Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 10/2011, 21.12.2011

Verpackungen von Lebensmitteln

Die gemeinsame Tagung der Fachgesellschaften SGLH, SGLUC, SGLWT und des Berufsverbandes SVIAL erfreute sich grosser Beliebtheit. Die gut besuchte Veranstaltung beleuchtete das Thema Lebensmittelverpackung und die damit einhergehenden Probleme von vielen Seiten und zeigte Lösungsansätze auf.

Am 8. und 9. September 2011 fand in Freiburg (FR) die gemeinsame Tagung der Fachgesellschaften SGLH, SGLUC, SGLWT und des Berufsverbands SVIAL statt. Die mit mehr als 180 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Verpackung von Lebensmitteln und gab sowohl Einblicke in aktuelle Forschungsarbeiten rund um Lebensmittelverpackungen und damit einhergehende Problematiken als auch in die aktuelle Situation der Verpackungsindustrie und zeigte potenzielle Lösungsansätze auf. Die Tagung gliederte sich in die Schwerpunktbereiche «funktionelle Verpackungen und Nanotechnologie», «Analytik, Good Manufacturing Practice, Migration», Regulatorien, Konsument» und «Ökobilanz, Nachhaltigkeit, Recycling».
Im Bereich der Nanotechnologie zeigte beispielsweise Martin Möller vom Öko-Institut e. V. (DE) im Rahmen seines Vortrags «Nanotechnologie und Verpackungen», wo Nanotechnik bereits eingesetzt wird, und gab Empfehlungen im Umgang mit Nanopartikeln ab. So ist bekannt, dass Nano-Materialien im Vergleich zu grösseren Partikeln oftmals veränderte Eigenschaften aufweisen und diese für Barriereeigenschaften in Verpackungen vorteilhaft sind. Da aber mögliche Risiken für den Menschen durch Aufnahme der winzigen Teilchen über den Magen-Darm-Trakt des Menschen bisher kaum erforscht sind, ist dennoch Vorsicht geboten. Daher rät der Experte zur Minimierung der Expositionswahrscheinlichkeit der Konsumenten durch Vermeidung des direkten Lebensmittelkontakts und zur frühzeitigen Berücksichtigung möglicher Auswirkungen der synthetischen Nanomaterialien in der Gebrauchs- und Nachgebrauchsphase. Zudem ist Möller überzeugt, dass Konsumenten Nanotechnologie in Lebensmittelverpackungen nur dann akzeptieren, wenn ein greifbarer Nutzen wie beispielsweise längere Haltbarkeit, leichtere Verpackungen oder die Kennzeichnung von verdorbenen Lebensmitteln geboten wird.
Auch die Migration bei Recycling-Verpackungsmaterialien war Thema der Tagung. Johannes Bergmair vom Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik in Wien (ofi) ging mit seinem Referat «Migration bei Recycling-Verpackungsmaterial» auf diese Problematik ein und zeigte Strategien zur Problemlösung auf. Aber der Ausschluss der Migrationsquelle, die Kontrolle der Ausgangsstoffe beim Recycling wie auch die Verminderung der Migration allein reichen nicht aus. Bergmair sieht vor allem in der Kooperation mit allen beteiligten Industriezweigen (Druckfarben, Zeitungsdruck, Erfassung von Altpapier, Papierherstellung, Verpackungsmittelherstellung, Lebensmittelabfüllung) eine reelle Chance zur Eindämmung der Migrationsrisiken. Für den Experten ist die «Joint Industry Group» (JIG) des Schweizerischen Verpackungsinstituts, SVI, eine gelungenes Beispiel für eine gute Zusammenarbeit. Dafür ist zum einen der Wissensaufbau entlang der Wertschöpfungskette ein wichtiger Baustein, um die Konformitätsarbeit in der Industrie bewältigen zu können. Da ohne Kommunikation und Informationsaustausch eine Zusammenarbeit nicht machbar ist, ist auch eine Plattform und ein Ort notwendig, wo sich privatwirtschaftliche Akteure und Vollzugsbehörden austauschen können und ein Dialog zwischen Kontrolleuren und Kontrollierten stattfindet. Für den Vertreter des ofi bietet das JIG des SVI mit den oben genannten Zielen den entsprechenden Rahmen und bietet so die wichtige Unterstützung, mit der sich Migrationen künftig minimieren und irgendwann auch vermeiden lassen.
Zum Schwerpunktbereich «Konsumenten» gab Christine Brombach vom Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation der ZHAW einen Überblick zur «altersgerechten Verpackung». Die Fokusgruppe um Christine Brombach hat sich mit den Bedürfnissen und Anforderungen der Senioren an die Verpackung von Lebensmitteln befasst. Die Ergebnisse der Fokusgruppe sollten aber nicht nur für altersgerechte Verpackungen gelten, sondern generell übernommen werden. So sind die gute Lesbarkeit, einwandfreies, leichtes Öffnen, die Erhöhung der Griffigkeit des Verpackungsmaterials, bessere Portioniermöglichkeiten und die Wiederverschliessbarkeit nur einige Beispiele, die nicht nur für Senioren gelten. Auch Muriel Uebelhart vom KonsumentInnenforum hatte in ihrem Vortrag klare Konsumentenwünsche definiert. Dazu gehören beispielsweise das benutzerfreundliche Öffnen und Wiederverschliessen wie auch die problemlose Entsorgung oder die raumsparende Lagerung. Daher sind die speziellen Anforderungen der Konsumenten, wie etwa die benutzerfreundliche Bedienung auch unter erschwerten Bedingungen, oder eine praktisch anwendbare Verpackung keine Überraschung.
Der letzte Fokus der Tagung galt der Ökobilanz, der Nachhaltigkeit und dem Recycling. Heidi Oswald vom Migros-Genossenschafts Bund in Zürich definierte in ihrem Referat eindeutige Ziele. So sollten bis 2013 die Umweltbelastungen um 10 Prozent bei den 250 meistverkauften Produktverpackungen reduziert werden, bis 2015 50 Prozent der PET-Verpackungen aus Recyclingmaterial bestehen und bis 2020 Papier beziehungsweise Karton nur noch aus FSC-zertifizierten Produktionsketten oder Recycling hergestellt werden. Zum Erreichen dieser Ziele zeigte die Referentin auch Optimierungsarten auf. So sind Weglassen von Umverpackungen, dünnere Hüllen, Einsatz von Alu-freiem Verpackungsmaterial nur einige der genannten Optionen.

Präsentationen zum Download:
www.svial.ch (unter Rubrik Services/Referate)