Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 11/2014, 03.11.2014

Forschung trifft Wirtschaft

Das F&E-Konsortium Swiss Food Research hat sich zum Ziel gesetzt, die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Lebensmittelindustrie zu fördern. Am 14. Oktober 2014 hatten Fachleute beim Swiss FoodTech- Day die Gelegenheit, sich ausgiebig über dieses Thema zu informieren.

Die Schnelllebigkeit unserer Zeit zeigt sich deutlich an den verschiedenen Märkten. Was heute topaktuell ist, kann morgen schon hoffnungslos veraltet sein. Kein Wunder also, wenn Wirtschaftswissenschaftler Innovationen als zentrale und nachhaltige Sicherung von Volkswirtschaften bezeichnen. Die logische Konsequenz sind die kontinuierliche Entwicklung von Innovationen. Auch wenn die Schweiz geografisch betrachtet ein kleines Land ist, belegt sie dennoch im Global Competitiveness Report 2013–2014, im Global Innovation Index 2013 und im Innovation Union Scoreboard 2013 den ersten Platz unter den weltweit Top-5-Innovatoren. Das zeigt, dass Schweizer Konzerne grosse Anstrengungen unternehmen, um die Innovationsentwicklung voranzutreiben. Doch Forschung und Entwicklung sind teuer, und nicht jedes Unternehmen kann sich diese Ausgaben leisten. Besonders KMU und Kleinstunternehmen sind finanzielle dazu kaum oder gar nicht in der Lage.

Swiss Food Research.

Eine Branche in der Schweiz ist stark von KMU geprägt, denn rund 98 Prozent der 2200 Lebensmittel produzierenden Unternehmen gehören zu dieser Kategorie. Die firmeninternen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sind hier sehr tief. Lediglich grössere Unternehmen haben die Kapazität, Forschung und Entwicklung zu betreiben. Das F&E-Konsortium Swiss Food Research (SFR) hat sich zum Ziel gesetzt, wesentlich zur Innovationskraft der gewerblichen und industriellen Lebensmittelverarbeiter sowie deren Zulieferer beizutragen. So hat SFR am 14. Oktober 2014 zum Swiss FoodTech-Day eingeladen, um Interessierten verschiedene Wege zu Forschung und Entwicklung zu zeigen.

Das Innovationsportfolio von SFR ist vielfältig und fängt bei der Beratung von KMU in Bezug auf Innovation und Innovationsmanagment an. Zudem unterstützt das Konsortium bei der Erarbeitung von KTI-Projekten, bei der Identifikation von Projektpartnern und bei Forschungsfördermöglichkeiten.

Seed Money.

Das Förderprogramm von Swiss Food Research umfasst das Konzept Seed Money. Diese Unterstützung ist mit einem Forschungsprojekt verbunden, das eine Innovation zum Ziel hat. Voraussetzung dafür ist, dass mindestens ein Forschungsinstitut und ein Wirtschaftspartner die Ergebnisse des zu realisierenden Projekts verwerten möchten. Das Seed Money gibt es in zwei Formen:

Swiss Food Research Call.

Zur Förderung des Wissensaustauschs zwischen Hochschulforschern und Produktentwicklern in Unternehmen lanciert Swiss Food Research einen jährlichen Call. Damit unterstützt das Konsortium Erfolg verheissende innovative Projekte in einer sehr frühen Phase mit einem Geldbetrag und verschafft den Entwicklern die Gelegenheit, ihre Projekte mit Fachkollegen kritisch zu diskutieren und sich von Experten im Technologietransfer in einer vertrauensvollen Atmosphäre beraten zu lassen. Die Swiss Food Research Calls dienen als Basis für KTI-Anträge.

Die punktuelle Unterstützung

aus­serhalb des SFR Calls hilft bei der Bearbeitung von Entwicklungs- oder Forschungsfragestellungen. Damit lassen sich beispielsweise Projektarbeiten in Kooperation mit Hochschulen unterstützen. Mitglieder von SFR können diese Unterstützung beantragen.

Innovationsgruppen

dienen als Plattform für neue Ideen, deren Träger Swiss Food Research ist. Dabei schliessen sich Produzenten, Verarbeiter, Vertreter aus der Wirtschaft und Hochschulen zu Arbeitskreisen zusammen, die gemeinsam ein spezifisches Themenfeld bearbeiten. Daraus generieren sich auch Forschungsvorhaben, die beispielweise für KTI-Projekte geeignet sind. Das Ziel der Innovationsgruppen ist die Identifizierung und Generierung von Forschungsvorhaben, die die Branche weiterbringen. Ein erfolgreiches Beispiel für eine solche Innovationsgruppe ist der Arbeitskreis Schokolade an der ETH Zürich. Dieser existiert bereits seit 20 Jahren und hat 14 KTI-Projekte erfolgreich durchgeführt. Zudem konnten die Beteiligten insgesamt zehn Patente anmelden. Derzeit sind weitere Innovationsgruppen im Aufbau wie zum Beispiel für Kaffee, Kartoffeln, Getreide für Backwaren, Verpackung und Energie sowie Nachhaltigkeit.

F&E-Projektförderung der KTI.

