Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
12.12.2014

Erfolgreiches LT-Seminar

Am 5. Dezember 2014 fand das LT-Seminar «Qualitätssicherung – ein Fall für alle» statt. Namhafte Referenten aus der Wirtschaft und dem Bundesamt befassten sich eingehend mit dem komplexen Thema und zeigten die verschiedenen Seiten der Qualitätssicherung. Die teils lebhaften Diskussionen am Ende der jeweiligen Referate zeigte das grosse Interesse der Teilnehmenden an dieser Thematik.

Andres Dörr, Leiter Qualitätssicherung Beschaffung Food bei Coop, ging in seinem Referat auf das risikobasierte Qualitätsmanagement in der Lieferkette ein. Er zeigte eindrücklich welche Anforderungen ein Detailhändler erfüllen muss und wie diese Anforderungen durch moderne Medien, Globalisierung, Interessensgruppen, innovative Produkte und sich verbessernde Analysemethoden ständig steigen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden und die Sicherung der Qualität trotz komplexer Ausgangslage zu gewährleisten, sieht der Experte verschiedene Lösungsansätze. So sind Zertifizierungssysteme wie IFS, Compliance von Rohwaren und (Primär-)produkten, Beschränkung der Handelsstufen/Prozessstufen, Datenbasierte Rückverfolgbarkeitssysteme, Integritätsprüfungen (Analytik/Warenfluss/Inspektion) oder Marker und Codierungen praktikable Massnahmen.

Karin Hulliger vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) griff die gesetzlichen Grundlagen der Selbstkontrolle auf und erklärte, dass diese nicht nur Pflicht sind, sondern auch Nutzen bringen. Doch wie sieht für einen Produzenten eine funktionierende Selbstkontrolle aus? So geben gesetzliche Verpflichtungen zur Selbstkontrolle wie die gute Hygiene Praxis und Herstellungspraxis als auch ein HACCP und die Rückverfolgbarkeit den Rahmen vor. Der Nachweis der Selbstkontrolle durch Dokumentationen und Analysen erleichtert die Beweisführung im Falle eines Falles. Amtliche Kontrollen zur Überprüfung der Einhaltung des Lebensmittelrechts (risikobasierte Stichproben), Kontrolle der Selbstkontrolle und Massnahmen bei festgestellten Abweichungen vervollständigen Rahmensetzung. Die Mikrobiologien gab Einblicke in die gesetzlichen Vorgaben, die auch auf der Homepage (www.blv.admin.ch) des BLV abrufbar sind. Sie erklärte auch die Elemente der Selbstkontrolle zu denen die Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung und die Hygieneverordnung des EDI (HyV, SR 817.024.1) gehören. Die Expertin zeigt auch die Neuheiten auf, die im Zusammenhang mit der Selbstkontrolle stehen: So legt die neue Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV) die Anforderungen an die Selbstkontrolle übersichtlicher fest. Zudem wird es eine bessere Übereinstimmung der Vorgaben an die Selbstkontrolle mit den Vorgaben an die amtlichen Kontrollen geben. Auch sind die Anforderungen an den Rückruf detaillierter beschrieben. Des Weiteren ist die Selbstkontrolle für Kleinstbetriebe vereinfacht. Am Ende der Präsentation war für alle Teilnehmenden klar: Wer über ein gut funktionierendes Selbstkontrollkonzept verfügt kennt die gesetzlichen Anforderungen, kennt seinen Betrieb, beherrscht seine Prozesse, ist gerüstet bei Abweichungen, ist gewappnet für die Kontrolle und ist damit auf der sicheren Seite.

