Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Verfahrenstechnik: Ausgabe 05/2014, 05.05.2014

Umweltgedanken profitabel umsetzen

Die Lebensmittelindustrie gehört zu den Branchen, die viel Energie für thermische Prozesse benötigen. In diesem Zusammenhang spielt auch der Carbon Footprint eine wichtige Rolle. Ein innovatives Pasteurisationsverfahren kann hier hilfreich sein.

Die Schonung der Umwelt durch Energieeinsparung und Reduzierung des Carbon Footprints ist für viele Unternehmen zu einem wichtigen Anliegen geworden. Und das nicht nur, weil es sich so schön für Marketingzwecke nutzen lässt, sondern eine echte Forderung der Konsumenten ist. Zudem haben sich viele Lebensmittelproduzenten den Umweltschutz förmlich auf die Fahne geschrieben beziehungsweise in ihre Firmenstrategie aufgenommen, was sie auch zum Umweltschutz verpflichtet. Doch wie lässt sich Energieeinsparung mit Lebensmittelsicherheit kombinieren? Sind es nicht gerade die thermischen Prozesse, die für die Sicherheit sorgen, aber gleichzeitig viel Energie verbrauchen? Tetra Pak hat nun ein Saft-Pasteuri­sationsverfahren entwickelt, das bis zu 20 Prozent Energie einspart, ohne jedoch das Produkt negativ zu beeinflussen.
Energiesparendes Pasteurisierungsverfahren. Die Idee für dieses Verfahren hatte zwei Gründe, wie Björn Hutmacher, Verkaufsingenieur bei Tetra Pak erklärt: «Wir wollten zum einen den Carbon Footprint reduzieren und zum anderen die Produktionskosten für die Betreiber senken. So haben wir uns bemüht, bei der Energienutzung eine höhere Effi­zienz zu erzielen. Unsere Grundidee war daher, die Induzierung des Wärmeeintrags durch eine verminderte Pasteurisationstemperatur zu erreichen.» Damit dies gelang, war eine turbulente Strömung im Produkt nötig, die für einen besseren Wärmeübergang im Wärmetauscher sorgt. Über einen Zeitraum von rund eineinhalb Jahren hatten die Spe­zialisten verschiedene Tests durchgeführt und festgestellt, dass sie bei einer Reduzierung der Pasteurisationstemperatur um 15 auf 80 °C und einer Heisshaltezeit von 15 Sekunden die gleich guten Ergebnisse erzielen wie bei einer üblichen Pasteurisationstemperatur von 95 °C und derselben Heisshaltezeit. Bei einer theoretischen Anlagenleistung von 22 000  l pro Stunde ergibt das eine Reduktion des CO2-Fussabdrucks um rund 1,3 kg pro 1000 Liter.
Nötige Voraussetzungen. Obstsäfte wie beispielsweise Orangensaft werden zweimal pasteurisiert. Das erste Mal nach der Ernte beziehungsweise nach dem Pressen. Diese Pasteurisation bei 95 °C sorgt zum einen für die Enzymdeaktivierung und zum anderen für die notwendige erste Keimreduktion. Doch vor der Abfüllung ist eine zweite Pasteurisation nötig, um Mikro­organismen, die sich eventuell während des Transports und der Lagerung gebildet haben,
abzutöten. Unser Verfahren setzt bei der zweiten Pasteurisation ein», erklärt der Spezialist.
Eine Grundvoraussetzung zur Senkung der Temperatur ist der pH-Wert der Säfte, der für das Pasteurisa­tions­verfahren bei 4,2 und tiefer liegen muss. Denn Bakterien, die bei einem pH-Wert von 4,2 wachsen, sind oft schon bei 72 °C abgetötet. So eignen sich beispielsweise Säfte aus Äpfeln, roten und schwarzen Johannisbeeren, Sauerkirschen, Himbeeren, Ananas, Grapefruits, Aprikosen, Pfirsichen oder Süsskirschen für das Tetra-Pak-Verfahren. Bei Produkten – wie zum Beispiel Gemüsesäften –,
die einen pH-Wert über 4,2 aufweisen, ist die Methode jedoch nicht geeignet, da diese oft Sporenbildner enthalten. Um diese abzutöten, sind Temperaturen von 138 °C notwendig, um die Produktsicherheit zu gewährleisten.

» Lesen Sie mehr darüber in der aktuellen Ausgabe LT 5/14



Die Tetra-Term-Aseptic-Drink-Anlage ist für die Pasteuri­sation von Fruchtsäften aller Art ausgerichtet

Der Röhrenwärmetauscher ist das Herzstück der Anlage. Die modulare Bauweise erlaubt eine individuelle Anpassung