Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Materialfluss und Logistik: Ausgabe 05/2014, 12.05.2014

Hochregallager trägt Expansion Rechnung

Begrenzte Kapazitäten bei der Lagerung von gekühlten und ungekühlten Fertigprodukten veranlassten das Deutsche Milchkontor zu umfangreichen Erweiterungsmassnahmen. Ein automatisiertes Hochregallager mit moderner Regalbedientechnik löste das Problem.

Autor: Martin Kümin, Marketing Coordinator

Das Deutsche Milchkontor (dmk) gehört zu den grossen Milch verarbeitenden Unternehmen des Landes. Die Produktpalette des expandierenden Unternehmens reicht von Trinkmilch oder Quark, Joghurt, Butter oder Käse über Eis und Babynahrung, Nahrungsergänzungsmittel bis hin zu Tierfutter. Marken wie zum Beispiel Milram, Ravensberger, Oldenburger oder Sanobub, aber auch nach wie vor Humana sind international bekannt. Bei der Fülle an Produkten war es nur eine Frage der Zeit, bis das expandierende Unternehmen an seine Kapazitätsgrenzen bei der Lagerung stiess. So musste das Unternehmen den Betrieb am Stammsitz Zeven vergrössern. Vor allem die Lagerinfrastruktur für Frische-, aber auch ungekühlte Produkte erforderte eine massgebliche Erweiterung.

Passgenaue Lösung.

Dieses Projekt realisierte der Intralogistiker und Generalunternehmer Swisslog, der seit mehr als 20 Jahren Partner des Milchverarbeiters ist. Der Spezialist entwickelte und implementierte eine passgenaue Lösung, deren Kern aus einem automatisiertes Hochregallager besteht. Fördertechnik für den Warenein- und -ausgang sowie diverse Transportverbindungen und Umschlüsse zwischen der Bestandsförder-technik in den vorhandenen Gebäuden und dem neuen Hochregallager komplettieren die Intralogistik. Darüber hinaus umfasst das Projekt die Anbindung und Integration einer neuen Wickelstation sowie eine neue Warenausgangsstrecke im Versandbereich. Eine besondere Herausforderung bei alldem war, das neue Lager unter maximaler Flächenauslastung in eine bestehende Baulücke zwischen dem bereits bestehenden fünfgassigen Hochregallager und dem Versandgebäude zu integrieren. Der Realisierungszeitraum für sämtliche Erweiterungsmassnahmen betrug ein Jahr.

Viergassig mit Klimatrennwand.

Der Intralogistiker baute das Hochregallager, das 69,6 m in der Länge, 20,7 m in der Breite und 32,7 m in der Höhe misst, in Silobauweise. Es ist viergassig angelegt, wobei drei Gassen dem Lagerbereich von Kühlprodukten bei plus 4 °C vorbehalten sind und eine Gasse auf den nicht gekühlten Bereich sogenannter Dauer­warenprodukte entfällt.

Die ungekühlte Gasse ist durch eine spezielle Klimawand vom Rest des Hochregallagers getrennt. Zur optimalen Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Fläche hat der Spezialist eine Regalzeile doppelt tief ausgeführt, alle anderen Regalzeilen hat er einfach tief konzipiert. Somit bietet der neue Lagerblock Platz für gut 9000 Euro- und Industriepaletten. Deren Ein- und Auslagerung führen Swisslog-Regalbediengeräte des Typs «Vectura S32» aus. Die an das Hochregallager angeschlossene Palettenfördertechnik ist auf die Ein- und Auslagerung von rund 140 Paletten pro Stunde ausgelegt.

Bereits in früher Phase der Planung und späteren Realisierung des Hochregallagers haben die Fachleute auch die besonderen Erfordernisse der Klimatechnik berücksichtigt. Heute sind fünf Kältemaschinen in den Regalbau integ­riert – mit einem Einzelgewicht von je 4 t und auf einer speziellen Bühne in einer Höhe von über 20 m untergebracht. Auch nimmt die Regalkonstruktion die mittig über den Gassen liegenden Lüftungskanäle in 30 m Höhe auf. Dafür hat das Unternehmen einen speziellen Freiraum zwischen Regal und Dach geschaffen.

