Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Qualitätssicherung und Analytik: Ausgabe 11/2013, 05.11.2013

Sicheres Futter - sichere Lebensmittel

Die Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln tierischen Ursprungs hängt von vielen Faktoren ab und beginnt bereits bei Futtermitteln. Neue internationale Leitlinien zur Beurteilung der Futtermittelqualität legen nur den rechtlichen Rahmen fest, aber keine konkreten Details.

Bündnerfleisch wird aus dem Fleisch von Milchkühen aus den Bündner Bergen und dem Schweizer Mittelland hergestellt – so die Erwartung des Schweizer Verbrauchers. Insbesondere für den Export stellen die Erzeuger die begehrte Spezialität allerdings auch aus dem Fleisch von Rindern aus Argentinien und Brasilien her. Nicht nur für die kontrovers debattierte Swissness beziehungsweise Ursprungskennzeichnung werfen die unterschiedlichen Ausgangsmaterialien Fragen auf, auch die Lebensmittelsicherheit bewertet gemäss ihres ganzheitlichen Ansatzes alle Aspekte der Produktion auf jeder Stufe der Lebensmittelkette («farm to fork»).

Bei Nutztieren sind das Futter und dessen Zusammensetzung der wichtigste Faktor sowohl für das Wohlergehen der Tiere als auch für die Qualität und Sicherheit der aus den Tieren gewonnenen Lebensmittel. Jedoch kümmern sich auf internationaler Ebene Verantwortliche bislang erstaunlich wenig darum – abgesehen von bilateralen Verträgen und den auch für die Schweiz geltenden Regelungen der Europäischen Union. Im Rahmen des Codex Alimentarius, dessen Gründung in Rom vor 50 Jahren die Gründungsmitglieder im Juli feierten, befassten sich Experten bislang nur am Rande mit der Frage, nach welchen Grundsätzen sie Tierfutter bewerten und als für das Tier und den Verbraucher geeignet einstufen sollen.

Der zunehmende Handel mit Ausgangsmaterialien und bereits verarbeiteten Futtermitteln liess diese Lücke kritischer erscheinen. Unter der Leitung der Schweiz, deren gute Dienste als neutrales Land zwischen den grossen Export- und Importblöcken einmal mehr gefragt waren, erarbeitete eine Task Force des Codex Alimentarius nun Leitlinien für die Anwendung der Risikobewertung für Tierfutter (Guidelines on the Application of Risk Assessment for Feed – 2013). Diese im Juli 2013 verabschiedeten Grundsätze ergänzen die Empfehlungen für gute Fütterungspraxis (Code of Practice on Good Animal Feeding – 2004) und richten sich direkt an die Regierungen der Mitglieder der Codex-Alimentarius-Kommission.

Wie bislang bereits bei Lebensmitteln verpflichtend, sollen Fachleute in Zukunft auch vom Futter, von Futtermitteln und Futterzusatzstoffen ausgehende Gefahren nach den international anerkannten Grundsätzen der Risikoanalyse erkennen, bewerten, kontrollieren und kommunizieren – risk assessment, risk management, risk communication. Solche Gefahren gehen zum Beispiel von Schwermetallen, Dioxinen, Rückständen von Pestiziden oder Tierarzneimitteln oder Salmonellen aus, die über das Tier auf dem Teller des Verbrauchers landen.
Die neuen Leitlinien stecken allerdings nur den zukünftigen Rahmen ab, die Festlegung der Details bleibt den Mitgliedsstaaten überlassen. Ob und wie eine internationale Zusammenarbeit bei der Risikobewertung von Futtermitteln und deren Inhaltsstoffen in Zukunft nötig wäre, war Thema einer wissenschaftlichen Tagung in Utrecht, zu der die Welternährungsorganisation (FAO) und die Regierung der Niederlande eingeladen hatten. Beiträge von Experten aus Verwaltung und Industrie erläuterten die gegenwärtige Praxis in Exportländern wie Australien, Brasilien, den USA, Importmärkten (Europäische Union, Japan) und in Kenia, als Beispiel eines Entwicklungslandes.

» Lesen Sie mehr darüber in der aktuellen Ausgabe LT 11/13.