Die Kommission für Technologie und Innovation unterstützt die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung (F&E) und die Promotion des Unternehmertums sowie den Aufbau von Jungunternehmen. Um das umzusetzen, sind zum einen Hochschulen als wissenschaftliche Partner notwendig. Diese verfügen über die Forschungsinfrastruktur, haben das wissenschaftliche Know-how, sind auf dem Stand der Technik und haben zudem Innovationen, die dem aktuellen Technikstand bald überlegen sein können. Die anderen Partner sind Unternehmen, die mit ihrem Know-how, ihren Innovationsideen und Geschäftszielen sowie den Konkurrenzanalysen und Umsetzungskonzepten das Umfeld für die erfolgreiche Umsetzung von Innovationen bieten können. Die KTI unterstützt die drei Bereiche «Projektförderung», «Start-up und Unternehmertum» und den WTT-Support.

Projektförderungsmöglichkeiten.

Zur Förderung von Projekten bietet die KTI verschiedene Optionen an:

Der Innovationsscheck

ist ein niederschwelliges Förderinstrument der KTI und spricht in erster Linie KMU an, die bisher nicht in wissenschaftsbasierte Innovationsprojekte investiert haben. Der Innovationsscheck soll KMU einen Anreiz bieten, bei der Planung und Entwicklung neuer oder wesentlich verbesserter Produkte, Herstellungsverfahren oder Dienstleistungen mit Forschungsinstitution zusammenzuarbeiten. Mit dem Scheck können KMU Leistungen von öffentlichen Forschungsinstitutionen in Höhe von maximal 7500 Franken beziehen.

Der Innovations-Voucher

unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Ideen. Dabei können KMU und Start-ups ein F&E-Fördergesuch ohne Angabe eines Forschungspartners einreichen und bei Bewilligung des CTI-Voucher (früher als KTI-Voucher bezeichnet) anschliessend den Forschungspartner aussuchen. Die Unternehmen bestimmen den Fahrplan und die Meilensteine des Gesuchprozesses und des künftigen Projekts viel stärker als bisher. Ist das vollständige F&E-Gesuch unter Angabe des konkreten Forschungspartners bewilligt, übernimmt die KTI die Kosten für die ausgewählte Forschungsinstitution.

Das KTI-Projekt

hilft Unternehmen dabei, Innovationsergebnisse für den Markt zu erzielen. Dabei sind mindestens je ein Hochschul- und ein Umsetzungspartner nötig. Seit Januar 2014 ist auch die Beteiligung ausländischer Forschungspartner genehmigt. Die Voraussetzung dafür ist jedoch eine wesentliche Beteiligung eines Schweizer Hochschulpartners.

Der Wissens- und Technologietransfer

(WTT) zwischen Hochschulen und Indus­trie ist eine weitere Unterstützung der KTI. Professionell geführte, nationale thematische Netzwerke (NTN) bieten den KMU Dienstleistungen bei der Vermittlung von Technologiewissen durch die Hochschulen und beim Anbieten von Lösungen für die unternehmensspezifischen Bedürfnisse. Seit 2013 sind dreizehn KTI-Innovationsmentorinnen und -mentoren (IM) im Einsatz. Sie und die NTN (SFR) informieren KMU über die Innovationsfördermöglichkeiten in der Schweiz und bieten Unterstützung bei der Ausarbeitung von Innovationsvorhaben.

Für die Gründung von Start-ups

hilft die KTI mit dem Programm «CTI Entrepreneurship» mit massgeschneiderten Ausbildungsmodulen. Diese vermitteln das Rüstzeug und die Methodik, um eine zündende Geschäftsidee mit einer neuen Firma erfolgreich umzusetzen. Jungunternehmerinnen und -unternehmer können sich des Weiteren für ein professionelles Coaching bewerben. Das Konsortium fördert wissensintensive und technologiebasierte Unternehmen mit grossem Marktpotenzial.

Erfolgreiche KTI-Projekte.

Dass die Förderung nicht nur auf dem Papier existiert, sondern zu erfolgreich umgesetzten Ideen führt, beweisen die realisierten Projekte verschiedener Hochschulen. Beispielsweise hat erst kürzlich Norbert Fischer von der ZHAW in Wädenswil über eine KTI-Förderung eine Methode zur natürlichen Entkoffeinierung von Tee erfolgreich abschlies­sen können. In künftigen Projekten machen sich die Forschungsinstitutionen auf die Suche nach Einsatz und Verwendung alternativer Proteinquellen. Die Forschungsstellen ergänzen sich dabei optimal. Funktionalisierung und Strukturierung sind dabei Fragen der BFH und HES-SO. Die ZHAW interessiert sich für Gewinnung und Extraktion von Proteinen. Kompetenz der ETH ist die Schaffung des Grundlagenverständnisses zur Systembeschreibung der Proteine.

Swiss Food Trophy.

Die Tagung informierte nicht nur über die verschiedenen Förderungsoptionen, sondern stellte auch die Projekte der Studierenden vor, die an der Swiss Food Trophy teilgenommen haben. Die innovativen Ideen der Nachwuchsforscher haben ein grosses Potenzial zur Vermarktung; besonders die Produktentwicklungen der diesjährigen Preisträger. Studieren­de der HAFL in Zollikofen haben das Apéroglace «Verrine glaceé salée à la tomate et au basilic» im Rahmen ihres Studiums entwickelt. Diese Innovation hat nicht nur den ersten Preis gewonnen, die Preisträger dürfen auch als Vertreter der Schweiz an der Ausscheidung der Ecotrophelia an der SIAL in Paris teilnehmen.


Weitere Informationen
Swiss Food Research
KTI





Am Swiss FoodTech-Day hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, das kürzlich eröffnete Technikum an der HAFL zu besichtigen


Peter Braun, CEO von Swiss Food Research, moderierte die Tagung