Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 09/2012, 08.08.2012

Let´s talk about money! (1. + 2. Teil)

Es gibt Themen, über die sprechen wir nicht gerne – etwa über den Lohn. Dabei sind damit wichtige Fragen verknüpft wie: Hat sich unsere Ausbildung gelohnt? Oder: Wie stehen wir im Vergleich zu anderen da? Hier der erste Teil der Ergebnisse der LT-Lohnumfrage.

Das Gehalt ist ein Thema, das interessiert. Dies dokumentiert auch der Rücklauf auf unsere Lohnumfrage: Er beträgt gut 34 Prozent, betrachten wir die Anzahl SGLWT-Mitglieder, die unseren Aufruf zur Teilnahme an der Umfrage via Mailing erhalten haben. Und ein erster Blick auf die Resultate zeigt: Gut 64 Prozent der Teilnehmenden haben auf unsere Frage, ob sie zufrieden sind mit ihrem heutigen Gehalt, mit einem «Ja» geantwortet – was aber auch heisst, dass immerhin fast 36 Prozent der Antwortenden mit ihrem heutigen Salär unzufrieden sind. Wie also sieht es aus mit den Löhnen in der Lebensmittelbranche?

Welcher Abschluss lohnt sich? Ein Faktor, der in den Lohn hineinspielt, ist die Ausbildung. Und die Antworten zeigen: ETH-Absolventen verdienen zwar im Durchschnitt etwas mehr, aber Fachhochschulabsolventen halten gut Schritt. So liegt in unserem Ergebnis das mittlere Jahresgehalt aller Teilnehmer mit ETH-Abschluss bei fast 129000 Franken, jenes der Teilnehmer mit FH-Abschluss beträgt 120000 Franken.Wobei wir unseren Berechnungen jeweils die Obergrenze der in der Umfrage auswählbaren Lohnspannen zugrunde gelegt haben – die Ergebnisse fallen also insgesamt tendenziell eher etwas hoch aus.
Werden zusätzlich die Berufsjahre berücksichtigt, zeigt sich weiter, dass Fachhochschulabsolventen tiefer einsteigen als diejenigen der ETH. Mit zunehmender Berufserfahrung jedoch schrumpft der Vorsprung der ETH-Absolventen beziehungsweise dasVerhältnis kehrt sich teilweise sogar um. Bei einer Berufserfahrung von 25 und mehr Jahren indes liegen die Löhne der FH-Absolventen wieder deutlich niedriger als jene der ETH-Absolventen.

Wer kommt ins Kader? Dabei sind die Karrierechancen für FH-Abgänger gut: Betrachten wir die Nennungen nach Ausbildungsabschluss, erreichten die Teilnehmer mit FH-Abschluss in ihrer Gruppe prozentual häufiger (mit knapp 4,5 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer) eine Position im oberen Kader als ETH-Absolventen (mit rund 5,5 Prozent der Frauen und 11 Prozent der Männer). Die Spitze bilden hier jedoch immer noch Teilnehmer mit Doktorat: In dieser Abschlussgruppe erreichen fast 32 Prozent der Männer und fast 14 Prozent der Frauen eine Position im oberen Kader.
Teilnehmer mit Doktorat liegen denn, was den Lohn betrifft, auch generell klar vorn: Sie weisen bereits ein höheres Einstiegsgehalt auf und halten sich auch über die Berufsjahre betrachtet auf hohem Niveau – wobei sich das Jahresge- halt in unserem Ergebnis mit zunehmenden Berufsjahren zum Teil wieder dem Niveau der anderen Abschlüsse annähert. Das durchschnittliche Gehalt aller Antwortenden mit Doktorat kommt bei rund 162000 Franken Jahressalär (inkl. 13. Monatsgehalt) zu liegen.
Bei der Gehaltsklasse mit einem Jahressalär ab 200000 Franken halten sich jedoch Teilnehmende mit ETH-Diplomabschluss und Teilnehmende mit Doktorat die Waage – alle sind dabei im oberen Kader oder in der Geschäftsleitung in einem Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern tätig. FH-Absolventen in dieser Gehaltsklasse gab es in unserer Umfrage keine.

Weitere Informationen zu Auswirkungen des Geschlechts auf das Gehalt, zur Karriereentwicklung und Lohnzufriedenheit lesen Sie in unserer Print-Ausgabe LT7-8/12.

2. Teil:

Wer eine Weiterbildung beginnt, verfolgt ein Ziel. Doch: Wird dieses auch erreicht? Und wie sehen die Teilnehmer unserer Lohnumfrage die Situation in der Branche generell? Hier die Ergebnisse des zweiten Teils unserer Umfrage.

