Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
SPS-Erneuerung: Ausgabe 07-08/2014, 11.08.2014

Ein gelungenes Retrofitprojekt

Was heute modern ist und dem Stand der Technik entspricht, kann morgen bereits veraltet sein. Doch Betriebe müssen bestehende Anlagen nicht komplett erneuern. Mit dem Austausch einzelner Komponenten sind Anlagen schnell wieder up to date.

Produktionsanlagen sind immer nur so gut wie die eingesetzte Technik. Was vor zehn Jahren modern und aktuell war, ist heutzutage «ein alter Hut» und kann oftmals nicht mehr Schritt halten. Die Folge sind unerwünschte Produktionsausfälle sowie zeit- und arbeitsintensive Reparaturen. Zudem stellt veraltete Technik oftmals auch ein Sicherheitsrisiko dar. Um weiterhin erfolgreich am Markt tätig zu sein, müssen Unternehmen aber nicht gleich in eine neue Anlage investieren. Mit dem Austausch von technischen Komponenten lässt sich eine Anlage wieder auf den aktuellen Stand bringen.

Mit Retrofit zur besseren Verfügbarkeit.

Die SPS-Erneuerung bei Borer Chemie, einem Unternehmen, das auf den Gebieten der Reinigung und der Desinfektion arbeitet, war die Aufgabe der Automatisierungsexperten von Elpex. Für die Herstellung von Reini­gungslösungen konnte das alte Leitsystem, das für den Mischer, die Alko­holanlage, Neutralisation und TKP-Produktion verantwortlich war, den mit den Jahren gestiegenen Anforderungen nicht mehr ganz mithalten. Zudem sorgte die Steuerung durch die Einbettung in eine IT-Welt dafür, dass die Verfügbarkeit nicht so hoch war, wie es das Unternehmen wünscht. Darüber hinaus waren eingesetzte Steuerungskomponenten nicht mehr verfügbar, sodass die Fachleute die Batch-Anlage mit einer neuen Steuerung ausrüsteten. «Das vorhergehende System war beispielsweise nicht in der Lage, einen Batch komplett abzuarbeiten, sondern die Anlage musste für jeden Arbeitsschritt einen neuen Befehl an die Steuerung schicken. Jetzt übergibt die Anlage den Batch und die SPS arbeitet alles selbstständig ab. Selbst wenn das System vorübergehend nicht verfügbar sein sollte, läuft die Batch-Verarbeitung ab», erklärt Michael Wymann, Leiter Software bei Elpex.

Erfolgreiche Umsetzung.

Zum Lösen des Problems ersetzten die Fachleute die SPS durch drei neue Steuerungen. So erhielten der Mischer, die TKP-Misch­anlage und die Alkoholanlage je eine eigene Steuerung. Zudem entkoppelten sie verschiedene Prozesse voneinander, sodass gewisse Produktionsteile unabhängig sind und sich nicht mehr gegenseitig blockieren. Damit können die Spezialisten garantieren, dass die komplette Anlage dennoch arbeitet, selbst wenn andere Prozessschritte ausfallen sollten. «Bei diesem Projekt mussten wir nicht nur die SPS erneuern, sondern auch Schnittstellen definieren, da noch andere Partner im Boot waren. Wir kümmerten uns um die komplette Industriesteuerung, während die Firma b+i automation das PPS (Proficy Process Systems) und das Unternehmen Incodev das übergeordnete ERP-System betreuten», so Wymann. Die Elpex-Experten für Automation von Maschinensteuerungen und Produktionsabläufen definierten zusammen mit dem Kunden nicht nur Schnittstellen, sondern analysierten die Anforderungen und Prozesse, stellten ein Pflichtenheft zusammen, erarbeiteten Lösungskonzepte, planten Kontrollmechanismen ein und überwachten die Implementierung.

Dadurch erreichten die Profis einen kontinuierlichen Ablauf, die Abarbeitung des kompletten Batchs und verhinderten die gegenseitige Blockierung verschiedener Prozesse.

Verbesserung der Prozesse.

Mit der neuen Steuerung war das Projekt aber nicht abgeschlossen. Der Spezialist für Reinigung und Desinfektion brauchte auch eine Prozessverbesserung. So gibt es bei den Reinigungsmitteln Mischungen, die eine Handzugabe erforderlich machen. «Wenn Menschen im Spiel sind, kann es zu Fehlern kommen. Um das zu verhindern, haben wir beispielsweise für die Handzugaben Kontrollmechanismen implementiert. So müssen Mitarbeiter jetzt den Code der Reinigungskomponenten einscannen, die manuell dazukommen. Das System weiss damit, welche Mengen nötig sind und ob es sich um die richtigen Komponenten handelt. So lässt sich auch die richtige Reihenfolge sicherstellen. Damit haben die Fachleute nicht nur Prozesse verbessert, sondern auch die Produktsicherheit erhöht, was ein wesentliches Thema bei der Herstellung von Reinigungs- und Desinfektions­mitteln ist. Zudem sorgt ein Durchflussmesser für das richtige Abwiegen und Dosieren auch von kleinen Mengen.

Gewinn durch Investition.

Obwohl sich im ersten Ansatz kein Geld mit der Modernisierung verdienen lässt, gewinnt Borer trotzdem. Das Unternehmen kann jetzt mehr produzieren, da sich Prozessschritte nicht mehr gegenseitig blockieren können, und hat die Sicherheit, dass die Anlage permanent verfügbar ist.


Weitere Informationen:
Elpex AG



Die Mischanlage kann mit der neuen Steuerung unabhängig von anderen Prozessen arbeiten