Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Kälte- und Lufttechnik: Ausgabe 09/2011, 11.09.2011

Reinraumtechnik für die Lebensmittelindustrie

Natürliche Bestandteile der Luft sind meist ungefährlich. Es gibt jedoch Bereiche in der Lebensmittelindustrie, wo diese zu Kontami­nationen führen und die Produktqualität mindern. HEPA-Filter und spezielle Lüftungssysteme können Abhilfe schaffen.

Staubpartikel, Russ, Bakterien und Sporen sind natürlich vorkommende Bestandteile der Luft. Auch wenn diese den Menschen in der Regel keine gesundheitlichen Probleme verursachen, sind sie dennoch in bestimmten Bereichen unerwünscht. Sie können beispielsweise in der Lebensmittelindustrie für Kontaminationen und damit für den vorzeitigen Verfall der Haltbarkeit verantwortlich sein. Daher sind Lebensmittelproduzenten sehr darauf bedacht, derartige Verunreinigungen weitgehend zu vermeiden. Eine wirksame Methode zur Reduzierung von Mikroorganismen aus der Luft sind Filter- und Umluftsysteme. Diese sorgen in Produktionsräumen für saubere Luft. Eine Steigerung stellt die Reinraumtechnik dar, bei der die Luft nicht nur sauber, sondern rein ist. Auch wenn diese Technik ursprünglich für die Produktion von Higtech- und Pharmaprodukten entwickelt wurde, hat sie mittlerweile in der Lebensmittelindustrie Fuss gefasst.
Einsatzbereiche. Die Reinraumtechnik findet zum Beispiel Einsatz in der Backwarenindustrie wie auch bei der Fleischverarbeitung und der Produktion von Milchprodukten oder gerüsteten Salaten, wie Hilmar Hofstetter, Projektleiter bei der Wesco AG, erklärt. Sogenannte HEPA-Filter (high efficiency particle filter) halten Schwebstoffteilchen in einer Partikelgrösse von 0,1 bis 5,0 µm zurück und sorgen damit für eine keimarme Luft. Je nach Anforderungen können Betriebe Hepa-Filter mit unterschiedlichem Abscheidegrad wählen. In der Lebensmittelindustrie werden häufig Filter der Klassen H13 und H14 eingesetzt. Diese haben einen Durchlassgrad von 0,05 beziehungsweise 0,005 Prozent und sind damit für Produktionsräume sehr gut geeignet.
Platzschutz. Eine relativ kostengünstige Variante der Reinraumtechnik ist die Anwendung für einen begrenzten Bereich, der jedoch nicht komplett vom Produktionsraum abgeschlossen ist. «Mit dem Platzschutz lassen sich partiell Bereiche abgrenzen, die geschützt werden sollen. Dies bietet sich beispielsweise für den Abfüllprozess von Joghurt an», sagt der Projektleiter. So kann über den Schwebstofffilter sterile Luft über diesen Bereich strömen, die die vorhandene Umgebungsluft verdrängt und auf diese Weise die Keimzahl drastisch reduziert. Für die örtliche Abgrenzung des zu schützenden Bereichs gibt es Softwalls, die als Vorhang den entsprechenden Anlagenbereich abteilen, oder Systeme, mit denen sich kleine Kabinen aufstellen lassen. Auf diese Weise ist die komplette Anlage in den Produktionsraum integriert, wobei Unternehmen dennoch eine konditionierte Atmosphäre schaffen können.
Reinraum. Wer jedoch höhere Anforderungen an seine Umgebungsbedingungen stellt, kann einen kompletten Reinraum gestalten lassen. Schleusen für Personal und Material verhindern eine Kontamination des Reinraums durch äussere Einflüsse. Das Personal trägt zudem meist eine Schutzkleidung, die den jeweiligen Anforderungen entspricht. Oftmals reichen in der Lebensmittelindustrie schon Handschuhe und Mundschutz aus. Wenn das aber nicht genügt, gibt es auch komplette Anzüge, mit denen das Personal in der sterilen Umgebung arbeitet.
Damit die Luft auch die geforderte Qualität aufweist, verwenden Lebensmittelproduzenten oftmals Umluftsysteme und führen darüber die konditionierte Luft in den Reinraum ein. Auf diese Weise lässt sich Energie einsparen, da die Wärmerückgewinnung deutlich niedriger ist, als wenn Aussenluft erst an die Bedingungen des Reinraums angepasst werden muss.


Weitere Informationen:
Wesco AG
www.wesco.ch

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