Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Anlagen- und Apparatebau: Ausgabe 09/2014, 08.09.2014

Schmierstoffe bieten grosses Einsparpotenzial

Quietschende, knarzende, ruppig laufende Maschinen und Anlagen sind nicht nur eine Lärmbelästigung für Mitarbeiter, sie können auch zu einer Kostenfalle werden. Der passende Schmierstoff an der richtigen Stelle spart nicht nur Geld.

Anlagen zur Herstellung von Lebensmitteln und Getränken sind aus vielen verschiedenen Komponenten zusammengesetzt. Zahnräder, Getriebe, Förderbänder, Führungen und hydraulische Aggregate übernehmen die Transportfunktion und bringen Bewegung in die Produktion. Damit es buchstäblich wie geschmiert läuft, müssen Maschinenführer und Mitarbeiter mechanische Anlagenteile sorgsam pflegen und schmieren. Doch in der Lebensmittelproduktion dürfen nur bestimmte Schmierstoffe zum Einsatz kommen, um eine Kontamination und Verunreinigung von Getränken und Lebensmitteln zu vermeiden.

H1-Schmierstoffe.

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat eine Positivliste von Grundölen und Additiven zusammengestellt, die in geringen Konzentrationen gelegentlich ungewollten Kontakt mit Lebensmitteln haben dürfen. Die US-amerikanische Organisation NSF (National Science Foundation) prüft die Lebensmittelverträglichkeit der Schmierstoffe. Analog dazu gibt es auch in Europa Anforderungen an die Lebensmittelverträglichkeit von Schmiermitteln. Regelwerke wie der International Food Standard fordern lebensmittelverträgliche Schmierstoffe, die Auditoren regelmässig prüfen. Das Ergebnis sind H1-Schmierstoffe, die Unternehmen dort einsetzen, wo es zu gelegentlichem – technisch nicht vermeidbarem – Kontakt mit Lebensmitteln kommen kann. Diese H1-Schmiermittel können Fette, Öle und Sprayprodukte sein.

Für jede Anwendung das passende Produkt.

Doch nicht jedes Schmiermittel ist für jede Anwendung geeignet. Ob ein Fett oder Öl zum Einsatz kommt, hängt davon ab, ob es sich um eine offene oder geschlossene Schmierstelle handelt, wie Max Aerni, Aussendienstmitarbeiter bei Blaser Swisslube, erklärt: «In einem geschlossenen System wie zum Beispiel einem hydraulischen Aggregat, einem Getriebe oder einer Umlaufschmierung sind Öle im Einsatz. Schmierfette kommen bei offenen Schmierstellen wie zum Beispiel Kugellagern, offenen Zahnradgetrieben, Gleitlagern, Führungen und ähnlichem zum Einsatz. Schmierfette bestehen aus einem Verdicker, Additiven und Öl. Das Öl kann einen Anteil von bis zu 90 Prozent ausmachen.»

Sprayprodukte sind laut dem Fachmann einfach in der Anwendung und kommen oft im Notfall zum Einsatz, wenn beispielsweise eine Kette oder Führung während des laufenden Betriebs zu quietschen oder knarren beginnt: «Mit dem Spray können Mitarbeiter an der Linie sofort eingreifen und ein Trockenlaufen der betroffenen Schmierstelle verhindern. Je nach Anwendung und Anforderung gibt es unterschiedliche Sprayprodukte.»

Vorteil Maschinenschutz.

Doch Schmierstoffe haben mehr Aufgaben, als unangenehme Geräusche zu vermeiden. Sie dienen als Schutz bewegter Maschinenteile. Bei jeder Bewegung zweier sich berührender Maschinenkomponenten oder Schleifkörper entsteht durch die Reibung Wärme. Diese Wärme begünstig die Ausdehnung des Materials oder eine massgebliche Veränderung. «Anfangs entstehen Kratzer, dann Riefen. Einerseits kommt es zum Metallabrieb, der zu einem erhöhten Spiel zwischen den Teilen führt. Andererseits kann die Reibung zu einer Kaltverschweissung führen. Letztlich ist der Schaden unumgänglich und schlägt mit hohen Folgekosten zu Buche. Mit Schmierstoffen bringen wir ein Element ins Spiel, das die Aufgabe besitzt, einen Schmierfilm zwischen die beiden Teile zu bringen und die anfallende Reibungswärme abzuführen. Der bewusst erzeugte Schmierfilm presst sich zwischen die Komponenten und vermindert die Reibung der beiden Schleif­körper nachhaltig», wie der Experte weiss.

