Fachhochschule Westschweiz zwei Masterstudiengänge besucht werden. Ein MAS-Abschluss im Bereich foodward der ZHAW wird derzeit noch nicht angeboten, «ein Antrag ist jedoch beim Fachhochschulrat des Kanton Zürichs anhängig und sollte in naher Zukunft Realität werden», meint Sandra Burri.

» Lesen Sie mehr darüber in der aktuellen Ausgabe LT 6/11.