Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Weiterbildung: Ausgabe 07-08/2014, 11.08.2014

Führung will gelernt sein

Der Sprung in der Karriere bedeutet meist, mehr Aufgaben auch in der Führung. Doch nicht jeder ist die geborene Führungskraft. Weiterbildungskurse können dafür sorgen, dass es trotzdem klappt.

Gut ausgebildete junge Menschen müssen oft schon am Anfang ihrer Karriere die ersten Führungsaufgaben übernehmen. Als Projekt- oder Teamleiter sind sie für eine überschaubare Anzahl an Mitarbeitern verantwortlich und sehen sich der Herausforderung gegenüber, auch das Projekt und damit ihre Aufgabe zum Erfolg zu führen. Ihre fachlichen Qualifikationen sind dabei nicht das Wesentliche, worauf es ankommt. Vielmehr müssen sie koordinieren, delegieren, ermuntern, auffordern oder auch mal Kritik üben. Was sich so einfach anhört, kann in der Praxis schnell zum Problem werden, denn Führung will gelernt sein.

Der blinde Fleck.

Doch genau das ist der blinde Fleck, den Ausbildungsstätten wie Fachschulen, Hochschulen oder Universitäten nicht beseitigen können. Ihre primäre Aufgabe besteht in der Vermittlung von Fachwissen und dem Weitergeben des «Handwerkszeugs». Führungsfähigkeiten zu entwickeln ist im Lehrplan dabei nicht umsetzbar. Ansätze wie Projekt- und Teamarbeit sind Schritte auf dem richtigen Weg, doch genügen diese nicht, um für den Ernstfall gerüstet zu sein.

Oft müssen angehende Führungskräfte in der Praxis diesen blinden Fleck gemäss dem Motto «learning by doing» beseitigen. Doch «blutige Nasen» und Blamagen lassen sich durch Weiterbildungskurse vermeiden. In kurzer Zeit erhalten Teilnehmende das nötige Handwerkszeug und können im geschützten Rahmen ihre ersten Schritte zur erfolgreichen Führungskraft machen.

Hauptfehlerquellen.

Jürg Kuster, Geschäftsleiter von BWI Management Weiterbildung, stellte im Laufe der letzten Jahre immer wieder fest, dass der Druck auf die Mitarbeiter deutlich zugenommen hat. In diesem Zusammenhang bekommt die Achtsamkeit in der Führung neue Dimensionen. Führungskräfte müssen wieder mehr verstehen können, ob Mitarbeitende überhaupt in der Lage sind, ihre Aufgaben zu erfüllen – und das nicht allein auf die fachlichen Qualifika­tionen bezogen, sondern vor allem auf die Kapazität. «Zu den zentralen Schwächen vieler Unternehmen, die wir in den vergangenen Jahren betreuten, gehört die Fehleinschätzung der Ressourcen. Oftmals ist die Beurteilung der Vorgesetzten sehr optimistisch und geht vielfach in die Richtung ‹das schaffen wir schon noch› oder ‹die Mitarbeiter sind nicht immer ausgelastet›. Sie machen sich keine Gedanken, was das für die Kapazität der Mitarbeitenden bedeutet. Doch eine überlastete Fachkraft hilft dem Team auf längere Sicht überhaupt nichts», erklärt der Geschäftsleiter.

Dann spielt auch das potenzielle Misstrauen gegenüber den Mitarbeitern eine grosse Rolle. «Früher war der Chef auch der beste Fachspezialist beziehungsweise der beste Spezialist bekam den Chefposten. Das ist auch als Peter-Prinzip bekannt und hat damit zu tun, dass Vorgesetzte nicht genügend loslassen können und ihren Mitarbeitern nicht vertrauen, dass sie ihren Job fachlich gut machen. Ich kenne viele Vorgesetzte in Schweizer Unternehmen, die immer noch sehr genau kontrollieren, ob ihr Team auch alles richtig macht. Der Kontrolldrang oder -wunsch ist noch sehr ausgeprägt vorhanden», erklärt der Fachmann. Doch diese Einstellung kann fatal sein. Permanente Kontrolle drückt deutlich das Miss­trauen der vorgesetzten Person aus und kann dazu führen, dass fachlich gut qualifizierte Personen nicht die Verantwortung für ihre Aufgaben übernehmen. Vertrauensvorschuss hin­gegen kann eine positive Spirale in Gang setzen, indem Mitarbeitende beweisen wollen, dass das Vertrauen gerechtfertigt ist.

Das 1x1 des Führens.