Bewährte Regalbediengerätetechnik.

Die Baureihe Vectura ist die Automatisierungsvariante für Lager mit gehobenen Umschlagsanforderungen und flexibel einsetzbar: in niedrigen Lagern mit einer Mindesthöhe von 6 m ebenso wie in Hochregallagern bis zu einer Höhe von 45 m. Dieser robuste Regalbediengerätetyp ist auch für den Kühl- und Tiefkühlbereich prädestiniert. Er funktioniert sowohl bei Normaltemperaturen als auch bei bis zu –30 °C zuverlässig. Einfach- und mehrfachtiefe Anwendungen sowie Lastgewichte von bis zu 3 t in Einzel- und Doppel­mastvarianten gehören zum Standard. Diese Leistungsparameter setzen eine hohe Stabilität voraus. Dies ist nicht zuletzt durch einen niedrigen Schwerpunkt und einen sich nach oben verjüngenden Mast realisierbar – eine Konstruktion, die hohe Leistungswerte bei effizientem Energieverbrauch gestattet.

Die Regalbediengeräte sind generell mit moderner Antriebstechnik ausgestattet. Im Lager des Deutschen Milchkontors nutzen die Experten frei werdende Antriebsenergie aus den Hub- und Fahrbewegungen mittels Zwischenkreiskopplung effektiv. Darüber hinaus lässt sich überschüssige Antriebsenergie schonend (sinusförmig) in das dmk-Netz zurückspeisen. In Verbindung mit einer optimierten Achssteuerung trägt der Milchverarbeiter somit dem Thema Energieeffizienz wie auch der Schonung der Gerätemechanik Rechnung.

Steuerung und Visualisierung.

Auch die Steuerung und Visualisierung der Erweiterungsmassnahmen beim Deutschen Milchkontor gehörten zum Auftragsspektrum. So galt es, eine nahtlos funktionierende Anbindung der neuen Funktionsbereiche an das bestehende System zu gewährleisten. Das Bindeglied dazu bildet der Materialflussrechner (MFR) zu den vorhandenen Lagerverwaltungssystemen auf Basis von SAP-LES und der Steuerungsebene für die Regalbediengeräte sowie für die Fördertechnik. Die zu programmierenden Funktionen sind alle in die bestehende Software­umgebung integriert. Das vorhandene MFR-System erfährt eine Ergänzung um zusätzliche Materialflusspfade und Meldepunkte. Alle neuen Funktionalitäten lassen sich mit der bestehenden Rechnerhardware abbilden, ohne dass diese in irgendeiner Form verändert werden müsste. Analog dazu erweitern die Profis die bestehende Anlagevisualisierung auf Basis von WinCC um die neuen Förderelemente und die Regalbediengeräte. In diesem Zusammenhang erfolgte auch ein Versions-Update des Servers und der Clients.

Materialflussrechner.

Dem Materialflussrechner kommt eine zentrale, übergeordnete Bedeutung zu. Er übernimmt die Steuerung und Überwachung der fördertechnischen Funktionselemente, der Maschinen sowie der Gesamtfunktion der Anlage. Auch die unterlagerten SPS-Steuerungen der Fördertechnik und der Regalbediengeräte sind dem MFR zugeordnet. Ein TCP/IP-Netzwerk (Ethernet) stellt den Informationsfluss zwischen den diversen Steuerungen und dem Mate­rialflussrechner sicher. Die integrale Prozesslenkung und Bedienung der Transportanlagen ist mit einem einheitlichen Datenverkehr über alle Systeme gewährleistet.


Weitere Informationen:
Swisslog AG, www.swisslog.com