Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 10/2013, 08.10.2013

Steigerung der Energieeffizienz

Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie zählen zwar nicht zu den grossen Energieverbrauchern, dennoch sehen sich die Produzenten gezwungen, nachhaltig zu wirtschaften. Eine systematische Energieeffizienzanalyse zeigt das Optimierungspotenzial auf.

Bei der Ermittlung einer Effizienzanalyse haben die Energieexperten von Endress+Hauser ein jährliches Einsparpotenzial der CO2-Emission errechnet, das 177 Erdumrundungen mit einem VW Golf entspricht. Und hier reden wir nicht von einem Stahlgiganten, sondern von einem mittelständischen Unternehmen aus der Fleischbranche.

Die Lebensmittelindustrie gehört im Branchenvergleich nicht zu den grossen Energieverbrauchern. Nur knapp 2 Prozent des Umsatzes bringen solche Unternehmen durchschnittlich für Energiekosten auf. Dennoch stehen die Produzenten unter einer stark zunehmenden Beobachtung in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften. Sowohl Lebensmittelhandel als auch Konsumenten legen vermehrten Wert auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Zusätzlich stehen Lebensmittelhersteller unter einem hohen Preisdruck. Grosse Handelsunternehmen und Discounter besitzen aufgrund grosser Abnahmemengen eine massive Verhandlungsmacht. Zusätzlich verstärkt die hohe Anzahl an preissensitiven Konsumenten den Preisdruck noch.

In diesem Umfeld stehen die Unternehmen jetzt vor einer grossen Herausforderung. In Mitteleuropa sind viele Betriebe über die Jahre gewachsen, die Produktionserweiterungen haben aber starke Auswirkungen auf die Energieversorgung. Denn auch der Bedarf von Strom, Kälte, Wärme und Druckluft steigt. Niedrige Energiepreise förderten lange Jahre Erweiterungen, bei denen der Fokus auf Anschaffungskosten und einem geringen Installationsaufwand lag. Die Produktion sollte, wenn realisierbar, nur kaum beeinträchtigt sein. Für eine grundlegende Analyse und Optimierung der Nebenbetriebe blieb keine Zeit. Nun ändert sich die Lage.

Räucherschinken sparsamer produzieren. Betrachten wir ein Unternehmen, das seit Jahrzehnten erfolgreich Räucherschinken produziert. Dieses hat die Produktion ständig erweitert, und so stehen heute moderne Gebäude neben Bauwerken aus den 1970er-Jahren. Neue Aggregate ergänzen Maschinen, die schon seit vielen Jahren zuverlässig ihren Dienst tun. Dem Betreiber ist bewusst, dass hier Handlungsbedarf besteht. Doch stellt sich die Frage, womit soll er anfangen, um schnell und effektiv Einsparerfolge zu erlangen?

Überblick über Einsparpotenziale dank Energieeffizienzanalyse. Um an dieser Stelle eine solide Entscheidungsgrundlage zu generieren, haben Experten von Endress+Hauser eine systematische Energieeffizienzanalyse durchgeführt. Hierbei bewerteten sie alle Aspekte im Zusammenhang mit dem Energieverbrauch. Die Fachleute begannen mit der Beurteilung der Gebäudesubstanz. Der Wärmeschutz entspricht dem Baujahr beziehungsweise dem Jahr des Umbaus der jeweiligen Gebäudeteile. Hier lässt sich investieren, wenn ein Amortisationszeitraum von sechs bis acht Jahren akzeptabel ist. Einfacher umzusetzen ist die Handlungsempfehlung, nicht beheizte Gebäudeöffnungen in der produktionsfreien Zeit zu schliessen. An zweiter Stelle stand die Begutachtung der Wärmeerzeugung. Hier sind vier Wärmeerzeuger mit folgenden Aufgaben im Einsatz: Heizung, Warmwasserbereitung, Schinkenwaschanlage, Lufterhitzer in den Räucher- und Reifekammern. Ein Ansatz zur Optimierung bietet in diesem Fall ein hydraulischer Abgleich und der Ausbau der Kondensatrückführung. Bei der Analyse des Stromnetzes zeigte sich, dass ein Energiemonitoringsystem in Kombination mit einem Spitzenlastmanagement erhebliche Einsparpotenziale bieten würde. Der vierte Punkt war die Begutachtung der Beleuchtung. Auch diese liegt in der Benchmark-Beurteilung nur im Mittelfeld. Hier empfiehlt sich der Einsatz von tageslicht- und bewegungsabhängigen Steuerungen. Wie in den meisten Betrieben bietet in dem analysierten Werk die Druckluftversorgung grosses Optimierungspotenzial. Eine Senkung des Erzeugungsdruckes und die Durchführung von Leckagemassnahmen würden sich hier nach kurzer Zeit rechnen. Neben den genannten Bereichen haben die Profis weitere Punkte behandelt, unter anderem auch die Betrachtung einer optimalen Ausnutzung von Steuerrückerstattungen.

Entscheidungsfaktoren: Benchmark, Amortisation und Energieanteil. Alles in allem ergibt sich ein sehr gutes Bild von der aktuellen Situation im Betrieb. Die Priorisierung potenzieller Massnahmen erfolgt im Wesentlichen anhand von drei Faktoren: Benchmark, Amortisation und Energieanteil. Im Benchmark betrachten die Fachleute den analysierten Betrieb im Branchenvergleich. Liegt er deutlich schlechter, bietet sich hier grosses Einsparpotenzial allein durch die Verwendung branchenüblicher Technik. Der zweite Punkt ist die Beurteilung der Amortisation. Eine schnelle Amortisation erleichtert Investitionen und minimiert das Risiko. Der dritte Faktor bezieht sich auf die Energieverteilung. Die einzelnen Energieströme zu den verschiedenen Anlagenteilen lassen sich in einem Sankey-Diagramm darstellen. Die Kälte- erzeuger haben bei der Verteilung des Strombezuges im analysierten Werk den grössten Anteil am Energieverbrauch (Bild 1). In Kombination mit einem unterdurchschnittlichen Wert in Bezug auf den Benchmark ergab sich konkreter Handlungsbedarf. Aus diesem Grund analysierten die Experten den Bereich der Kälteerzeugung durch eine weitergehende Potenzialanalyse.

» Lesen Sie mehr darüber in der aktuellen Ausgabe LT 10/13.