Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Kälte- und Lufttechnik: Ausgabe 10/2015, 06.10.2015

Coole Lösung für Sensibelchen

Lose rollende IQF-Produkte liegen im Trend. Gerade mechanisch empfindliche Lebensmittel liessen sich in der Vergangenheit jedoch nicht ohne Qualitätseinbussen frosten. Die Lösung für diese Produk-tionsaufgabe bringt ein Froster mit einem Flüssigstickstoff-Tauchbad.

Autor: Simon Hess, Leiter technischer Kundenservice Nahrungsmittel

Bilder: PanGas/Linde

Noch immer verarbeitet die Lebensmittelindustrie rund 85 Prozent der Tiefkühlwaren in Kaltluftanlagen. Dabei bietet das kryogene Frosten mit tiefkaltem Stickstoff (N2) oder Kohlendioxid (CO2) entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen Verfahren. Bei Kaltluftanlagen wird das Kühlgut vergleichsweise langsam durchgefrostet. Höhere Dehydrierung und damit eine verminderte Produktqualität und teure Gewichtsverluste sind die Folge. Beim kryogenen IQF-Frosten («Individually Quick Frozen») gefriert das Kühlgut dagegen sofort. Die original frische Konsistenz und die ursprüngliche Textur des Produktes bleiben ebenso erhalten, wie der physiologische Wert der Inhaltsstoffe. Darüber hinaus sind IQF-Produkte lose rollend und einzeln entnehmbar, was den modernen Einkaufs- und Verbrauchsgewohnheiten etwa von Klein- und Single-Haushalten sehr entgegenkommt. Entsprechend differenziert sich die Palette technischer Lösungen in diesem Bereich zunehmend.

Für mechanisch empfindliche Lebensmittel wie geschnittene Geflügelprodukte, Pizzabeläge, gekochte Pasta, Früchte und Fertiggerichte fehlte jedoch lange eine geeignete Lösung. Das bedeutet für die Lebensmittelindustrie, dass gerade hochwertige und entsprechend teure Produkte sich nicht in der erforderlichen Top-Qualität frosten lassen. Mit einer aktuellen Entwicklung von PanGas lässt sich das ändern.

Tauchbadfroster.

Der Froster CRYOLINE SI erweitert das Portfolio an kryogenen Frostern um eine All-in-one-Maschine mit vorgeschaltetem Flüssigstickstoff-Tauchbad und nachgeschaltetem Gefriertunnel. Dabei durchlaufen die Produkte zunächst eine Wanne, die tiefkalt verflüssigten Stickstoff (N2) enthält. In dem bis zu -196 °C kaltem Flüssiggas friert die Oberfläche sofort und ohne Qualitätsverlust an, sodass sie für den weiteren Gefrierprozess im Frostertunnel ideal stabilisiert ist.

Selbst gegartes Hackfleisch, das unter normalen Umständen das Drahtmaschenband des Frosters verkleben würde, lässt sich nach Vorbehandlung im N2-Tauchbad perfekt lose rollend verarbeiten. Zudem eröffnen sich mit portionierbar und einzeln entnehmbarem Hackfleisch neue, bisher ungenutzte Marktchancen, nicht zuletzt auch in Hinblick auf Haltbarkeit und Hygiene.

Die Produkte gelangen über einen Zuführ-Rüttelförderer in die Maschine. Das sichert den kontinuierlichen Produktstrom, vermeidet das Anhaften der Produkte an der Eingabe und gewährleistet hohe Arbeitssicherheit. Herzstück des Verfahrens ist die Tauchbadtechnik: Eine sogenannte Dusche, die die gesamte Bandbreite überspannt, düst den flüssigen Stickstoff ein. Position und Geschwindigkeit des Bandes lassen sich flexibel einstellen und die Prozessparameter damit anwendungsspezifisch variieren. Die Verweildauer liegt bei 2 bis 60 Sekunden. Die Füllhöhe des Bades lässt sich exakt regeln. Damit ist entsprechend wenig Stickstoff nötig.

Effizient und hygienisch.

Das verdampfte Kaltgas lässt sich im nachgeschalteten Gefriertunnel für die weitere Frostung nutzen. Zudem erlaubt die Tunnelform – im Gegensatz zu Drehrohrfrostern – eine bessere Kältewirkung durch Konvektion, also durch eine Umwälzung des Kühlgases, was zusätzlich zur Energieeffizienz beiträgt.

Auch in Hinblick auf Reinigung und Hygiene ist der Tunnelfroster dem Drehrohrverfahren überlegen, denn er lässt sich komplett öffnen. Das Innere der Maschine ist damit gut zugänglich. Damit können Betreiber reinigungs- und wartungsbedingte Stillstandzeiten minimieren.

Technische Besonderheiten.

Der Tauchbadfroster ist für mittlere Produktionskapazitäten bis etwa 900 kg/h ausgelegt. Er hat eine Bandbreite von 600 mm. Das Basismodell ist 7,2 m lang. Zur Erhöhung von Kapazität und Effizienz können Betriebe das Basismodell durch weitere Module von jeweils 3 m Länge ergänzen.

Der 2010 erstmals als Studie vorgestellte Tauchbadfroster ist Bestandteil der Produktlinie CRYOLINE. Alle Froster-Modelle aus diesem Portfolio sind durchgängig hygienegerecht konstruiert. Die Vorteile sind geringe Reinigungs- und Rüstzeiten und damit eine hohe Anlagenverfügbarkeit sowie eine hohe Produktsicherheit.

Übersichtliche Touchscreen-Bedienfelder und die Möglichkeit, Rezepte zu laden und zu speichern, unterstützen den Produktions- und Dokumentationsprozess. Menschliche Fehler lassen sich damit minimieren. Die allgemeine Produktivität steigt. Selbstdiagnosetools erkennen Störungen im Betriebsablauf sofort, sodass Fachleute die entsprechenden Korrekturen umgehend vornehmen können. Umfangreiche Protokollfunktionen erfüllen die vielfältigen lebensmittelrechtlichen Anforderungen hinsichtlich Rückverfolgbarkeit.

Für produktspezifische Versuche stellt der Spezialist für Gase in seinen anwendungstechnischen Zentren verschiedene Frostermodelle zur Verfügung, darunter auch einen Tauchbadfroster. Betriebsleiter und Produktentwickler finden dort die optimalen Voraussetzungen für die Erprobung neuer Produktionsverfahren und Optimierung von Prozessen.

Der Einsatz eines Flüssigstickstoff-Tauchbads erschliesst die Vorteile des kryogenen Frostens auch für besonders druckempfindliche Produkte wie Beeren, Crevetten oder Hackfleisch. Die All-in-one-Lösung nutzt die Kältewirkung des Gases dabei optimal aus und sorgt so für einen energieeffizienten Betrieb.


Weitere Informationen:
PanGas AG
www.pangas.ch




Der Froster ist für mittlere Produktionskapazitäten bis etwa 900 kg/h ausgelegt