Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 11/2014, 03.11.2014

EuroSense 2014 – Trends in Sensorik und Konsumentenforschung

Die in einem Zyklus von zwei Jahren stattfindende europäische Konferenz für Sensorik und Konsumentenforschung, «EuroSense», war dieses Jahr in Kopenhagen zu Gast. Die Besucher gewannen einen Überblick über Trends, Erfahrungen und Ergebnisse aus der Forschung.

Autor: Jonas Inderbitzin, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Wädenswil, Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung, WBF, Agroscope, Institut für Lebensmittelwissenschaften, ILM, Sensorik

Vom 7. bis 10. September dieses Jahres trafen sich 540 Delegierte aus nicht weniger als 46 Ländern in Dänemarks Hauptstadt, um an insgesamt 43 Präsentationen und 5 Seminaren teilzunehmen. Experten erörterten dabei Themengebiete wie Emotionen, Ernährung und Gesundheit, verschiedene Abschnitte im Lebenszyklus, Design und Genuss und die Zukunft der Sensorik und Konsumentenforschung. Zudem boten zwei Poster-Sessionen mit 367 ausgestellten Postern eine ausserordentliche Gelegenheit, Informationen aus einer grossen Breite von Themen zu sammeln, eigene Ergebnisse zu präsentieren, Inspiration zu suchen, aber auch mit Wissenschaftern aus der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Darüber hinaus waren zahlreiche Aussteller aus Industrie und Forschung an Ständen mitten im Konferenzgebäude präsent.

Schweizer Präsenz.

Sechs Wissenschafterinnen und Wissen­schafter von Agroscope und Delegierte von weiteren Instituten vertraten die Schweiz. Sie präsentierten vielfältige und interessante Ergebnisse aus der Schweizer Sensorikforschung. Die Wissenschaftler erklärten einem interessierten Publikum Themen wie «Innovative food pairing of cheese and destillates», mit Degustation der beliebtesten Paarung vor Ort, «Characterisation of cooked ham using the method of Temporal Dominance of Sensations (TDS)», «Correlation between shear forces and tenderness of beef meat perceived by Swiss consumers» und «Swiss wine and cheese pairings, a happy wedding!».

Sensorik im Laufe des Lebens – Ernährung und Gesundheit.

An den ersten zwei Konferenztagen gaben Wissenschafter Einblicke in neue Erkenntnisse zur Arbeit mit Kindern, Teenagern und einer älter werdenden Population im Rahmen diverser Methoden der Sensorik und Marktforschung. Monique Raats (University of Surrey, UK) bot einen Überblick darüber, wie die Wahl von Lebensmitteln die Gesundheit und das Wohlbefinden in verschiedenen Phasen des Lebens beeinflussen kann. Konzepte wie «food involvement», das Ausmass der Wichtigkeit von Lebensmitteln im Leben einer Person, «food well-being», positive psychologische, physische, emotionale und soziale Beziehungen zu Lebensmitteln auf persönlicher, aber auch gesellschaftlicher Stufe kamen im Zusammenhang mit Empfehlungen zur Ernährung zur Sprache.

Der zweite Hauptredner, Professor Martin Yeomans (University of Sussex, UK), zeigte mit seinem Referat, wie sich Aromapräferenzen im Laufe des Lebens bilden. Er stellte die wichtigsten Modelle aus der Psychologie und deren Implikatio­nen auf die Bildung von Aromapräferenzen vor. Er befasste sich mit Schlüsselmodellen, wie «mere exposure», «flavor-flavor»- und «flavor-nu­- t­rient»-Konditionierung, «social facilitation» und die «expectancy theory», und hob die entscheidende Rolle der Erinnerung für die Wahl von Lebensmitteln hervor.

Als krönenden Abschluss des zweiten Tages waren die Teilnehmenden im Tivoli, einem der ältesten Freizeitparks der Welt, zum Galadinner geladen. Der Anlass bot Gelegenheit, Kontakte zu schliessen, interessante Diskussionen zu führen oder aber einfach nur die nordische Küche und ein gutes Glas Wein in bezauberndem Ambiente zu geniessen.

Emotionen – Design und Genuss – «Data to go».

Zahlreiche Vorträge widmeten sich dem stetig wachsenden Gebiet der Emotionsforschung. Experten diskutierten im Rahmen eines Seminars ausgiebig über Emotionen im Zusammenhang mit sensorischer Wahrnehmung und die Schwierigkeit der Übersetzung von Emotionsbegriffen in fremde Sprachen und Kulturen. Es zeigte sich, dass auf diesem sich wandelnden Gebiet noch zahlreiche offene Fragen bestehen und keine einfachen und allgemein gültigen Lösungen für diverse methodische Fragen vorhanden sind.

Ausserdem besprachen Fachleute neue Wege zur Datengenerierung mittels sozialen Medienkanälen wie Twitter. Thierry Worch (QI Statistics, UK) ging dabei auf die Vor- und Nachteile solcher Datensätze ein und erläuterte diese anhand erster Erfahrungen aus einer Studie. Zusätzlich hielten Forscher Präsentationen zu akustischem Design und zur Wahrnehmung von Geräuschen und stellten neue Erkenntnisse zu Konzepten wie Befriedigung und Genuss vor.

Die Präsentation des Referenten Sebastian Ahnert (Cavendish Laboratory, UK) tastete sich mit einer innova­tiven Anwendung von Netzwerkanalyse an das Themenfeld des «food-pairing» heran. Daraus resultierten aussergewöhnliche Einblicke in traditionelle Lebensmittelkombinationen verschiedener Kulturen und Länder. Zudem liessen sich Unterschiede in den Aromakombinationen zwischen asiatischer, europäischer und nordamerikanischer Küche aufzeigen und die neue Methode der «computational gastronomy» als Werkzeug für Wissenschaft und das kulinarische Feld vorschlagen.

Professorin Joanne Hort (University of Nottingham, UK) bot in einem eindrücklichen Vortag einen Einblick in ihre Forschungstätigkeit. Sie erläuterte neue Erkenntnisse in Bezug auf «PROP taster status» und «thermal taster status», die mithilfe von Hirntomografie zustande kamen. Die Professorin erwähnte zudem die Wichtigkeit der Segmentierung von Konsumenten und eine mögliche und wahrscheinliche Einführung von Produkten, die auf den einzelnen Kunden abgestimmt sind.

Was kommt als Nächstes?

Diese Frage versuchte Sara Jaeger (The New Zealand Institute for Plant & Food Research, NZ) in einem abschliessenden Vortrag zu beantworten. Sie wagte einen Ausblick in die Zukunft der Sensorik und Konsumentenforschung und zeigte dabei die wichtigsten Trends wie das zunehmende Interesse an nicht-westlichen Konsumenten und den daraus entstehenden sozialen und fachlichen Anforderungen für Forschende und die Industrie auf. Weiter erwähnte sie das stetig aufstrebende Gebiet der Emotionsforschung und die verstärkte und präzisere Messung und Beeinflussung des Konsumentenverhaltens.

Die nächste EuroSense-Konferenz findet vom 11. bis 14. September 2016 in Dijon statt und ist allen Sensorik- und Konsumentenforschungsinteressierten empfohlen.


Informationen zu weiteren Forschungsarbeiten:
www.agroscope.ch/publikationen




Der Tivoli in Kopenhagen bot für das Galadinner einen schönen Rahmen. Die Teilnehmenden konnten dabei neue Kontakte schliessen und ihr Netzwerk pflegen