Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Verfahrenstechnik: Ausgabe 01/2014, 06.02.2014

Passender Overall auch für Minigrössen

Coatec-Erzeugnisse sind aus der Lebensmittelindustrie nicht mehr wegzudenken und erfreuen sich bei Konsumenten grosser Beliebtheit. Ein ursprünglich aus der Pharmaindustrie stammendes Verfahren hält jetzt auch Einzug in die Lebensmittelbranche.

Viele Naschkatzen lieben knusprige, süsse Crispies im Joghurt oder als Cerealien zum Frühstück. Auch saure Zungen, Schlangen oder Apfelringe sind sehr beliebt. So unterschiedlich diese süs­sen Verführungen auch sind, eines habe sie gemeinsam: Sie alle bekommen einen ganz speziellen Mantel, um Konsumenten die gewünschte Geschmacksrichtung oder das Geschmackserlebnis bieten zu können. Um dieses «Coating» auftragen zu können, haben Lebensmittelproduzenten bisher das Wirbelschichtverfahren genutzt. Doch dazu gibt es auch eine Alternative, die Spezialisten ursprünglich für die Pharmaindustrie entwickelten.
Luftgleitschichtverfahren. Das neue Coatingverfahren arbeitet mit dem Luftgleitschichtverfahren. «Dieses ist vom Aufbau komplett anders als das Wirbelschichtverfahren. So strömt die Luft beispielsweise nicht durch eine Lochplatte am Boden ein, sondern stufenweise über Kreissegmente, die sogenannten Blades. Eine in der Mitte der Blades platzierte Düse sprüht das Coating-Material seitlich heraus. Durch diesen Aufbau bildet sich am Boden ein Luftkissen aus, auf dem das jeweilige Produkt gleitet und sanft durch die Anlage transportiert wird», erklärt Maximilian Auer, Werksleiter bei Raps. Die Luftanströmung erfolgt im Uhrzeigersinn, womit sich auch das Gut im Uhrzeigersinn bewegt. Die homogene Ummantelung entsteht durch zwei Bewegungsrichtungen des Gutes – die Kreisbewegung und die in sich gekehrte Bewegung. «Wenn wir beispielsweise Crispies mit Aroma und Farbstoff besprühen wollen, so drehen sich diese einmal im Kreis und gleichzeitig in sich gekehrt in Richtung Mitte. Damit bekommen wir eine sehr gleichmässige, homogene Umwälzung des Produkts und zudem auch ein homogenes Sprühergebnis», so der Werksleiter.
Eines für alle. Im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen bietet das neue Verfahren viele Vorteile. So lassen sich beispielsweise Partikel in der Grössenordnung von 100 µm bis 12 mm gleichmässig bewegen und damit homogen coaten. Auf diese Weise können Produzenten auch fragile Produkte wie Tee, Kräuter oder Rice Crispies veredeln. Zudem sind unförmige Produkte wie beispielsweise Hagelzucker – die eine Grös­se von bis zu 12 mm aufweisen – kein Problem für das Luftgleitschichtverfahren. Die Struktur wie auch die Zerbrechlichkeit der Rohware sind für ein gleichmässiges, durchgehendes Coating unerheblich.
Technologische Vorteile. Die geschlossene Umhüllung bietet für die Lebensmittelindustrie auch technische Vorteile. Produzenten können zum Beispiel die Lagereigenschaften ihrer Produkte verbessern und mit einer definierten Schicht vor Feuchtigkeit schützen. Der durchgehend homogene Coat verhindert das Eindringen von Feuchtigkeit und erhöht damit die Lagerkapazität.
Des Weiteren lassen sich mit dem Luftgleitschichtverfahren auch Sprühflüssigkeiten auf Wasserbasis einsetzen. Dieser Nutzen macht sich vor allem im Zusammenhang mit Aromen und Farbe bemerkbar, wie der Spezialist erklärt: «Wenn wir wasserbasierte Sprühflüssigkeiten auf ein Produkt aufbringen wollen, dann müssen wir die eingesprühte Flüssigkeit in der gleichen Zeit wieder verdampfen, in der wir sie eingebracht haben. Tun wir das nicht, bauen wir mit der Zeit einen Flüssigkeitsspeicher auf. Irgendwann kann das Produkt diesen nicht mehr halten und fällt zusammen.»

