Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Identtechnik: Ausgabe 05/2014, 05.05.2014

Kennzeichnungstechnik für Lebensmittel

Der Konsumentenschutz verlangt korrekt gekennzeichnete Lebensmittel. Für die Etikettierung von verpackten und unverpackten Produkten stehen verschiedene Techniken zur Verfügung, die auf die jeweiligen Anforderungen angepasst sind.

Vor der Entwicklung des Lebensmittelrechts zu einem bestimmenden Teil der europäischen Gesetzgebung war die Lebensmittelkennzeichnung – überhaupt die Warenkennzeichnung – Teil des Kaufrechts mit drei klar abgrenzten Funk­tionen: Einmal war es die Funk­tion, den Verbraucher über die Warenart zu unterrichten, zum anderen über die angebotene Menge, meist in Gewichtseinheiten, seltener in Hohlmassen. Zum Dritten hatte die Kennzeichnung den Zweck, über die Preise der angebotenen Warenart und -menge verbindliche Auskunft zu geben. In Konfliktfällen waren Lösungen über die kaufrechtlichen Regeln der Zivilgesetzgebung zu suchen.
Rechtsgrundlage. Ausgelöst durch die europaweite BSE-Rindfleischkrise, hat sich dies mit der Entfaltung der europäischen Rechtsgebung zur Lebensmittelsicherheit umfassend geändert. Die Kennzeichnung von Lebensmitteln ist zu einem zentralen Mittel der Gesetzgebung zur Garantie der Lebensmittelsicherheit geworden. Die Kennzeichnung und ihr sicht- und lesbarer Ausdruck, das Etikett, sind das wichtigste Mittel zur Anwendung verbindlicher Normen zur Lebensmittelsicherheit und -rückverfolgbarkeit geworden. Diese reicht von der Garantie der hygienischen und gesundheitlichen Unbedenklichkeit bis zur Beweissicherung in Gefahrensituationen, wie die EHEC-Kalamität gezeigt hat.
Darüber hinaus ist sie eines der wichtigsten Instrumente der Verbraucherinformation. Das Lebensmittelkennzeichnungsrecht ist auf der EU-Ebene weitgehend harmonisiert. Auch die Staaten in Europa, die nicht Mitglieder der EU sind – vor allem Island, Norwegen und die Schweiz – haben ihr Recht der Lebensmittelkennzeichnung angeglichen, soweit sie nicht schon vorher – wie besonders die Schweiz – bereits selbst weiter gehende Regelungen geschaffen hatten.
Grundkennzeichnung. Die Regelungen enthalten eine Grundkennzeichnung, wie Verkehrsbezeichnung, Angabe des Herstellers, Verpackers oder Verkäufers, Zutatenverzeichnis, Haltbarkeitsdatum, Füllmenge sowie unter bestimmten Voraussetzungen die Menge einzelner Zutaten. Ausnahmen gelten für den Verkauf loser Ware. Neben der vorgeschriebenen Grundkennzeichnung bestehen in weiteren Rechtsgebieten zahlreiche obligatorische spezielle Kennzeichnungsregelungen, namentlich für Milcherzeugnisse, Eier, Fleisch und Fleischerzeugnisse.
Im Zusammenhang mit dem weltweiten Auftreten von BSE haben Experten als erstes europaweit ein Etikettierungssystem für Rindfleisch geschaffen. Seit 2000 besteht in allen Mitglieds­staaten der EU die Verpflichtung zur Rind­fleischetikettierung mit dem Ziel, die Herkunft des Rindfleisches transparent zu machen. Diese hat auch die Schweiz übernommen, soweit sie nicht bereits bestanden. Für die «europäische Bewährungsprobe» schlechthin, das Rindfleisch, sind unter anderem folgende obligatorischen Angaben zwingend:
Referenznummer (gewährleistet die Verbindung zwischen Fleisch und Tier)
Zulassungsnummer des Schlachthofs, Staat, in dem der Schlachthof liegt
Zulassungsnummer des Zerlegebetriebes, Staat, in dem Zerlegebetrieb liegt
Geburtsstaat, Aufzucht- und Maststaat, gegebenenfalls Herkunftsstaat
Werden über diese obligatorischen Angaben hinausgehende freiwillige Angaben (zum Beispiel zur regionalen Herkunft oder zu den Bedingungen der Erzeugung des Fleisches) gegeben, setzt dies eine Genehmigung der nationalen Lebensmittelbehörden voraus. Ein zweiter repräsentativer Fall ist die Eierkennzeichnung. Diese ist einheitlich geregelt. Durch die Funktionen erhalten die Etikettierungen den Charakter öffentlicher Urkunden.
Umsetzung in die Praxis. Betriebe, die Legehennen halten, müssen sich registrieren lassen und erhalten für jeden Stall eine Nummer. Diese ist zusammen mit weiteren Angaben direkt im Stall oder spätestens an der ersten Packstelle auf das Ei zu printen. Jedes Mitglied eines genehmigten Etikettierungssystems muss sich die Funktionsfähigkeit der eigenen Etikettierung und Rückverfolgbarkeit durch eine neutrale Zertifizierungsorganisation bestätigen lassen. Alle neutralen Kontrollstellen müssen eine Anerkennung der Lebensmittelbehörden vorweisen können. Vergleichbare Regelungen gibt es für Futtermittel und den Handel mit frischem Obst, Gemüse und Speisekartoffeln in den Stufen Produk­tion und Fruchthandel.

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