Weiterbildungen sind wichtig - kosten aber auch Zeit und Geld. Lohnen sie sich also wirklich? Wir haben in unserer Umfrage auch danach gefragt. Und wenn wir die direkten Auswirkungen auf das Gehalt betrachten, sieht es vorerst eher nicht danach aus - zumindest haben gut 77 Prozent unserer Teilnehmenden, die sich weitergebildet haben, explizit angegeben, dass sich ihr Lohn durch Weiterbildungen nicht direkt verbessert habe.
Steigt der Lohn? Betrachten wir die Angaben unserer Teilnehmer genauer, sieht es allerdings - zumindest beim ersten Blick auf unsere Daten - nicht ganz so pessimistisch aus. Denn demnach verfügen jene, die Weiterbildungen absolviert haben, im Durchschnitt auch über einen höheren Lohn: Bei den ETH-Absolventen etwa kommen jene, die auf unsere Frage "Haben Sie im Laufe Ihres Berufslebens eine Weiterbildung absolviert?" mit einem "Ja" geantwortet haben, auf einen durchschnittlichen Jahreslohn von etwas über 128000 Franken. Bei Teilnehmern mit mehreren Weiterbildungen liegt der Lohn gar bei 145000 Franken. Jene, die die Frage verneint haben, erreichen derweil einen Schnitt von etwas über 121000 Franken. Ähnlich sieht es bei den FH-Absolventen aus (Grafik 1). Aus dem Rahmen fällt indes das Ergebnis bei den ETH-Abgängern mit Doktorat: Hier verzeichnen jene, die keine Weiterbildung absolviert haben, einen höheren durchschnittlichen Lohn als jene, die sich weitergebildet haben.
Zu berücksichtigen sind denn auch Faktoren wie zum Beispiel die berufliche Position: So befinden sich in unseren Daten unter jenen Teilnehmern mit Doktorat, die keine Weiterbildung absolviert haben, einige, die eine Kaderposition bekleiden. Ein Faktor, der die Lohnhöhe ebenfalls beeinflusst - und mit eine Erklärung sein könnte für die in unserem Ergebnis im Vergleich zu den ETH- und FH-Absolventen gegenläufige Lohnentwicklung in Grafik 1.


(Grafik 1)


Weiterbildung und Berufserfahrung. Bei der Betrachtung unserer Daten über alle Teilnehmer hinweg zeigt sich zudem, dass auch Faktoren wie das Alter einen Einfluss haben dürften: So nimmt die Zahl jener, die keine Weiterbildung absolviert haben, mit zunehmendem Alter der Teilnehmer tendenziell ab (Grafik 2) - was heisst, dass sich unter den Antwortenden ohne Weiterbildung viele noch jüngere Teilnehmer befinden, die somit auch eher noch über ein niedrigeres Einstiegsgehalt verfügen. Die älteren Teilnehmer indes haben eher eine Weiterbildung absolviert und bringen gleichzeitig mehr Berufsjahre mit, was sich ebenfalls auf die Lohnhöhe auswirkt.
Dass sich Lohnhöhe und Weiterbildung tatsächlich nicht so direkt in Beziehung setzen lassen, zeigt denn auch ein Blick auf die Lohnentwicklung in Abhängigkeit von Berufsjahren und Weiterbildungen: Hier ist zu sehen, dass in unserem Ergebnis letztlich jene ohne Weiterbildung in der Lohnentwicklung im Grossen und Ganzen ganz gut Schritt halten können mit jenen, die sich weitergebildet haben (Grafik 3).


(Grafik 2)


(Grafik 3)


Und wie sieht es für die Karriere aus? Doch ist die Motivation, überhaupt eine Weiterbildung zu beginnen, meist auch eine andere: Auf die Frage, warum sie eine Weiterbildung absolviert haben, haben zumindest nur sehr wenige der Teilnehmer mit Weiterbildung angegeben, dass sie dadurch eine Lohnerhöhung erwarteten - sie erreichen gerade einmal 4 Prozent aller Nennungen, wobei hier Mehrfachnennungen möglich waren (Grafik 4). Die meisten Nennungen erhalten hat derweil der Punkt "aus persönlichem Interesse" mit 31 Prozent.
Das Argument des positiven Effekts für die Spezialisierung wiederum kommt auf 12 Prozent. Von einigen speziell aufgeführt wurden zudem Punkte wie das Ziel, mit einer Weiterbildung die Arbeitseffizienz und Effektivität sowohl fachlich als auch im Führungsbereich erhöhen zu wollen oder dass sich das Arbeitsgebiet erweitert habe. Auch dass die Weiterbildung von Nutzen sei für den aktuellen Job, wurde von einigen vermerkt.
20 Prozent aller Nennungen fallen denn auch auf das Argument der "positiven Auswirkung auf die Karriere"; die Hoffnung auf verbesserte Chancen auf dem Arbeitsmarkt kommt derweil auf
23 Prozent. Ein Plan, der zumindest für einige aufzugehen scheint: Über 70 Prozent der Teilnehmer mit Weiterbildung haben auf die Frage, ob sich ihre beruflichen Chancen durch eine Weiterbildung verbessert haben, mit einem "Ja" geantwortet.
Und auch die Auswertung der beiden Faktoren berufliche Position und Weiterbildung gibt einen Hinweis, dass sich eine Weiterbildung durchaus positiv auf die Karriere - und damit letztlich indirekt auch auf den Lohn - auswirken könnte: So nimmt die Zahl jener, die keine Weiterbildung absolviert haben, über alle Abschlüsse betrachtet tendenziell nach Höhe der Position ab. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Antwortenden, die eine Weiterbildung abgeschlossen haben, tendenziell mit jedem Karriereschritt zu (Grafik 5). Wobei auch hier Faktoren wie das Alter zu berücksichtigen bleiben: Je jünger die Teilnehmer, desto eher haben sie noch keine Weiterbildung absolviert und keinen Karrieresprung geschafft - je älter die Teilnehmer, desto mehr Zeit hatten sie, um die Karriereleiter zu erklimmen und Weiterbildungen zu absolvieren.


(Grafik 4)


(Grafik 5)

Weitere Informationen zu Auswirkungen des Geschlechts auf das Gehalt, zur Karriereentwicklung und Lohnzufriedenheit lesen Sie in unserer Print-Ausgabe.