Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
SGLWT: Ausgabe 12/2014, 09.12.2014

«The same procedure as every year» –oder geht es auch anders?

Und schon ist wieder ein Jahr vorbei. Weihnachten steht vor der Tür und das Jahr 2014 neigt sich dem Ende zu. Für die einen heisst dies Jahres­endstress, alles muss noch rasch erledigt werden, andere sind unter Erwartungs- und Erfolgsdruck, weil Weihnachten das beste Geschäft im Jahr darstellt. Kaum einer hat Zeit, nimmt sich Zeit oder kann sich die Zeit nehmen, bereits jetzt und heute aufs Jahr 2014 zurückzuschauen und einen Ausblick ins 2015 zu wagen, ausser man steckt noch in der Budgetphase (welche bei den meisten bereits längst abgeschlossen ist) mit Rück- und Ausblick lediglich aus finanzieller Sicht.

Alle Jahre wieder ...

Viele beginnen Weihnachtskarten und Weihnachtsgeschenke zu verschicken, machen vermehrt Kundenbesuche und wünschen besinnliche Advents- und Weihnachtszeit. Kaum einer hat die Zeit, nimmt sich die Zeit oder kann sich die Zeit nehmen, die vorweihnachtliche Phase besinnlich anzugehen. Dies würde bedeuten, kurz oder auch länger stillzustehen und sich zu besinnen, nachzudenken, sich nach dem Sinn zu fragen, sich in der Hektik einen Überblick zu verschaffen und eine Bestandsaufnahme zu machen. Habe ich meine selbst gesteckten Ziele erreicht, kann ich sie noch erreichen? Muss ich sie noch erreichen oder habe ich sie schon erreicht? Was habe ich bis heute geleistet und vollbracht?

… und plötzlich ist mit den gestellten Fragen die Zeit «verloren» oder es braucht etwas mehr davon, will man über sein persönliches Handeln den Überblick gewinnen und wissen, wo man steht, was man besser machen kann, was man 2014 unterlassen hat, was sinnvoll ist und was man 2015 planen und vornehmen will.

... oder geht es auch anders?

Ich persönlich versuche dies nicht nur am Jahresende zu tun, sondern mache dies mehrmals im Jahr, auch in Gesprächen mit Freunden und Familie, mit Arbeitskolleginnen und -kollegen, mit Mitarbeitenden und Vorgesetzten. Ich nehme mir diese Zeit immer wieder und stelle fest, dass ohne persönliche Bestandsaufnahme ich nicht führen und motivieren, ich kaum Verantwortung übernehmen und Vertrauen schaffen, ich kaum nachhaltig und erfolgreich arbeiten könnte.

Diese kurzen, sich mehrmals im Jahr wiederholenden Rückblicke, ich nenn sie zeitweise auch Hächelsitzungen mit mir selber, wenn der Rückblick wieder einmal eher negativ ausfällt, und das Streben, es besser, anders zu machen, ohne Altbewährtes über den Haufen zu werfen, helfen mir, im Alltag trotz Zeitmangel zu bestehen und meine Verantwortungen umfassend, weitblickend und nachhaltig wahrzunehmen.

Verantwortung übernehmen und tragen wir alle,

manche mehr, manchmal grössere. Konflikte entstehen, wenn Verantwortung nicht wahrgenommen wird. Dies gilt generell und dies ist uns oft nicht bewusst. Wer eine Führungsposition (oder auch als Eltern) einnimmt, gibt stufen- und fachgerecht bewusst Aufgaben weiter. Der Empfangende hat dann die Verantwortung, diese Aufgaben zu lösen, dem Können entsprechend und in einem vorgegebenen Zeitrahmen, und sammelt so seine Erfahrungen. Er hat meist keine Wahl, diese Verantwortung nicht zu übernehmen, und wenn es zu viel ist, wird die Verantwortung zur Last. Dies bedeutet, dass sich derjenige, der delegiert, delegieren kann, die ausführende Person gut kennen sollte und entsprechend ihr vertraut und vertrauen kann. In der heutigen, schnell lebenden Zeit gehen diese Zusammenhänge oft verloren, was zu einem schlechten Arbeitsklima führen kann.

Verantwortung, Vertrauen, aber auch Erfahrung sollten Hand in Hand gehen. Zur Erfahrung zählen die kulturelle Herkunft, die religiöse Erziehung und somit auch die Ethik, aber auch das Selbsterlebte und Gelernte. Dies muss uns bewusst sein, vor allem dann, wenn wir uns in andere kulturelle Kreise begeben.

Meine Wünsche.

Ich versuche, dies bei meinen Rück­blicken ins Bewusstsein zu führen, und stelle fest, dass ich manchmal mangels Zeit die Verantwortung nicht immer vollends wahrnehme, dass ich die Kontrolle vernachlässige und dass ich mein Umfeld auch mal überfordere oder zu viel voraussetze – das gilt auch für mich selber. Ich wünsche mir fürs 2015, dass mir dies besser gelingt. Ich wünsche mir, dass alle ihre Verantwortung wahrnehmen und das daraus resultierende Handeln fair, vertrauensbildend und nachhaltig ist.

In diesem Sinne wünsche ich allen frohe Festtage und für 2015 viele persönliche Erfolge, beste Gesundheit und genügend Kraft, Wille, Weitblick und Einsicht, um das Vorgenommene zu erreichen und um sein persön­liches Umfeld positiv, erfreulich und gewinnbringend gestalten zu können … und natürlich viel Zeit, Musse und Besinnung. Teilen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, die Zeit mit den Liebsten und genies­sen Sie jeden schönen Augenblick!

Ihr Markus Henggeler



Markus Henggeler, SGLWT-Präsident