Thomas Schaub, Auditor für Lebensmittelsicherheit- und Qualitätsmanagement bei ProCert betrachtete die Qualitätsprobleme in der Lebensmittelindustrie aus der Sicht einer Zertifizierungsstelle. Dabei ging er zunächst auf die Gründe ein, warum ein Unternehmen eine Zertifizierung anstrebt. Neben den Gründen von aussen, wie etwa erfüllen von Kundenforderungen und belegen der Leistungsfähigkeit gibt es firmeninterne Gründe, die zu einer Zertifizierung führen. So etwa der Wunsch zur Verbesserung der Abläufe, erhöhte Wettbewerbsfähigkeit, bessere Marktchancen, steigende Kundenzufriedenheit, Reduzierung der Kosten und verbesserte Prozessleistung. Der Auditor ging in seinem Vortrag auch auf die Vor- und Nachteile einer Zertifizierung ein. Für den Fachmann zählen der Vergleich beziehungsweise das Benchmarking, der Vorteil gegenüber Mitbewerbern, die erzeugte Transparenz und die Verwendung von Standard-Logos zu den Vorteilen. Den Vergleich mit Mitbewerbern, den Zeitaufwand und die Auditkosten sieht der Fachmann jedoch nachteilig. Die Gründe für Qualitätsprobleme legen es Unternehmen jedoch nahe, sich zertifizieren zu lassen. Die Erfahrung des Fachmanns zeigte, dass Qualitätsprobleme vielfältige Ursachen haben. So zum Beispiel das «blinde Vertrauen» in Geschäftspartner, das fehlende Risiko-Management für das eigene Unternehmen, fehlende Manpower oder fehlendes Wissen. Auch die mangelhafte Auseinandersetzung mit dem Standard und den dazugehörigen Anforderungen sowie fehlende finanzielle Mittel gehören zu den Problemverursachern. Um Schwierigkeiten in der Lebensmittelindustrie zu vermeiden, formulierte der Auditor einige Fragen, die sich Unternehmen selber stellen müssen. So zum Beispiel: Haben wir Regelkreise installiert, welche funktionieren und sichtbar gelebt werden? Schöpfen wir das Potential interner Audits aus? Haben wir verstanden, dass interne Audits ein zentrales Instrument für die Überprüfung der Compliance und zur Verbesserung dienen? Sind wir wirklich gewillt, uns diesen Herausforderungen ernsthaft zu stellen? Sind wir uns bewusst, welches Risiko für unser Unternehmen besteht, falls wir uns diesen Herausforderungen nicht voll annehmen? Die Beantwortung solcher Fragen bergen bereits Lösungsansätze. Der Fachmann erklärte zudem die Hilfsmittel und Zusatzdokumenten die Zertifizierungsstandards von BRC, IFS, FSSC 22000 bieten.

Matthias Schäfer von GEA Tuchenhagen und Vorstandsmitglied der EHEDG Regionalsektion Schweiz befasste sich mit kleinen Ursachen die fatalen Folgen haben können. So eine «Kleinigkeit» können beispielsweise Fehler in Schweissnähten sein. Mikroskopisch kleine Risse und Spalten mögen auf den ersten Blick nicht tragisch erscheinen, doch für Mikroorganismen bieten sie einen sicheren Platz zum ungehinderten Wachsen. Schnell ergeben sich daraus mikrobiologische Probleme, die sich auch durch akribische Reinigungen und lange Einwirkzeiten nicht lösen lassen. Zudem wächst unter dem Biofilm die Korrosion schneller, wodurch die Spalte grösser wird und die Porosität zunimmt. Der  Experte zeigte auf, wie eine ideale, hygienegerechte Schweissnaht aussehen muss und wie sich diese herstellen lässt. Zudem erwähnte er die Richtlinien, die es für das Schweissen im Hygienebereich gibt. Dazu zählt zum Beispiel das Dokument 35 der EHEDG. Der Fachmann zeigte zudem, dass nicht nur der Schweissvorgang an sich wichtig ist, sondern die Vermeidung von fehlerhaften Nähten bereits bei der Schweissnahtvorbereitung beginnt. Auch die Spaltenweite und die Ausrichtung des Rohres spielen eine entscheidende Rolle. So sind Risse und Hohlräume in der Schweissnaht nicht akzeptabel.

Den Abschluss bildete der Vortrag von Tim Schrodt und Thomas Gelencér von Endress+Hauser. Die beiden Experten befassten sich mit der regelmässigen Kalibrierung und gingen der Frage nach, ob diese für die Lebensmittelsicherheit Pflicht ist. Gründe für die Verifizierung und Kalibrierung gibt es viele: Angefangen von den Gesetzen über Standards des Lebensmitteleinzelhandels und der Kunden bis hin zum Rohstoff- und Energiemanagement. Die Ziele der regelmässigen Kalibrierung wie Rückverfolgbarkeit, Produkthaftung, Qualitätssicherung und Gewinn machen diesen Aufwand nicht zur Kür sondern zur Pflicht. Die Gründer für Kalibrierung liegen bei den E+H-Kunden auf der Hand. Regelmässige Kalibrierung sichert intern die Anlage, erhöht die Produktqualität und hilft bei der Abrechnung. Ein anderer Aspekt bezog sich auf Anforderungen der IFS Food-Version 6. Die Experten zeigten auch, wie sich die Kalibrierkosten reduzieren lassen. Eine Chance ist die parallele Kalibrierung der ganzen Anlage. Das führt zum kurzen Anlagestilstand, erhöht die Verfügbarkeit der Produktionsanlagen, reduziert die Anfahrten und bedeutet einen geringen Planungsaufwand.

Die zum Teil lebhaften Diskussionen am Ende eines Vortrages zeigte deutlich, wie gross das Interesse der Teilnehmenden an diesen Themen war. Ein Betriebsrundgang von Endress+Hauser Flowtec AG rundete die gelungene Veranstaltung ab.

Bilder zum Anlass finden Sie auf unserer Bildergalerie

 

 

 

 

 

 



Das gut besuchte LT-Seminar «Qualitätssicherung – ein Fall für alle» bot Referenten und Anwesenden die optimale Gelegenheit zum regen Gedankenaustausch