Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Kälte- und Lufttechnik: Ausgabe 11/2011, 16.11.2011

Kälteanlagen nach Mass

Kühlprozesse sind in der Lebensmittelindustrie obligatorisch. Da jedes Unternehmen jedoch andere Produktionsverfahren hat, gibt es für Kälteanlagen keine Standardlösung.

Kälteanlagen sind in vielen Bereichen der Lebensmittelproduktion nicht wegzudenken. Sie sorgen für die notwendige Kälte, wenn verschiedene Produktionsschritte gewisse Temperaturbereiche nicht überschreiten dürfen. Da jeder Produktionsbetrieb individuell aufgestellt ist, gibt es für Kälteanlagen keine Standardlösung, sondern Massanfertigungen. Dabei sollten Betreiber jedoch einiges beachten, um später auch die gewünschte Kälteleistung zu bekommen.
Anforderungen definieren. Experten wie Paul von Arx, Geschäftsführer der PAVA AG, raten ihren Kunden, die Anforderungen an die Kälteanlage klar zu definieren: «Grundsätzlich müssen Betreiber die Gegebenheiten kennen. Dazu gehören nicht nur das gewünschte Temperatursoll, sondern auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die für die Herstellung des jeweiligen Lebensmittels gelten.» Daher müssen bei der Planung von Anfang an ISO- oder EU-Normen mit einbezogen werden. Sollen die Lebensmittel in andere Länder exportiert werden, die ausserhalb des EU-Raums liegen, so sind auch die Verordnungen dieses Exportlandes zu berücksichtigen.
Da eine Kälteanlage immer eine finanzielle Investition bedeutet, sind eventuelle Nachrüstarbeiten meist teurer, als wenn Betreiber gleich zu Beginn alle relevanten Informationen berücksichtigen. «Wir bekommen immer wieder Anfragen von Kunden, an denen wir sehen, dass sich der künftige Betreiber nicht gut genug mit den Anforderungen auseinandergesetzt hat. Aber da diese immer betriebsabhängig sind, können wir die Anforderungen an die Kälteanlage nicht allein bestimmen», erklärt Paul von Arx. Daher besuchen die Fachleute den Betrieb und machen sich vor Ort ein Bild. Auf diese Weise sehen die Experten, was der Lebensmittelhersteller produziert, wie er produziert und welche Kälteanlagen bisher im Einsatz waren. Aufgrund dieser Informationen lassen sich die Bedürfnisse direkt abklären. Gibt es bauliche Massnahmen zu berücksichtigen, kann auch ein Architekt hinzugezogen werden.
Audits berücksichtigen. Ebenso relevant sind Audits, da diese auch auf die Kälteanlage Auswirkungen haben. «Wenn ein Audit geplant ist oder bereits gemacht wird, dann müssen jedes Jahr die Sollwerte erfüllt werden. Demzufolge muss die Kälteanlage so gebaut sein, dass sie die Audits auch bestehen kann», so der Geschäftsführer. «Das heisst, dass die verwendeten Komponenten dem Audit entsprechen und auch so verbaut sein müssen, dass ein Audit durchführbar ist.» Wurden die falschen Komponenten verwendet, kann es bei künftigen Audits der Fall sein, dass die Anlagenteile ausgebaut und durch andere ersetzt werden müssen, was beim Nachrüsten sehr kostspielig sein kann.
Energie sparen. Auch der Umweltaspekt ist ein wichtiger Punkt. Kälteanlagen verbrauchen zur Erzeugung der geforderten Temperaturen viel Energie und geben diese grossenteils als Wärme wieder ab. Daher sind energierückgewinnende oder energiesparende Techniken für Betreiber lohnende Überlegungen. Eine energiesparende Technik ist der Frequenzumrichter (FU). Dieser regelt die Drehzahl des Verdichters und kann zwischen 35 und 120 Prozent die Anlage stufenlos regeln. «Dadurch können wir Energie einsparen, da der Verdichter nicht zwischen 0 und 100 Prozent taktet, sondern sich an die Anforderung der Kühlstelle anpasst. Der FU sorgt je nach Kältebedarf mal für weniger mal für mehr Kälteleistung. Mit der stufenlosen Regulation ist es einfach, genau den notwendigen Bedarf zu produzieren», so von Arx. Der Einsatz von Frequenzumrichtern lohnt sich aber erst bei zwei oder mehreren Kühlstellen, da bei einer Kühlstelle der Bedarf immer gleich ist.
Zu den energiesparenden Techniken zählt die Rückgewinnung der Wärme, die während des Betriebs der Kälteanlage unweigerlich entsteht. «Für die Kondensations- und Verflüssigungsleistung brauchen wir Energie, die zum grossen Teil in Wärme umgewandelt wird. Mit dieser Wärme lassen sich Wärmerückgewinnungsboiler speisen, die dann mit dem warmen Wasser Lagerhallen, Bürogebäude und andere Räumlichkeiten heizen.

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