Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Messtechnik: Ausgabe 05/2012, 10.05.2012

Neue Druckmesser für den Hygienebereich

Hygienisches Design von Anlagen und Komponenten ist für die Erfüllung der hohen hygienischen Anforderungen der Lebensmittelindustrie unerlässlich. Viele Anwendungen in sensiblen Bereichen verlangen aber auch Robustheit, wenn es um hohe Prozesstemperaturen geht.

Messgeräte für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie sowie für den Bereich der Medizintechnik müssen nicht nur den Regeln des Hygienic Design entsprechen. Viele Anwendungen in diesen Bereichen stellen auch besondere Anforderungen an die Robustheit der Komponenten und erfordern wegen der hohen Prozesstemperaturen eine besonders gute Temperaturkompensation der Messergebnisse. Die hygienischen Druckmessumformer der neuen Produktfamilie PBMH hat Baumer speziell für dieses anspruchsvolle Einsatzgebiet entwickelt.
Hygienisches Design. Die Hygienic-Design-Regeln für europäische Anlagen- und Maschinenbauer, die die Food- und Pharmabranche beliefern, sind in der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und in der Norm DIN EN 1672-2:2009 zur hygienegerechten Gestaltung von Nahrungsmittelmaschinen festgelegt. Sie stellen beispielsweise sicher, dass die medienberührenden Oberflächen aus unbedenklichen Materialien (wie Edelstahl) bestehen und so glatt sind, dass sie sich problemlos reinigen lassen. Zudem dürfen die Geräte keine Innenwinkel aufweisen, die sich schwierig reinigen lassen. Im Zuge der EHEDG-Zertifizierung wird die Reinigbarkeit der Geräte experimentell überprüft. Zusammen mit dem 3A-Designzertifikat bietet das EHEDG-Zeugnis den Anwendern ein hohes Mass an Sicherheit bezüglich der Einhaltung von Hygienestandards.
Zertifizierungen, die die Einhaltung von Hygienic-Design-Standards bei einzelnen Komponenten für die Lebensmittelindustrie sicherstellen, nützen dem Maschinenbauer und dem Endanwender. Ein Maschinenbauer, der eine zertifizierte Komponente in seinem Produkt einsetzt, muss bestimmte Tests an dieser Komponente nicht mehr selbst vornehmen, weil er die Gewährleistung hat, dass sie diese Tests bereits erfolgreich absolviert hat. Das spart Zeit in der Entwicklung und Herstellung neuer Maschinen. Die Anwender dieser Maschinen wiederum – die Baumer-Gruppe beliefert seit rund fünf Jahrzehnten Food-Unternehmen, darunter führende Marken wie Carlsberg, Arla, Müllermilch und Emmi – müssen in ihren Produktionseinrichtungen ein HACCP-Konzept implementieren (Hazard Analysis and Critical Control Points). Eine Lösung, mit deren Hilfe das geforderte Sicherheitsniveau mit einer reduzierten Zahl von regelmässig zu prüfenden Kontrollpunkten erreichbar ist, ist dabei immer erstrebenswert, weil sie Zeit und damit Kosten spart. Schnelle Reinigungsprozesse der Anlagen sind aus denselben Erwägungen wünschenswert.
Die PBMH-Druckmessumformer sind mit mehreren frontbündigen Prozessanschlüssen verfügbar, die ebenfalls 3A-zertifiziert sind. Dadurch sind sie nicht nur mit allen anderen Baumer-Produkten für den Hygienebereich kompatibel, sondern auch mit einem Grossteil der branchenüblichen Installationen mit Geräten anderer Hersteller. Dem Anwender bietet dies ein hohes Mass an Flexibilität und Wirtschaftlichkeit, weil der Einbau eines neuen Druckmessumformers nicht den Ersatz anderer Komponenten erzwingt.
Robustheit und ATEX-Schutz. Die Einhaltung der Hygienic-Design-Normen ist gesetzlich vorgeschrieben. Andere Anforderungen an Druckmessgeräte im Lebensmittel- und Pharmaziebereich ergeben sich dagegen aus der Praxis bestimmter Anwender. Mühlen und Zentrifugen beispielsweise setzen alle darin verbauten Komponenten dauerhaft starken Vibrationen aus. Weil in diesen Anlagen auch Druckmessumformer notwendig sind, hat Baumer bei der Entwicklung der PBMH-Instrumente auch die Widerstandsfähigkeit gegen Vibrationen sowie Schocks optimiert. So entspricht beispielsweise die Schocktoleranz von 100 g für 100 m/s, die ein PBMH-Gerät aufweist, 25 Stürzen auf einen Betonboden aus 1 m Höhe.
In Mühlen, aber auch bei der Verarbeitung pulverförmiger Substanzen in der Pharmaindustrie können durch den Staub in der Luft zudem explosive Atmosphären entstehen. Dort dürfen Unternehmen nur Geräte mit ATEX-zertifiziertem Zündschutz einsetzen. Bei ihnen ist durch das Gehäuse oder eine separate elektrische Isolation sichergestellt, dass die elektrischen Signale, die das Gerät sendet und empfängt, nicht als Zündfunken auf die explosive Atmosphäre wirken. Der PBMH ist ATEX-zertifiziert und eignet sich damit für den Einsatz in den genannten Bereichen – aber auch bei Anwendungen mit Sauerstoff sowie in Tanks auf Schiffen, wo Explosionssicherheit ebenfalls ein grosses Thema ist. Anwender im maritimen Bereich können den PBMH übrigens statt in der üblichen Ausführung Edelstahl 1.4404/AISI 316L auch in einem Gehäuse aus meerwasserbeständigem Hastelloy C beziehen.

» Lesen Sie mehr darüber in der aktuellen Ausgabe LT 5/12.