Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 03/2013, 13.03.2013

«Wir brauchen authentische Fachkräfte»

Auf interessante, karrierefördernde Stellen kommen meist viele Bewerbungen. Wer hier eine reelle Chance haben will, sollte sich gut vorbereiten und Zeit investieren. LT hat mit einer Bewerbungsexpertin gesprochen und hilfreiche Tipps zusammengetragen.

Wer auf der Karriereleiter nach oben klettern will, braucht in erster Linie fachliches Wissen. Doch das ist nur die halbe Miete, denn vor jedem Karriereschritt steht eine grosse Hürde, die jeder nehmen muss – die Bewerbung. Wer diese nicht erfolgreich absolviert, hat trotz fachlicher Kompetenz keine Chance, sein Können unter Beweis zu stellen. Um mit Personalverantwortlichen überhaupt ins Gespräch zu kommen, ist die schriftliche Bewerbung immens wichtig. Corinne Hobi, langjährige selbstständige Trainerin für Bewerbungen und derzeitige Personalverantwortliche bei LeasePlan (Schweiz) AG, weiss, worauf es dabei ankommt: «Heute treffen sehr viele Bewerbungen auf die wenigen spannenden und vielseitigen Stellenangebote. Für die Sichtung der Bewerbungsmappen haben die Personalabteilungen jedoch nur wenig Zeit, sodass der erste Eindruck der schriftlichen Bewerbung das A und O ist. Um nicht gleich bei der ersten Sichtung aus dem Rennen zu fallen, sollten Bewerber daher Zeit investieren, die sich aber lohnt.»

Aller Anfang ist schwer. Das Bewerbungsschreiben ist der erste Kontakt zum gewünschten Arbeitgeber. Mit einem packenden Einstieg und einer ansprechenden Schreibweise ist der Kandidat bereits einen grossen Schritt weiter. Jedoch ist es gar nicht so einfach, die richtigen Worte zu finden. Dafür empfiehlt die Expertin, sich in die Kontaktperson zu versetzen und sich zu überlegen, wie viele Bewerbungen diese lesen muss: «Wenn ich zeigen kann, dass es mir bewusst ist, wie langatmig es sein kann, gewöhnliche Bewerbungen zu lesen, und ich mir Mühe gebe, mich dem anderen so vorzustellen, dass es auch Spass macht, meinen Brief zu lesen, dann ist schon viel gewonnen. Das, was ich selber vom Job erwarte, muss ich dem Personaler vorlegen.»
Wenn es die zukünftige Stellung erlaubt, könnte beispielsweise eine freundlich provokante Ansprache ein guter Anfang sein. Jedoch sollten Bewerber immer bedenken, dass dies nicht für jede Stelle passt. Erfordert die angestrebte Aufgabe aber Mut und ein Gespür für die Situation, kann eine provokante Ansprache eine Alternative sein.
Auch ein Hinweis auf die aktuelle Situation des neuen Arbeitgebers, die beispielsweise kürzlich in den Medien zu lesen oder hören war, ist ein guter Einstieg. Damit zeigt der Bewerber, dass er sich mit der Firma beschäftigt, und bekundet sein Interesse. Ein kurzer Hinweis, wie er seine Fähigkeiten hilfreich für das Unternehmen einsetzen kann, ist eine Ergänzung der Interessensbekundung. «Wichtig ist, dass sich der Kandidat etwas überlegt und nicht die üblichen abgedroschenen Phrasen benutzt. Der Schreiber soll sich in den Leser, in die Firma und die Stelle hineinversetzen, und dies mit seinem Brief zum Ausdruck bringen», rät die Personalverantwortliche.

Gewusst wie. Ein spannender Einstieg ist aber nur eine Etappe des Bewerbungsschreibens. Der Brief soll zeigen, warum sich die Person um die Stelle bemüht und welche Motivation hinter der Bewerbung steckt. Auch wenn das Schriftstück keine Fragen des Gegenübers zulässt, sollten Bewerber bedenken, dass ihr Schreiben ein Dialog ist und kein Monolog. Um dennoch in «Kommunikation» mit dem Personaler zu treten, ist die Beantwortung nicht gestellter Fragen eine Möglichkeit, dem Leser ein positives Bild von sich zu präsentieren. Der Unternehmensvertreter möchte wissen, wer der Bewerber ist, warum er sich bewirbt und was er zu bieten hat. Das Anschreiben zeigt auch, inwieweit der Stellensuchende bereit ist, mehr in die Bewerbung zu investieren als andere, sich Mühe gibt und sowohl Zeit als auch Leidenschaft investiert.

Spannende Bewerbungsmappe. Zu einer guten Bewerbung gehören neben dem Motivationsschreiben auch der Lebenslauf und die Zeugnisse. Der Lebenslauf muss prägnant, interessant und kurz sein. Zeitlich fängt die Auflistung der bisherigen Stationen mit der momentanen Situation des Bewerbers an und geht dann rückwärts. Bei den Zeugnissen machen die Arbeitszeugnisse den Anfang. Die Wissenszeugnisse, wie beispielsweise Sprach- oder Computerkurse, bilden den Schluss. Sekundar- und Primarzeugnisse sind nicht notwendig. Die Expertin rät auch hier, sich immer zu überlegen, was für den künftigen Arbeitgeber wichtig ist: «Heutzutage sind nicht die dicken Bewerbungsdossiers spannend, sondern die durchdachten und gepflegten.»
Um die Mappe zu strukturieren und damit dem Leser gleichzeitig Orientierung zu bieten, sind Titelbilder schöne übersichtsgebende Elemente. Das zeigt dem Personaler, in welchem Bereich der Bewerbung er gerade liest. Es kommt nicht gut an, wenn der Leser die Bewerbung erst ordnen muss. Eine klare, übersichtliche Struktur nimmt dem Personalverantwortlichen Arbeit ab und macht auch mehr Spass beim Sichten der Mappe.

» Lesen Sie mehr darüber in der aktuellen Ausgabe LT 3/2013.