Vorteil Kosteneinsparung.

Der Maschinenschutz und die eingesparten Reparaturkosten sind nur ein Aspekt. Zu den Kostenfaktoren zählen aber noch andere Punkte wie zum Beispiel ungeplante Maschinenstillstände. Jede ungenutzte Minute kostet Geld, da die Anlage weniger produzieren kann. Bei längeren Standzeiten kann es sogar zum Verzug bei der Warenauslieferung kommen und damit auch Sonderschichten nötig machen. In Wiederholungsfällen könnte auch der Verlust eines Kunden drohen. Doch mit der richtigen und regelmäs­sigen Schmiertätigkeit lassen sich die Wartungskosten niedrig halten, die Verfügbarkeit der Maschinen erhöhen und der Produktausstoss steigern.

Gewusst wie.

Die Häufigkeit der Schmiertätigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Spezialist weiss: «Bei Schmiertätigkeiten müssen Unternehmen eines beachten: Wasser und Schmierprodukte sind keine Freunde. Eine gründliche Reinigung ist jedoch besonders in der Lebensmittel- und Getränkebranche sehr wichtig. Daher sind diese Anlagen und Maschinen mindestens einmal am Tag einer gründlichen Reinigung ausgesetzt. Wasser und Reinigungsmittel müssen ‹porentief› alle Schmutzreste entfernen. Aber damit beseitigen sie auch die Schmiermittel. Grundsätzlich sollte das Linienpersonal so reinigen, dass es möglichst wenig Schaden an der Maschine anrichtet. Doch im Zuge einer gründlichen Reinigung dringen Schaum und Hochdruck in jede Ritze. Darum ist Nachschmieren und -fetten sehr wichtig.» Damit die Schmiermittel auch an die richtigen Orte gelangen, haben Schmierstellen in der Regel eine Leitung. Eine Fettpresse transportiert das Schmierprodukt dann dorthin, wo es nötig ist.

Bei geschlossenen Schmierstellen ist die Reinigung meist kein Problem, da die Abdichtung Wasser und Reinigungsmittel nicht eindringen lässt. So müssen Mitarbeiter nur von Zeit zu Zeit das Schmiermittel wechseln.

Ölwechsel.

Für den Austausch geben Maschinenhersteller Anweisungen, nach welcher Laufzeit das Schmieröl zu ersetzen ist. Doch so ein Ölwechsel ist mit Kosten verbunden. Besonders die H1-Schmierstoffe haben ihren Preis, sodass eine Analyse der Schmierstoffe eine kostensparende Alternative ist, wie der Fachmann erklärt: «Die Vorgaben der Maschinenhersteller geben einen Rahmen für den Ölwechsel vor. Zudem beachten wir die tatsächliche Einsatzdauer des Öls und die Umgebungsbedingungen, in denen die Anlage steht. So ist oftmals das Öl auch nach dem vorgegebenen Zeitrahmen des Maschinenherstellers noch völlig in Ordnung, sodass ein Wechsel ökologischer Unsinn wäre.» Um den tatsächlichen Zustand des Schmieröls zu erkennen, nehmen die Experten daher bei ihren Kunden Proben und lassen diese im hauseigenen Labor untersuchen. Sind die Grenzwerte in Ordnung, darf das Öl weiter im Einsatz bleiben. Gibt es Abweichungen, dann zeigen weitere Untersuchungen, ob der Kunde das Öl wechseln muss oder sich beispielsweise Metalle oder Abrieb darin befinden. Sind nur Verschmutzungen enthalten, lassen sich diese Verunreinigungen auch filtrieren und das Öl weiter nutzen. So bietet die Analyse ein grosses Einsparpotenzial.

Kleine Ursache – grosse Wirkung.

So unscheinbar Schmiermittel wie Fette, Öle und Sprays im ersten Moment auch erscheinen mögen, eine so grosse Wirkung können sie haben – und das im positiven wie negativen Sinn. Unterschätzen Unternehmen die Wirkung von Schmiermitteln, kann es sie teuer zu stehen kommen. Setzen sie die Schmierstoffe jedoch regelmässig und umsichtig ein, können sie neben der Kosteneinsparung auch Schäden vermeiden und die Produktivität erhöhen.


Weitere Informationen:
Blaser Swisslube AG