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Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 01/2012, 10.02.2012

Start mit neuen Strukturen

Die Auflösung des ehemaligen Departements für Agrar- und Lebensmittelwissenschaften D-AGRL der ETH Zürich ist vollbracht: Das neue Departement für Gesundheitswissenschaften und Technologie (D-HEST) und das neue Departement Umweltsystemwissenschaften (D-USYS) haben ihre Arbeit auf­genommen.

Fabio Bergamin, Peter Rüegg
Redaktion ETH Life


Am 10. Januar fand im Auditorium Maximum der ETH Zürich die Eröffnungsfeier des neuen Departements Gesundheitswissenschaften und Technologie (D-HEST) statt. Dieses ist im Zuge der Umstrukturierung des Departements für Agrar- und Lebensmittelwissenschaften (D-AGRL) entstanden (siehe Kasten).
Im neuen D-HEST kann die ETH nun verschiedene Aktivitäten im Bereich Forschung und Technik für die Gesundheit zusammenfassen, die bisher in unterschiedlichen Departementen beheimatet waren. «Wir träumen alle davon, bis ins hohe Alter gesund und fit zu bleiben», sagte ETH-Präsident Ralph Eichler an der Eröffnungsveranstaltung. Um zukünftige Probleme im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung zu lösen, sei eine fächerübergreifende Zusammenarbeit nötig. Die Schulleitung sei daher auf die Idee gekommen, bestehende Professuren, die in ihrem bisherigen Departement unterkritisch waren, in einem neuen Departement zu bündeln, um damit die kritische Masse zu erreichen.
Zusammenarbeit mit Gesundheitsforschung. «Mit der Schaffung des neuen Departements macht die ETH Zürich einen wichtigen Schritt, um den Wissenschaftsstandort Zürich zu stärken», sagte die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli. Sie kam auch auf die geplante intensivere Zusammenarbeit des D-HEST mit anderen Akteuren in der Gesundheitsforschung auf dem Platz Zürich zu sprechen, namentlich der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich und des Universitätsspitals. «Ich bin überzeugt, dass das Potenzial in diesem Bereich nur mit einer gemeinsamen Strategie optimal ausgeschöpft werden kann», so Aeppli.
Professor Klaus Grätz, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich, wies darauf hin, dass schon jetzt 6 der 21 Professuren des D-HEST Doppelprofessuren von ETH und Universität Zürich seien. «Eine enge Zusammenarbeit ist dadurch gegeben.» Und Gery Colombo, CEO der in der Medizinaltechnik tätigen Firma Hocoma und ETH-Alumnus, sagte, der Technologietransfer von der Forschung in die Industrie sei vor allem dann erfolgreich, wenn sich die Technologie in der Klinik bewähre. Diesen Wissenstransfer zu beschleunigen, sei eines der Ziele des neuen Departements, sagte Professor Wolfgang Langhans, der erste Vorsteher des D-HEST.
Und die Lebensmittelwissenschaften? Neben den Bereichen Medizintechnik, Neurowissenschaften, Bewegungswissenschaften und Sport sind aber auch die Bereiche Lebensmittelwissenschaften und Ernährung in das neue D-HEST integriert. «Diese Kombination gibt es nur an wenigen Hochschulen weltweit», betonte ETH-Präsident Eichler. Doch passten die Lebensmittelwissenschaften hervorragend zum Portfolio des neuen Departements. «Wir wissen alle, dass der gesicherte Zugang zu unbedenklicher Nahrung sowie einer ausgewogenen Ernährung unabdingbar ist für die Gesundheit und die Verbesserung der Lebensqualität», sagte auch Langhans. Und an einer anschliessenden Podiumsdiskussion ergänzte Erich Windhab, Professor für Lebensmittelverfahrenstechnik: «Das Potenzial von Lebensmitteln als kostengünstige Möglichkeit, die Gesundheit zu beeinflussen, ist noch längst nicht ausgeschöpft.»
Zwei Studiengänge am D-HEST. Das D-HEST wird in Zukunft zwei Studiengänge anbieten. Mit einer hohen Anzahl von 175 Studierenden ist im vergangenen Herbst der neue Studiengang «Gesundheitswissenschaften und Technologie» gestartet. Ralph Müller, Professor für Biomechanik, zeigte sich erfreut über die vergleichsweise hohe Anzahl von Studentinnen, die damit auch für Ingenieurfächer gewonnen werden könnten. Der bestehende Studiengang «Lebensmittelwissenschaften» wird als eigenständiger Studiengang erhalten bleiben.
Start des D-USYS. Doch ist nicht nur das D-HEST inzwischen an den Start gegangen: Bereits einen Tag zuvor hat die ETH Zürich das neue Departement für Umweltsystemwissenschaften D-USYS eröffnet, das ebenfalls im Zuge der Umstrukturierung neu entstanden ist.
«Es herrscht Premierenstimmung», sagte ETH-Präsident Ralph Eichler in seiner Begrüssung. «Ein neues Departement wird an der ETH nicht alle Tage gestartet.» Das Thema Umwelt sei hochaktuell, aber auch herausfordernd. Die Aufgaben in den Bereichen Umwelt und Ernährungssicherung verlangten von der Wissenschaft nachhaltige Lösungsansätze.
Verschiedene Kulturen. Das D-USYS zu bilden, war für alle Beteiligten eine Herausforderung. So galt es, Kulturen, Strukturen und Traditionen von zwei ETH-Einheiten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, die verschiedener nicht sein konnten. Während das D-AGRL eine fast 150-jährige Geschichte hat und dementsprechend etabliert war, wurde das D-UWIS erst vor zwanzig Jahren gegründet.
«Im Planungsprozess wurde versucht, das Beste der jeweiligen Traditionen beizubehalten», sagte der erste Vorsteher des D-USYS, Professor Peter Edwards, «die Fusion ist nichtsdestotrotz ein Neubeginn.» Edwards unterstrich, dass es das D-USYS dringend braucht. Dass die Ernährungssituation und die Herausforderungen für den Umweltschutz eng gekoppelt sind, sei der Wissenschaft bekannt. Um die Probleme besser zu verstehen und Lösungen zu präsentieren, sei jedoch entsprechende, eng gekoppelte Forschung nötig, so der Departementsvorsteher. Es brauche Grundlagenforschung, interdisziplinäre, aber auch transdisziplinäre Forschung ebenso wie neue Ansätze in der Ausbildung, um diesen Herausforderungen begegnen zu können.
Thema Ernährungssicherung. Das neue D-USYS hat fünf Forschungsschwerpunkte definiert: Umweltsystemleistungen, Ressourcenknappheit, Klimawandel, Umwelt und Gesundheit und Ernährungssicherung. Pfeiler der Lehre im D-USYS sind und bleiben die beiden Studiengänge Umweltnatur- und Agrarwissenschaften. Das Departement umfasst sechs Institute mit insgesamt 35 Professuren: Agrarwissenschaften, Umweltentscheidungen (IED), Atmosphäre und Klima (IAC), Biogeochemie und Schadstoffdynamik (IBG), Terrestrische Ökosysteme (ITES) sowie Integrative Biologie (IBZ).

Der Artikel ist eine Zusammenfassung der Beiträge auf der Webseite ETH Life anlässlich der Eröffnungsfeiern der neuen Derpartemente am 9. und 10. Januar.

Weitere Informationen:
www.ethlife.ethz.ch