Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Materialfluss und Logistik: Ausgabe 01-02/2015, 10.02.2015

«Coole» Transporte

Tiefkühlprodukte stellen an die Logistik bestimmte Anforderungen. Um temperaturgeführte Ware sicher ans Ziel zu bringen, müssen Logistiker auf einiges achten.

Die Frische von Lebensmitteln ist eines der Hauptentscheidungskriterien für den Kauf. Je frischer Gemüse, Obst, Fleisch oder Backwaren sind, umso besser. Konsumenten aus Industrieländern, die sich über einen Nahrungsüberfluss freuen können, sind besonders kritische Verbraucher. Zeigen sich erste Anzeichen der Alterung, werfen viele Konsumenten Lebensmittel bereits in den Müll, obwohl diese noch längst nicht verdorben sind. So ist das Phänomen Food Waste nicht umsonst in die Schlagzeilen geraten. Eine effektive und inhaltsstoffschonende Art der Konservierung ist Tiefkühlen. Es dauert beispielsweise bei Gemüse gerade einmal zwei bis drei Stunden vom Feld bis zur Schockfrostung. Vitamine, Aroma und Geschmack bleiben auf diese Weise bis zum Verzehr weitgehend erhalten.

Obwohl die Frische also grossen Einfluss auf das Kaufverhalten hat, ist es verwunderlich, dass Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten nur wenig Tiefkühlprodukte kaufen. Laut Peter Rupper, Geschäftsführer des Schweizerischen Verbandes für Kühl- und Tiefkühllogistik, SVKTL, liegt der Inlandsverbrauch von TK-Ware zwischen drei und vier Prozent des Schweizer Detailhandelsumsatzes.

Logistische Herausforderung.

Damit tiefgekühlte Produkte einwandfrei beim Konsumenten ankommen, müssen Logistiker bei Lagerung und Transport einiges beachten. So ist die durchgehende Einhaltung der Kühlkette bei Temperaturen von -18° Celsius absolut notwendig. «Das Halten der Temperaturen auf der gesamten Versorgungskette ist ein anspruchsvolles Thema. Zudem spielen in diesem Bereich auch Hygiene und andere Vorschriften der Lebensmittelgesetzgebung und des Codex Alimentarius eine grosse Rolle», erklärt der Geschäftsführer. So sind beispielsweise sämtliche Transportgeräte den hohen Hygienevorschriften der Lebensmittelindustrie unterworfen. Das fängt, laut dem Experten, bereits bei der Rampe an, geht über die Tore und Lastwagenbrücke bis hin zum Ausladeort. Auch Vorschriften hinsichtlich der Reinigung, Personalhygiene und Dokumentation müssen Logistiker beachten. «Da in der Logistik meist mehrere Partner zusammenarbeiten, ist die Doku­mentation für eine lückenlose Rückverfolgbarkeit besonders wichtig. Die Gesetzgebung verlangt, dass wir immer eine Stufe vorwärts und eine Stufe rückwärts dokumentieren müssen. Das heisst, der Transporteur muss belegen können, von wem er die Ware bekommen hat und in welchem Zustand. Selbstverständlich muss er die Dokumentation auch durch sein Lager führen und festhalten, an wen er die Ware in welchem Zustand wieder abgegeben hat. So setzen Transporteure die Dokumentation über verschiedene Partner der Kette stückweise zusammen, was am Ende eine lückenlose Kette ergibt», sagt Rupper.

Ausgewogene Klimabilanz.

In Zeiten der Energieeinsparung bemängeln Kritiker beim Transport temperaturgeführter Ware oft den Energieverbrauch und die CO2-Bilanz. Doch eine Studie des deutschen Tiefkühlinstituts (dti) hat erstaunliches ergeben. «Experten haben dabei den Energieverbrauch und den CO2-Foodprint von normal gehaltener zu tiefgekühlter Ware verglichen und dabei den kompletten Lebenszyklus eines Produktes – also vom Feld beziehungsweise Stall bis zum Teller – berücksichtigt. Es zeigte sich, dass die Bilanzen, inklusive der CO2-Verbrauche, auf beiden Wegen nahezu identisch waren. Das Ergebnis wiederspricht dem normalen Empfinden, dass Tiefkühlware mehr Energie braucht. Aber berücksichtigen wir was vor und nach der Produktion passiert und dass auch die Ware im Regal und im Haushalt gekühlt sein muss, zeigt sich Tiefkühlware in einem ganz anderen Licht», so der Fachmann.

Erntefrische Qualität bleibt erhalten.

Hinzu kommt noch die Qualität und der Vitamingehalt, der bei Tiefkühlprodukten meist besser ist als bei Ware mit normal gehaltenen Temperaturen, da es bei gefrorenen Produkten kaum zu Lagerverlusten kommt. Auch Food Waste ist bei TK-Produkten kein Problem, da sich diese meist portionsgenau entnehmen lassen.

So liegt im Angebot von Tiefkühlprodukten nach wie vor ein grosses Wachstumspotenzial. Zum einen, weil die Schweizer Bevölkerung wächst, zum anderen, da das Angebot an Tiefkühlprodukten – vor allem in Conveniencebereich – steigt.

Neue Kühlhäuser braucht das Land.

Die Tatsache, dass in den letzten Jahren nur wenige neue Lager- und Kühlhäuser gebaut wurden, aber das Angebot an TK-Produkten gestiegen ist, hat zu Kapazitätsproblemen geführt. «Darum wollen wir in den nächsten Jahren mehrere Projekte realisieren. Bei einigen unserer Mitglieder wie zum Beispiel Migros oder Galliker-Transporte sind gerade Projekte im Bau, sodass wir in absehbarer Zeit mehr Kapazität anbieten können», so der SVKTL-Geschäftsführer.


Weitere Informationen:
Verband für Kühl- und Tiefkühllogistik, SVKTL
www.svktl.ch




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