Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Convenience: Ausgabe 10/2014, 06.10.2014

Produktionsplan auf Knopfdruck

Die Produktionsplanung stellt bei der Herstellung von zusammen­gesetzten Convenience-Produkten eine besondere Herausforderung dar. Mit einer innovativen Optimierungssoftware lässt sich diese komplexe Planung kostengünstig und einfach unterstützen.

Autor: Thomas Graf, Daniel Schwab, Beat Wasmer

Convenience-Produkte erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Der im Verhältnis relativ kleine Absatzmarkt Schweiz bringt es mit sich, dass die Losgrössen klein sind, während die Produktvielfalt hingegen sehr gross ist. Die Vielfalt und Komplexität wird durch unterschiedliche Technologien und ein breites Kundenspektrum zusätzlich verstärkt. Da es sich bei Frisch-Convenience meist um zusammengesetzte Lebensmittel mit nur beschränkter Haltbarkeit handelt, ergibt sich eine hohe Komplexität in der Produktionsplanung. Dazu kommen die strengen Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit bei genussfertigen Produkten sowie ein striktes Allergenmanagement.

Zunehmende Komplexität.

Mit zunehmend breiter werdendem Sortiment übersteigt die Komplexität der Produktionsplanung die Möglichkeiten von herkömmlichen Office-Programmen. Auch ERP-Lösungen stossen an ihre Grenzen, wenn es darum geht, die komplexen Rahmenbedingungen – wie beispielsweise beschränkte Haltbarkeiten von Rohstoffen und Endprodukten, Lieferbereitschaft, Umrüstzeiten, Lagerbestände, Verfügbarkeit von Rohstoffen, Anlagenkapazität und diversen weiteren Parametern – für den optimalen Produk­tionsablauf in Bezug auf die Herstellkosten festzulegen. Dazu ist viel Know-how der ausführenden Mitarbeitenden über die gesamte Supply Chain notwendig. Bei sich üblicherweise kurzfristig ändernden Kundenanforderungen müssen Unternehmen die aufwendige Planung komplett neu erarbeiten. Aufgrund der vielen Abhängigkeiten ergeben sich daraus unter Umständen Konsequenzen für die gesamte Lieferkette.

Optimierungssoftware kann unterstützen.

Mithilfe der Optimierungssoftware ODS (Optor Distributed Solver) der Start-up-Firma Optor lässt sich der optimale Produktionsplan für die gesamte Supply Chain der Produkte ermitteln. Mit Unterstützung der KTI konnte das junge Unternehmen zusammen mit der Berner Fachhochschule für Technik und Informatik die Software entwickeln. Die Software ist regelbasiert und dank Parallelisierung hoch performant. Die Software kann innert kurzer Zeit Millionen von Entscheidungsalternativen berechnen und bewerten. Das Optimierungsproblem lässt sich mit einer einfachen, standardisierten Datenschnittstelle beschreiben. So können Unternehmen komplexe Planungs- und Optimierungsprobleme kostengünstiger und effizien­ter als bisher modellieren und lösen. Dank der einfachen Problembeschreibung können Anwender innerhalb von Tagen bewerten, wie gross das Optimierungspotenzial ist.

Die komplexe Produktionsplanung lässt sich somit mit geringerem Aufwand anpassen und neu ausführen. Die Software bietet die Gelegenheit, dass eine Vielzahl von Parametern in gewichteter Gegenüberstellung in die optimale Reihenfolge gestellt werden können. Dabei lassen sich auch Kriterien als nicht änderbar festlegen. Dies gewährleistet die Lebensmittelsicherheit und die strikte Einhaltung des Allergenmanagements.

Kosteneinsparungen in diversen Bereichen.

Kosteneinsparungen sind in diversen Bereichen realisierbar. Neben Einsparungen im Aufwand der Produk­tionsplanung an sich können Unternehmen auch die Kosten der Produktion optimieren. Zudem lassen sich Umrüstzeiten minimieren und die Auslastung der Anlagen lässt sich verbessern. Da die Regeln der Planung klar definiert sein müssen, bleibt diese jederzeit nachvollziehbar und transparent.

Pilotprojekt bei Bell.

Als erster Industriepartner der Lebensmittelbranche hat sich Bell Schweiz, Geschäftseinheit Geflügel, für ein Pilotprojekt mit ODS entschieden. Der Fleischverarbeiter betreibt in der Geschäftseinheit Geflügel eine Produktionsabteilung mit zwei Convenience-Linien. Der Standort Zell verkauft die hergestellten Frisch- und Tiefkühlprodukte in die ganze Schweiz an Detailhandel und Industrie. Das Sortiment umfasst hauptsächlich geformte und gewachsene Geflügelprodukte, aber auch Produkte wie Meatballs und Burger aus Rind- oder Schweinefleisch. Ziel des Projekts ist eine genaue und nachvollziehbare Ermittlung der Kosten, die sich durch eine automatische Aufstellung und Optimierung der Produktionspläne einsparen lassen. Als weiteren Schritt könnte der Betrieb die Optimierungssoftware über direkte Schnittstellen ins bestehende ERP für die operative Anwendung implementieren.

Kritische Beurteilung bleibt notwendig.

«Bestimmt kann mir die Software gewisse Unterstützung in meiner Arbeit bieten», sagt Dieter Fipke, Produktionsplaner bei Bell Geflügel. «Es hat sich aber bereits in der Vorbereitungsphase gezeigt, dass wir die Systemgrenzen klar ziehen müssen. Es wird nach wie vor die kritische Beurteilung und Plausibilisierung der Planung nötig sein. Mein Bauchgefühl und vor allem die Absprachen mit meinen Arbeitskollegen kann die Software nicht ersetzen.» Die ODS-Software ist derzeit auch in anderen Branchen zur Optimierung komplexer Problemstellungen auf dem Prüfstand.


Die Autoren sind Teilnehmer des Executive MBA der Hochschule Luzern – Wirtschaft
Weitere Informationen:
www.optor.ch