Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Innovationen für die Getränkebranche: Ausgabe 11/2014, 03.11.2014

Liegt die Zukunft der Getränke in Kapseln?

Der Trend zu Kaffee oder Tee aus Kapseln ist ungebrochen. Was sich für Heissgetränke bereits bewährt hat, ist auf dem besten Weg, auch den Bereich der Kaltgetränke zu erobern. Obwohl es noch keine konkrete Anwendung gibt, ist die Technik bereits in der Entwicklung.

Die Getränkeindustrie hat in den vergangenen Jahren viele innovative Produkte auf den Markt gebracht. Dabei geht es nicht nur allein um neue Geschmacksrichtungen, sondern auch um neue Inhaltsstoffe und Süssungsmittel. Bisher waren Getränke meist in Flaschen verpackt oder Konsumenten haben sie selbst zubereitet, wie etwa Kaffee und Tee frisch gekocht oder Säfte selbst gepresst. Seit einigen Jahren hat sich jedoch besonders im Kaffeebereich die Zubereitung aus Kapseln etabliert. Diese Form ist bei den Konsumenten sehr beliebt und hat dazu geführt, dass Unternehmen auch andere Heissgetränke wie beispielsweise Tee, Schokolade, aber auch Suppen in Kapseln anbieten. Doch die Entwicklung bleibt nicht stehen und wird sich nicht mehr lange nur auf Heissgetränke beziehen. Erste Ideen für die Verpackung von Säften in Kapseln existieren bereits und warten nur auf ihren Einsatz.

Blick in die Zukunft.

Der aktuelle Trend zu mehr Single-Haushalten und das moderne Eat-and-drink-on-the-go-Verhalten unterstützen diese neue Form der Verpackung. Diese Zielgruppe legt Wert auf hochwertige Qualität, lange Haltbarkeit, einfache Handhabung und praktisches Design. So könnte ein Szenario der Zukunft aus einer Kapselmaschine bestehen, die sowohl kalte als auch warme Getränke, Saucen und Suppen produzieren kann. Die Vorteile dieser Entwicklung liegen für Experten wie Bettina Fleisch, CEO von Säntis Packaging, auf der Hand: «Die Convenience steigt, da Konsumenten keine schweren Flaschen mehr nach Hause tragen müssen. Statt 0,5- oder l-Liter-Flaschen würden Kapseln mit einem Gewicht von 3 Gramm im Einkaufskorb liegen. Auch die Frische bliebe erhalten, da Verbraucher das Getränk zeitgenau zubereiten können. Abgestandene Getränke ohne Kohlensäure wären dann Vergangenheit. Auch Menge und Volumina der Verpackungen bei der Müllentsorgung reduzierten sich erheblich.» Doch die Expertin sieht noch weitere Aspekte für die Nachhaltigkeit, Vielfältigkeit und Reduktion von Food Waste. «Die Einsparungen beim Transport durch weniger Verpackungsvolumen und -gewicht sind beachtlich. Auf einen Lkw passen im Schnitt 60 000 Flaschen à 0,5  Liter. Im Vergleich dazu nehmen knapp 5  Millionen Kapseln den gleichen Raum ein. Dank der frischen Karbonisierung liessen sich auch Getränkereste vermeiden, da Konsumenten nur die Menge zubereiten, die sie auch trinken wollen. Zudem haben die Verbraucher die freie Wahl auf verschiedene Getränke und nahezu endlose Kombinationsmöglichkeiten.»

Bewährte Systeme.

Was futuristisch klingt, hat jedoch bereits seinen Anfang genommen. Es gibt mittlerweile Kapselsysteme, die nicht nur Espresso zubereiten, sondern auch andere Kaffeearten wie Cappuccino, heisse Schokolade oder Tee. Was sich schon bewährt hat, könnte sich bald für karbonisierte Kaltgetränke nutzen lassen. Technik, Verpackungsmaterial und das Kapsel-Know-how sind auf dem besten Weg dazu.

Für die Entwicklung eines Kapselsystems arbeiten die Experten im Verbund. «Wenn ein Kunde uns seine Idee und das zu vermarktende Produkt erklärt, nutzen wir unser gutes Netzwerk. Unsere Inge­nieure entwickeln die Kapsel in enger Zusammenarbeit mit den Maschinenbauern. Denn die Kapselverpackung muss sowohl zur Aufguss- als auch zur Abfüllmaschine passen. Damit erhalten wir ein optimal funktionierendes System, bei dem alles aufeinander abgestimmt ist», erklärt die Geschäftsführerin.

Jedes System ist «custom-made» und speziell auf die Bedürfnisse des Kunden und die Anforderungen des abzupackenden Produkts angepasst. «Doch wie so oft rufen bewährte Systeme Nachahmer auf den Plan, die die Kosten für die System­entwicklung sparen wollen, dafür aber zwangsläufig in Rechtsstreitigkeiten investieren müssen», so die Expertin. Um das eigene System vor Trittbrettfahrern zu schützen, optimieren Unternehmen regelmässig ihre Maschinen. Die Neue­rungen dienen aber nicht nur dem Schutz, sondern bieten Konsumenten auch neue Bedienfunktionen.

Saft aus der Kapsel.

Bei Kaffee und Tee ist die Verpackung in Kapseln einfacher, da es genügt, gemahlenes Kaffeepulver oder Teeblätter einzufüllen. Bei Kaltgetränken ist das etwas anderes. Getränkehersteller müssen die Fruchtsäfte erst eindicken, um sie als Konzentrat abzufüllen. In dieser Form ist es für den Verbraucher einfach, da er lediglich mit Wasser «aufbrühen» muss. Bei Bedarf lässt sich dann das Getränk noch karbonisieren. Moderne Maschinenentwicklungen sehen bereits Karbonisierstatio­nen vor. Mit diesem Verfahren können Verbraucher ihre Getränke nach Lust und Laune zusammenstellen und Geschmacksvarianten entwickeln, die der Handel noch nicht anbietet.

Kunststoff oder Bio?

Die meisten Kapseln bestehen aus Polypropylen mit einer EVOH-Barriere. Dieses Material hat sich gut bewährt, hält das Füllgut frisch und hat eine funktionsfähige Barriereschicht, die zum Beispiel vor Aromaverlust schützt. Auch Biokunststoffe stehen im Gespräch, doch diese bergen noch bekannte Nachteile. «Die Biokunststoffe basieren auf Stärke, die Produzenten zum Beispiel aus Mais oder Zuckerrohr herstellen. Doch diese Materialien haben Schwierigkeiten mit den hohen Temperaturen, denen sie in einer Kaffeemaschine ausgesetzt sind. Zudem gibt es häufig auch Geschmacksprobleme. So können Biokunststoffe unerwünschte Geschmäcke auf das Füllgut übertragen. Auch die Lagerung bedeutet ein Problem. Wird die Verpackung feucht, fängt sie bereits im Lager an zu zerfallen. Darüber hinaus spielt der höhere Preis noch eine Rolle. Auch wenn Biokunststoffe für die Anwendung bei Getränken noch nicht ausreichend entwickelt sind, bleibt der Fortschritt nicht stehen und sorgt für innovative Überlegungen», erklärt die Geschäftsführerin. Erste Anfragen liegen dazu bei der Expertin bereits auf dem Tisch.


Weitere Informationen:
Säntis Packaging AG




Fruchtsäfte aus Kapseln liegen zwar noch in der Zukunft, doch der Weg dahin ist nicht mehr weit. Die Entwicklung innovativer Kapselsysteme ist bereits weit fortgeschritten. Erste Anwendungen sind schon in der Vorbereitung