Mit dem Coating-Verfahren können laut dem Fachmann Unternehmen auch verschiedene Materialien und Funktionen in einem Arbeitsschritt kombinieren: «Bei Anwendungen mit Farben, Aromen und einem Fettschutz müssen wir die Arbeitsgänge nicht trennen, sondern alles in einem verbinden. Zuerst tragen wir das wasserbasierte Coating-Material auf und in einem zweiten Schritt den Fettschutz. Der Sprühkopf kann problemlos verschiedene Coating-Materialien verarbeiten.»
Hinter dem Begriff «controlled released» verbirgt sich eine besondere Funktionalität. Lebensmittelhersteller können damit das Geschmackserlebnis wie auch das Geschmacksempfinden kontrolliert steuern. «Der Hersteller beeinflusst durch das Coating gezielt, wann oder wie das Produkt seine Eigenschaften freisetzt. Ist beispielsweise bei Sweet-and-Sour-Gummis zuerst ein Säure­peak erwünscht, dann lässt sich dieses Erlebnis durch das geschlossene Coating erfüllen.
Sollen Verbraucher statt eines kurzen schnellen Peaks ein lang anhaltendes Geschmackserlebnis empfinden, ist das Verfahren in der Lage, nicht nur kleine Partikel zu ummanteln, sondern auch Agglomerate herzustellen. Dadurch lassen sich Produkte in Form und Grös­se verändern und das Partikeldesign wird auf die Anforderungen für die spätere Weiterverarbeitung abgestimmt.
Das geeignete Coating-Material. Je nach gewünschter Funktion können Unternehmen mit dem Gleitschichtverfahren unterschiedliche Materialien nutzen. Für Schutzschichten eignen sich beispielsweise Wachse wie etwa Carnauber-, Bienen- oder Candelillawachs. Auch verschiedene Fette – so zum Beispiel Palm-,
Raps- und Sonnenblumenfett, gehärtete oder ungehärtete Fette – sind kein Problem. Zudem lassen sich noch wasserunlösliche Applikationen wie natürliche und modifizierte Stärken, Cellulose oder Gummi arabicum auftragen.
«Fast» automatische Reinigung. In der Pharma- wie auch in der Lebensmittelindustrie ist die Reinigung von Anlagen ein zentraler Punkt. So ist die gute Reinig­barkeit des Luftgleitschichtverfahrens ge­-
währleistet. Die Anlage lässt sich mit allen gängigen Reinigungsmitteln säubern und hält auch hohen Temperaturen stand. Angesichts der Coating-Materialien wie etwa den Wachsen ist dies auch dringend erforderlich, da sich diese vollkommen rückstandsfrei lösen müssen. Dazu sind neben den entsprechenden Reinigungsmitteln auch hohe Temperaturen nötig. Die Reinigung ist dem Cleaning-in-Place- (CIP-)Verfahren ähnlich. Doch beim sogenannten WIP (Washing in Place) läuft die Reinigung nicht komplett automatisch, da zuvor Mitarbeiter manuell die Abluftfilter herausnehmen müssen. Der Reinigungsprozess an sich verläuft dann jedoch automatisch und nach den eingestellten Parametern.

Weitere Informationen:
Raps GmbH & Co. KG
Schweizer Vertretung:
Raps Doko AG




Mit der Coating-Anlage lassen sich verschiedene Materialien und Funktionen in einem Arbeitsschritt kombinieren

Promass-Produktepalette für die Branche Food & Pharma

Promass S 100 – der Food-Standard. Der Messaufnehmer im hygienischen Design für sterile Prozesse ist vollverschweisst und elektropoliert. Die medienberührenden Werkstoffe sind aus 1.4539 Edelstahl. Der Promass S ist ein Einrohrsystem, das leicht reinigbar und auch in horizontaler Einbaulage dank exzentrischen Prozessanschlüssen ohne «Totraumvolumina» vollständig entleerbar ist. Das Einrohrsystems eignet sich besonders für die Schonförderung, wie beispielsweise Milchprodukte mit ganzen Früchten.
Promass F 100 – der Food-Allrounder. Die medienberührenden Werkstoffe beim Promass F 100 sind ebenfalls aus 1.4539 Edelstahl. Der vollverschweisste, polierte Messaufnehmer ist ein entleerbares Zweirohrsystem. Das Gerät ist besonders prozessstabil und somit für viele Standardanwendungen wie Ausmischanlagen in der Getränkeindustrie optimal geeignet.
Promass I 100 – der Food-Spezialist. Der Promass I 100 ist ein echter Spezialist. Das gerade Einrohrsystem ist auch in horizontaler Einbaulage dank exzentrischen Prozess­anschlüssen vollständig und ohne «Totraumvolumina» entleerbar. Der medienberührende Werkstoff ist Titan. Als Besonderheit bietet das System die Gelegenheit, inline Viskosität zu messen. Für folgende Anwendungen ist der Sensor besonders geeignet: Speiseölmessungen sowie qualitätsrelevante Messstellen in der Milchindustrie, beispielsweise bei
Joghurt-Mischgetränken.
Promag H – neues hygienisches Kompaktdesign. Bei den magnetisch-induktiven Durchflussmessgeräten hat der Hersteller die Produktpalette der Baureihen Promag H mit optimiertem hygienischem Design nach neuen
Branchenstandards, kompakter Bauweise, Druckstufen bis PN 40 und Nennweiten bis DN 150 erweitert. Das Kompaktdesign der Promag-H-Sensoren erlaubt platzsparenden Einbau und damit mehr Flexibilität bei der Wahl des Einbauortes. Zudem werden die Geräte bis zu 30 Prozent leichter, was das Handling vereinfacht und die Transportkosten reduziert. Die erweiterten Druckstufen bis PN 40 und die Nennweiten bis DN 150 erlauben einen erweiterten Einsatzbereich mit hy­gienischem Design. Die neue Bauform lässt sich sogar einfach und hygienisch an die Baulängen der bisherigen Gerätelinie adaptieren. Damit steht dem Einsatz der neuen Geräte auch in bestehenden Anlagen nichts im Wege. Einsatzbereiche des Promag H sind unter anderem CIP-Anlagen sowie Ausmischanlagen in der Getränkeindustrie.