Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 01/2012, 10.02.2012

Lebensmitteltechniker HF – ein neuer Beruf?

Die Berufsbezeichnung Lebensmitteltechniker ist bisher noch kaum bekannt, obwohl die Ausbildung demnächst ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Am 12. Oktober 2012 sind daher alle ehemaligen Absolventen der Höheren Fachschule für Lebensmitteltechnologie, Grangeneuve, zur Diplom- und Jubiläumsfeier herzlich eingeladen.

Monika Lüscher Bertocco
Direktorin Bildungszentrum für Hauswirtschaft, Milch- und Lebensmitteltechnologie, Grangeneuve


Obwohl die Berufsbezeichnung Lebensmitteltechniker nicht so bekannt ist, haben fast alle grösseren Betriebe bereits Lebensmitteltechniker angestellt. Angefangen hat alles 1992, als das Landwirtschaftliche Institut des Kantons Freiburg die höhere Fachschule für Lebensmitteltechnologie aufbaute, um mittleres Kader für die Lebensmittelindustrie auszubilden. 1994 erhielten die ersten Absolventen das eidgenössisch anerkannte Diplom. 2005 ändert sich mit der neuen Verordnung über die Berufsbildung der Name der Ausbildung zu Höhere Fachschule für Lebensmitteltechnologie und seither erhalten die Absolventinnen und Absolventen das Diplom «dipl. TechnikerIn HF in Lebensmitteltechnologie».
In der Schweiz werden jedes Jahr zirka 7300 HF-Diplome vergeben, im Vergleich zu den rund 13 200 FH-Diplomen. Gemäss dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) sind die HF-Absolventen jene Berufsgruppe, die ausgezeichnete Berufsaussichten haben.
Berufsinformation. Die angehenden Lebensmitteltechniker HF werden zum Studium an der Höheren Fachschule (HF) zugelassen, wenn sie eine Lehre in einem Lebensmittelberuf abgeschlossen und die Eintrittsprüfung bestanden haben. Maturanden, die zwölf Monate Praktikum in einem Lebensmittelbetrieb vorweisen können, nimmt die Schule prüfungsfrei auf. Das Spezielle an dem anschliessenden zweijährigen Vollzeitstudium ist der Bilinguismus. Die Ausbildung wird halb Deutsch und halb Französisch geführt. Daher müssen die Kandidaten in beiden Sprachen sattelfest sein. Natürlich ist auch Englisch ein wichtiges Unterrichtsfach.
Die diplomierten Technikerinnen und Techniker entwickeln Lebensmittel oder leiten deren Produktion und werden daher oft wie folgt eingesetzt:
- in der Produktion, wo sie ein Team leiten und beispielsweise die Tagesplanung zusammenstellen
- in der Entwicklung, wo sie mit dem Lebensmittelingenieur zusammen Produkte entwickeln oder verbessern
- im Qualitätsmanagement, wo sie Arbeitsanweisungen verfassen und deren Umsetzung überwachen
- in der Betriebsleitung, wo sie Einkäufe tätigen, Lager verwalten oder Projekte leiten
Ziel der Ausbildung: Die Absolventinnen und Absolventen sollen grosse sprachliche Flexibilität erreichen, den praktischen Sinn einer Neuigkeit oder Anpassung unter Beweis stellen, die Arbeit selbstständig organisieren und als Kader in einem Betrieb arbeiten können.

Abgrenzung zum Lebensmitteltechnologen EFZ. Im Vergleich zum Lebensmitteltechnologen EFZ hat der Lebensmitteltechniker zwei Jahre mehr Fachwissen erworben auf den Gebieten Lebensmitteltechnologie, Entwicklung, Personalführung, Marketing, Qualitätsmanagement und Projektleitung. Zudem hat er seine Kompetenzen wie selbstständiges Arbeiten und Kommunikation weiterentwickelt.

Abgrenzung zum Lebensmittelingenieur (Bachelor FH). Der Lebensmitteltechniker hat während der zwei Jahre des Studiums sehr praxisbezogenes Fachwissen erworben. Dieses beruht einerseits auf den zwei obligatorischen Praktika in der Lebensmittelindustrie und andererseits auf vielen praktischen Arbeiten im Pilotplant. Der Lebensmittelingenieur (Bachelor) vertieft und erweitert sein Fachwissen während drei Jahren und ist stärker in der Konzeptualisierung tätig als der Lebensmitteltechniker.
Die Lebensmitteltechniker HF sind in der Lebensmittelindustrie das ideale Bindeglied zwischen den Berufsschulabsolventen und den Ingenieuren, da sie es gewohnt sind, mit beiden Niveaus optimal zu kommunizieren. Für den Studiengang 2012–14 sind noch einige Plätze frei. Bei Interesse empfiehlt sich der Besuch der Homepage www.grangeneuve.ch oder eine E-Mail an Odile Fahmy, Leiterin des Studienganges: Odile.Fahmy@fr.ch. Auf Wunsch können Interessierte sich einen Prospekt zuschicken lassen.

Informationsveranstaltung: 6. März 2012 um 17 Uhr
Anmeldeschluss für die Ausbildung: 31. März 2012

Weitere Informationen:
Berufsbildungszentrum für Hauswirtschaft
Milch- und Lebensmitteltechnologie
www.grangeneuve.ch