Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Think Tank Day: Ausgabe 03/2014, 06.03.2014

Studierende proben ihre Rolle als künftige ProduktentwicklerInnen

Das Studium ist die Vorbereitung für das künftige Arbeitsleben. Um einen Vorgeschmack auf die Zukunft zu bekommen, findet im Rahmen des Master-Vertiefungsmoduls «Innovation» der «Think Tank Day» statt. Studierende können dabei einer «Jury» ihre Ideen zur Produkt- und Prozessinnovation vorstellen. Der systemische Ansatz eröffnet den Studierenden so Erkenntnisse über Wirkungszusammenhänge.

Autor: Dr. Sandra Burri Dozentin/Leiterin MSc Vertiefung Food and Beverage Innovation, ILGI, Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation der ZHAW

Einmal pro Jahr findet im Rahmen des Master-Vertiefungsmoduls «Innovation» ein «Think Tank Day» statt. Die Master-Studierenden präsentieren an diesem Tag ihre (Roh-)Ideen zur Produkt- oder Prozessinnovation vor Experten und Expertinnen aus Industrie und Forschung. Anschliessend werden ihre Ideen in einer Art Postenlauf von den verschiedenen Expertinnen und Experten aus den Bereichen Technologie, Ernährung, Verpackung, Marketing, Strategie und Design im Zweiergespräch «auf Herz und Nieren geprüft» und kritisch hinterfragt. Als Abschluss des Tages präsentieren die Studierenden dem Plenum ihre Eindrücke aus den verschiedenen Gesprächen und erläutern, wie sie die Inputs in die Verfeinerung ihrer Innovationsideen integrieren werden.

Besseres Rollenverständnis. Dabei geht es nicht nur um die Innovationsidee selbst, die Studierenden sollen auch ihr Rollenverständnis eines Produktentwicklers/einer Produktentwicklerin reflektieren: Wie denken und funktionieren Menschen aus Einkauf, Verkauf, Marketing und so weiter und wie reagiere ich auf deren prioritäre Interessen und Positionen? Wie  «verkaufe» ich meine Ideen? An welche persönlichen Grenzen stosse ich bei der Suche nach Argumenten für meine Idee, wie kommuniziere ich, wie gehe ich mit Kritik an meiner Idee um und so weiter. Der systemische Ansatz, der in diesem Modul «Innovation» als didaktisches Konzept angewendet wird, eröffnet den Studierenden so Erkenntnisse über ihre Sicht der Wirkungszusammenhänge und damit neue Handlungsspielräume.

Der Weg zur Innovation. Vor Beginn des Moduls Innova­tion organisieren die Studierenden auf Anstoss des Modulleiters eine Lernreise, an der sie freiwillig teilnehmen können. In den letzten Jahren reisten die Studierenden nach London, Berlin oder Hamburg. Ziel dieser Reise ist es, aktuelle Entwicklungen in Gastronomie, Lebensmitteleinzelhandel, Fachhandel, Discountmärkten und bei Warenhäusern zu analysieren. Dementsprechend sollen die Teilnehmenden verschiedene, für den europäischen Markt richtungsweisende Formate besuchen und wesentliche Beobachtungen dokumentieren.
Zum eigentlichen Modulstart wählen die Studierenden jeweils individuell ein Innovationsfeld, welches thematisch ihrer Masterarbeit oder ihrer Berufserfahrung entspricht. Sie reflektieren ihr Suchfeld hinsichtlich Innovationsgrad, Marktpoten­zial und Entwicklungskosten ein erstes Mal.
Eine strategische Analyse des Suchfeldes folgt unter Anwendung der Sensitivitätsanalyse nach Vester. Die Analyse unterschiedlicher Anspruchs- und Wirkbeziehungen, strategischer Innovations- und Handlungsfelder sowie die Formulierung von Hypothesen zu Zusammenhängen gehören zu den nächsten Schritten bei der Ausreifung der studentischen Ideen. Ebenfalls werden für die Ideengenerierung Systemgrenzen zu weiteren potenziellen Resonanzfeldern generiert.
Im Verlaufe des Moduls erhalten die Studierenden Impulsbeiträge von verschiedenen Gastreferierenden aus Produktion, Handel, Marktforschung, Innovation (B2C, B2B), Produkt- und Prozessforschung, Controlling und Organisationsentwicklung. Diese Impulsbeiträge inspirieren und unterstützen sie bei der Ausreifung ihrer Ideen.
Ein Highlight bildet jeweils der Besuch in einem FabLab*, in dem die Studierenden Prototypen ihrer Produktideen herstellen können.
Das Modul «Innovation» bietet nach dem Think Tank Day weitere Einblicke in den Produktentwicklungsprozess. Beim Learning Journey zu immer wieder wechselnden Unternehmen können die Studierenden 1:1 den Innovationsprozess erleben und analysieren. Abschliessend dokumentieren sie alles und fassen es in einem Essay, das zur Modulabschlussnote führt, zusammen. Das Essay muss auch eine Reflexion der eigenen Vorgehensweise beinhalten, um geeignete Methoden und Werkzeuge für weiteres Handeln im zukünftigen Berufsfeld einer Produktentwicklerin/eines Produktentwicklers zu ermitteln.