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Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 07/2013, 19.08.2013

Arbeitsmarktstudie bescheinigt Schweizer Hochschulen gute Noten

Seit Jahren sind Absolventinnen und Absolventen der Schweizer Studiengänge in Lebensmitteltechnologie und Agronomie sehr gefragt. Dieses erfreuliche Resultat zeigte eine im Juni 2013 veröffentlichte Arbeitsmarktstudie, die die Fachhochschulen in Sitten, Wädenswil und Zollikofen sowie die entsprechenden Studiengänge an der ETH Zürich, der ALIS (Alumniorganisation der Fachhochschule HAFL Zollikofen), die SGLWT und der SVIAL in Auftrag gegeben haben. Der Berufsverband der Ingenieur-Agronomen und Lebensmittelingenieure führte in Zusammenarbeit mit dem BASS (Büro für Arbeits- und sozialpolitische Studien) die Studie durch. Die Ergebnisse beruhen auf den Angaben von 151 Arbeitgebern der Agro-Food-Branche, die Anfang 2013 zusammen 1600 Agronomen und 1500 Lebensmittelingenieure beschäftigten.
Anlass zur Studie waren zum einen die bevorstehenden Pensionierungen vieler ehemaliger ETH-Abgänger in der Agro-Food-Branche. Zum anderen wollten die Auftraggeber wissen, welche Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt zu erwarten sind und wie sich das auf die Arbeitsmarktchancen der Absolventinnen und Absolventen Schweizer Hochschulen (HS) auswirkt.
Der Blick in die Zukunft zeigte, dass die Nachfrage nach HS-Absolvent/innen in Agronomie und in Lebensmittelwissenschaft mit grosser Wahrscheinlichkeit stark bleiben wird. Rund die Hälfte der befragten Firmen im Lebensmittelsektor gab an, in den nächsten fünf Jahren ihren Personalbestand an Lebensmittelingenieur/innen ausbauen zu wollen. Im Vergleich mit der Gesamtpersonalentwicklung dieser Firmen handelt es sich dabei um eine überdurchschnittliche Bedarfsentwicklung.
Rekrutierungsprobleme traten 2012 vor allem auf Ebene der Universitätsabgänger/innen in Agronomie und Lebensmittelwissenschaft auf. Besonders Unternehmen aus dem Agro-Bereich hatten Mühe, Absolvent/innen mit Universitätsabschluss zu finden. Gemäss Studie ist der Anteil der Firmen (60 Prozent), die Uni-Abgänger/innen nur schwer oder gar nicht finden konnten, überdurchschnittlich hoch. «Für die Agro-Branche ist es heute schwierig, hoch qualifizierte, promovierte Leute zu finden. Diesbezüglich befinden wir uns in einer Krise», bestätigte auch Fritz Schneider, Leiter Agronomie an der Hochschule HAFL in Zollikofen. Bei der Rekrutierung von Agronom/innen mit Fachhochschulabschluss hatten 48 Prozent der Unternehmen im Agro-Food-Sektor nur schwer oder gar keine Schweizer Bewerber gefunden.
Bei der Einstellung von Lebensmittelingenieur/innen FH hatten Unternehmen mehr Glück. Nur eine kleine Anzahl von Unternehmen hatte Probleme bei der Rekrutierung der gesuchten Absolvent/innen. Die Arbeitsmarktstudie zeigt, dass die Nachfrage nach Hochschulabsolvent/innen in Agronomie und in Lebensmittelwissenschaft in den nächsten Jahren stark bleibt und die entsprechenden in der Schweiz ausgebildeten Fachkräfte teilweise eher knapp vorhanden sind. Dennoch beurteilt das BASS die Arbeitsmarktsituation insgesamt nicht als kritisch im Sinne eines ausgeprägten Fachkräftemangels. Die stark gesteigerte Ausbildungsleistung der Fachhochschulen hat einen markanten Fachkräftemangel in den letzten Jahren wohl verhindert.
Hinsichtlich der Qualität der fachlichen Ausbildung der HS-Absolvent/innen sind die befragten Unternehmen grossmehrheitlich zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Doch die Mehrheit der Agronom/innen und Lebensmittelingenieur/innen erfüllt die sehr hohen Anforderungen der Unternehmen in Bezug auf Kommunikationsfähigkeit und Problemlösung nicht im gewünschten Mass. Dies gilt auch für Absolvent/innen der ETH. Nachholbedarf besteht auch bei den Managementkompetenzen, sowohl was die Leitung von Projekten betrifft als auch die von Personal. Die Hochschulen nehmen dies auf und werden das in zukünftige Studienpläne integrieren, falls dies nicht bereits bei den letzten Strukturänderungen erfolgt ist. Dennoch geben Vertreter der Hochschulen zu bedenken, dass die Stundenpläne der Studierenden bereits mit fachlicher Ausbildung ausgefüllt sind. Die Vermittlung der erwarteten Softskills lassen sich daher am besten über Masterstudiengänge und mit Projektarbeiten erfüllen. In diesem Zusammenhang sehen Hochschulen aber auch Unternehmen gefordert, indem sie den Studierenden gute Berufspraktika anbieten und kleinere Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit den Hochschulen durchführen, an denen Studierende mitarbeiten können. So erhalten die angehenden Fach- und Führungskräfte die Gelegenheit, sich frühzeitig Methoden- und Führungskompetenzen anzueignen.

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