Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Verfahrenstechnik: Ausgabe 04/2012, 12.04.2012

Moderne Technik neben alter Tradition

Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind zwei Themen, die in der Lebensmittelindustrie immer wichtiger werden. Wie sich Umweltschutz und hohe Lebensmittelsicherheit und -qualiät miteinander vereinen lassen, zeigt das Beispiel der Brauerei «Unser Bier».

Die Brauerei «Unser Bier» in Basel hat sich seit den 90er-Jahren von einer kleinen Hobbybrauerei zu einem kompetenten, handwerklichen Betrieb mit einer Kapazität von 9000 Hektoliter/Jahr entwickelt. Durch die kontinuierliche Erweiterung der Betriebskapazitäten wuchs auch immer stärker das Abwasseraufkommen. Dieses entsteht in erster Linie bei der Reinigung und Desinfektion der Produktionsanlagen sowie in der Flaschenreinigung, wo in erster Linie Mehrwegflaschen aus Glas zum Einsatz kommen.
Kleinere Brauereien sind in den meisten Fällen sogenannte «Indirekteinleiter», das bedeutet, sie führen lediglich eine Vorreinigung durch und leiten danach das vorbehandelte Abwasser in das öffentliche Kanalnetz ein. Von dort aus gelangt das Abwasser zur kommunalen Kläranlage, wo die Endreinigung (biologische Reinigung und Nachklärung) erfolgt. Brauereien müssen dabei darauf achten, dass das Wasser die von der Behörde vorgeschriebenen Temperatur- und pH-Grenzwerte nicht überschreitet (Temperatur 35 °C, pH zwischen 6,5 und 9). Da sich «Unser Bier» dem Umweltschutzgedanken verpflichtet fühlt, hat die Brauerei bei der Planung der neuen Produktionsstätte in Basel bereits die Behandlung der Abwässer mit berücksichtigt. Hier vertrauten die Verantwortlichen, wie bereits in der Prozessautomatisierung des Bierbrauens, auf die Kompetenz von Endress+Hauser als Lösungsanbieter.
Abwasser in der Brauerei. Das Abwasser in einer Brauerei hat ganz besondere Eigenschaften. Es weist unter Umständen beträchtliche Spitzen in der Menge und der mitgeführten Schmutzkonzentration auf. In einer Brauerei muss – wie in allen Betrieben der Lebensmittelverarbeitenden Industrie – auf hohe Reinheit geachtet werden. Automatische Prozesse reinigen alle Tanks und Rohrleitungen mit Natronlauge und desinfizieren diese beispielsweise mit Peressigsäure. Daher enthält das Abwasser verschiedene Substanzen sowohl aus dem Brau- als auch aus dem Reinigungsprozess, wie zum Beispiel Heferückstände, Proteine, Reinigungs- und Desinfektionsmittel.
Der Hauptteil des Abwassers fällt in einer Brauerei bei der Reinigung der Flaschen an, die vor der Abfüllung mit Natronlauge gereinigt werden. Dieses Abwasser ist dann stark alkalisch mit einem pH >10. In der Regel führen Brauereien eine Vorbehandlung in Puffertanks durch, die das anfallende Abwasser aufnehmen. Bei Bedarf planen Brauereien eine Neutralisationsstufe ein, in der Schwefelsäure und Kohlensäure aus dem Gärprozess oder Rauchgase zum Einsatz kommen, um das Wasser zu neutralisieren.
Auftrag. Im Fall der «Brauerei Unser Bier» hat Endress+Hauser neben der Messtechnik (Grenzstand, Temperatur, pH, Trübung und Durchfluss) die komplette Neutralisationsanlage, bestehend aus Stapeltank, Neutralisationstank, Dosiereinrichtungen für Säure und Lauge, Pumpen, Kugelhähne, Ventile, Kunststoffrohrleitungen sowie Rührwerk mit Motor, beigestellt. Die Steuerung der Anlage übernimmt dabei eine SPS der Firma WAGO und ist in einem speziell konzipierten Steuerschrank integriert. Ein Schreiber protokolliert sämtliche Messwerte.
Das anfallende Abwasser (bis zu 16 m3/Tag) wird zunächst in einem Stapeltank mit einem Gesamtvolumen von 5 m3 gesammelt. Über einen Überlauf gelangt das zu behandelnde Abwasser in den 2 m3 fassenden Neutralisationstank, wo es chargenweise in kurzer Zeit unter Zuhilfenahme von 33-prozentiger Schwefelsäure und 30-prozentiger Natronlauge auf einen pH-Wert zwischen
6,5 und 9 eingeregelt wird.

» Lesen Sie mehr darüber in der aktuellen Ausgabe LT 4/12.