So gehört die Vermittlung des Vertrauens und das Übergeben von Verantwortung bereits in die Grundlagen der Führungsseminare. «Gerade bei wenig erfahrenen Führungskräften müssen wir aufzeigen, was die Kontrolle für ein Dilemma ist. Die Frage nach dem Mass der Kontrolle und dem Risiko, das mit der Weitergabe der Verantwortung verbunden ist, wollen wir sehr früh aufzeigen und beenden. Denn es ist immer besser, wenn sich die Mitarbeiter durch Vertrauen entwickeln können. Die Führungskräfte sollen situativ und individuell dem Individuum gerecht werden. Vorgesetzte sollen nicht ständig durch Kontrolle Misstrauen ausdrücken», warnt der Experte.

Damit die angehenden Vorgesetzten ihrer Aufgabe gerecht werden können, sind die BWI-Seminare auf zwei Pfeilern aufgebaut. Zum einen geht es um das Erlernen und Anwenden der Instrumenta­rien, was unter dem Begriff Management zusammengefasst ist. Die Teilnehmenden sollen wissen, welche Techniken es gibt und wie sie diese in verschiedenen Situationen anwenden.

Zum anderen nimmt die Achtsamkeit eine wichtige Rolle ein, denn die ist nötig, um die Kommunikation innerhalb des Teams zu erkennen, Konfliktpotenziale zu identifizieren und die Dynamik der Gruppe richtig einzuschätzen.

Damit die angehenden Führungskräfte für die Praxis vorbereitet sind, vermitteln die Spezialisten nur so viel Theorie wie nötig. Der Schwerpunkt liegt auf der praktischen Umsetzung des Gelernten, wie Kuster betont: «Unsere Seminare bieten einen geschützten Rahmen, um Führungsaufgaben wie beispielsweise Delegations- oder Kritikgespräche, Zielvereinbarungen und weitere Herausforderungen üben zu können. Dabei ist es wichtig für die Teilnehmenden zu erkennen, wie ihr Stil wirkt. Sie erhalten nicht nur vom Trainingscoach, sondern auch von anderen Teilnehmenden ein Feedback und wissen, welches Optimierungspotenzial noch vorhanden ist. Am Ende des Tages bekommt jeder noch ein weiteres Instrument an die Hand. Wir nennen das das Lern-Tagebuch. Jeder Teilnehmer trägt darin seine eigene Reflektion ein und kann sehen, was für ihn persönlich das Wichtigste war. Häufig sind das die Erkenntnisse aus den Praxisübungen.» Auf diese Weise machen die zukünftigen Chefs ihre Erfahrungen im geschützten Raum und nicht im harten Alltag, in dem ihre Fehler durchaus negative Konsequenzen haben können.

Veränderung der Persönlichkeitselemente.

Die gelernten Mechanismen können aber nur dann zum Erfolg führen, wenn auch die Bereitschaft zur Annahme und Änderung vorhanden ist. «Psychologisch betrachtet ist die Veränderung einer Person umso wahrscheinlicher, je grösser deren Einsicht ist. Veränderung gegen den Willen ist schlichtweg nicht möglich. Doch das Aufzeigen der Vorteile eines bestimmten Verhaltens in den entsprechenden Situationen kann auch leichter zur Änderung der Persönlichkeitselemente führen», wie der Coach aus Erfahrung weiss. Über die Dauer des Seminars bekommen die Teilnehmenden nicht nur das «Gewusst-wie» mit, sondern gewinnen auch spürbar Sicherheit in ihrer Führung.

Neben den Grundlagen gibt es auch modular aufgebaute Seminare, die sich an den jeweiligen Aufgabenschwerpunkten orientieren. «Müssen beispielsweise Führungskräfte häufig verhandeln, dann können wir auch entsprechende Techniken vermitteln», so der Geschäftsleiter. Je nach Bedarf lassen sich die nötigen Module zusammenstellen.

Besonderer Tipp.

Ob nun angehende Führungskraft oder «alter Hase», eines sollten alle immer wieder berücksichtigen. Auch hier spricht der Coach die Achtsamkeit an. «Wir merken, dass viele Personen in der Führung die Fähigkeit verlieren, auf sich selbst zu achten. Doch wer sich selbst gegenüber nicht achtsam ist, kann es auch gegenüber seinen Mitarbeitern nicht sein. Gute Führung kann nur stattfinden, wenn wir wieder davon wegkommen, alles möglich zu machen, was gar nicht mehr machbar und leistbar ist. Die ständige Überreizung der Kapazität ist nicht wertschätzend, sondern verheizend.»

Es ist wichtig zu erkennen, wie der eigene Führungsstil auf andere wirkt


Weitere Informationen:
Management Weiterbidlung BWI AG



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