Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 10/2013, 08.10.2013

Swiss Food Research – die Brücke zwischen Innovation und Umsetzung

Swiss Food Research hat sich zum Ziel gesetzt, Schweizer Innovationen für die Lebensmittelindustrie zum Markterfolg zu verhelfen. Dazu nutzt der Verein ein breit abgestütztes Netzwerk aus Innovationspartnern in der Schweiz und im europäischen Umland. So lassen sich die durch die KTI geförderten Projekte zum Nutzen der Wirtschaftspartner erforschen und entwickeln.

Dr. Peter Braun
Geschäftsführer Swiss Food Research (SFR)

Schweizer Unternehmen investierten im Jahr 2008 12 Milliarden Franken in Forschung und Entwicklung. Der Bund steuerte weitere 4,3 Milliarden Franken bei. Die Gesamtaufwendungen von 16,3 Milliarden Franken entsprechen 2,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die durchschnittlichen Ausgaben für Innovation unterscheiden sich je nach Branche dabei grundlegend. Angesichts der globalen Daten bewegen sich Pharma und Elektronik im Bereich zwischen 20 und 30 Prozent der Forschungsausgaben, bezogen auf den Umsatz, die restlichen Industriezweige eher im mittleren einstelligen Bereich zwischen 2 und 7 Prozent (Abbildung 1).

Die Nahrungsmittel-Wertschöpfungskette – ein wichtiger Pfeiler der schweizerischen Volkswirtschaft. Der Bereich der Nahrungsmittelindustrie umfasst in der Schweiz rund 2200 Unternehmen. Von diesen sind 98 Prozent KMU. Darin finden 62 000 Mitarbeiter Beschäftigung und erwirtschaften einen Umsatz von knapp 25 Milliarden Schweizer Franken. Diese Unternehmen haben somit einen Anteil von 5,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Betrachten wir ferner, dass diese Industrie selbst wieder anderen vor- oder nachgelagerten Bereichen die Arbeitsbasis bereitet – Zulieferindustrie, zum Beispiel Agrarsektor, Rohstofflieferanten, Verpackungsmaterialien, Maschinen- und Anlagenbau, Handel –, so hat der Bereich der Nahrungsmittelindustrie eine Tragweite, die weit über 500 000 Mitarbeiter umfasst. Somit kommt dieser Industrie volkswirtschaftlich eine bedeutende Rolle zu.

Die Nahrungsmittelindustrie teilt sich in fünf wesentliche Bereiche auf. Die fleischverarbeitende Industrie erwirtschaftete 2011 einen Umsatz von knapp 4 Milliarden CHF, gefolgt von der milchverarbeitenden Industrie mit zirka 3,7 Milliarden CHF. Die Gruppen Schokolade/Kaffee- und Süsswaren sowie Convenience Food – Fertigprodukte, Konserven, Kühl- und Tiefkühlprodukte – und Getreideprodukte belegen die Plätze 3 bis 5.

Einige dieser Produktkategorien zeichnen sich durch hohe Steigerungsraten im Export aus. Die Schweiz steht dabei nicht für günstige Massenprodukte, sondern für qualitativ hochstehende Produkte, die im oberen Preissegment angesiedelt sind.
Zur erfolgreichen Positionierung im Wettbewerbsumfeld braucht es innovative Produkte. Die Schweizer Nahrungsmittelindustrie gibt im Mittel nur rund 2,5 Prozent des Umsatzes für Innovation aus. Für Firmen mittlerer Grösse wird dieser Anteil noch tiefer liegen. Im Vergleich zu anderen Industriezweigen kommt damit der Innovation allerdings ein viel zu geringer Beitrag zu. Nahrungsmittel sind zum einen traditionsbehaftete Produkte, wie jeder Konsument aus den eigenen Verzehrgewohnheiten heraus wahrscheinlich selbst weiss. Andererseits ergeben sich immer wieder neue Trends, die sich mit innovativen Produkten bedienen lassen. Neben der erfolgreichen Positionierung von Schweizer Produkten in einem sich öffnenden Binnenmarkt gilt es, auch den Export mit innovativen Produkten zu stärken.

Dank Swissness sind Schweizer Unternehmen international erfolgreich. Der Ruf der Schweiz ist überdurchschnittlich gut. Er basiert auf Qualität, Originalität, Seriosität und auf Werten, die vorab im auch emotional determinierten Nahrungsmittelmarkt immer wichtiger werden. Gemäss der Studie «Swissness Worldwide» (2008) vom Institut für Marketing und Handel der Universität St. Gallen geniessen Schweizer Produkte und Dienstleistungen weltweit einen exzellenten Ruf. Die Erzeugnisse keines anderen Vergleichslandes werden derart positiv wahrgenommen, wie die der Schweiz. Schweizer Produkte stehen für Tradition, Zuverlässigkeit, Spitzenqualität und Exklusivität/Luxus. Diese Werte müssen nicht mehr explizit kommuniziert werden, sie sind gelernt. Dementsprechend werden sie auch mit einem vergleichsweise höheren Preis in Verbindung gebracht. Der Preis gilt dabei als Indikator für die Produktqualität.

Die Konsumentinnen und Konsumenten, die im mittleren Preissegment einkaufen, nehmen ab. Zunahmen verzeichnen dagegen die Niedrig- und die Hochpreissegmente. In anderen Teilen ist es der schweizerischen Wirtschaft gelungen, auf Hochpreissegmente zu setzen. Nicht einzusehen ist, warum das der Nahrungsmittelindustrie nicht auch gelingen sollte.

Innovation, gepaart mit abgestimmter Produktmarktstrategie, schafft die Basis für den Erfolg. Die Güte der Innovation manifestiert sich im Markterfolg. Der Weg von der Idee zum Markterfolg ist jedoch mit verschiedenen Herausforderungen gepflastert. Studien von Booz & Company haben gezeigt, dass 75 Prozent aller Firmen es nicht schaffen, a) gute Ideen zu generieren oder b) daraus gute Produkte zu etablieren (Abbildung 2).

Ein wesentliches Element für den Erfolg ist die Vernetzung verschiedener Disziplinen und Kompetenzen zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf dem Weg von der Idee zum Produkt. Die Kommission zur technischen Innovation als staatliche Förderagentur hat für den erfolgreichen Transfer von Wissen und Technologie Strukturen aufgebaut, die den Unternehmen und insbesondere den KMU helfen sollen, durch Innovation sich im Wettbewerbsumfeld nachhaltig zu differenzieren. Innovationsmentoren und nationale thematische Netzwerke dienen dazu, den Unternehmen die notwendige Unterstützung in puncto Innovation zukommen zu lassen.

» Lesen Sie mehr darüber in der aktuellen Ausgabe LT 10/13.