Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Branchenfokus: Ausgabe 10/2015, 06.10.2015

Der Meerrettichbaum

Moringa oleifera macht seit einiger Zeit von sich Reden. Die angepriesenen Vorzüge wecken das Interesse der Industrie. Welche Versprechungen die Pflanze halten kann, zeigt ein Blick in die Warenkunde.

Autor: Heinrich Heinrichs

Bilder: africrops! GmbH

Der Meerrettichbaum – besser bekannt als Moringa oleifera – erfährt seit einigen Jahren eine wachsende Aufmerksamkeit. Dieser Pflanze werden aussergewöhnliche Fähigkeiten zugeschrieben, wobei allerdings manchmal die Behauptungen den Boden solider wissenschaftlicher Betrachtungen verlieren. Zu den Tatsachen zählt, dass die Pflanze in ihrem Ursprungsgebiet – den Norden Indiens – seit mehreren tausend Jahren als Naturmedizin Verwendung findet.

Von der Wurzel ...

Die englischen Kolonialherren schätzten die Wurzel der Pflanzen, die einen meerrettichartigen Geschmack hat, wodurch die Pflanze auch ihren Namen bekam – Meerrettichbaum. Zudem fanden Forscher heraus, dass die Samen, als feines Pulver zermahlen, Schmutzwasser effektiv reinigen. Wissenschaftliche Arbeitsgruppen haben dies in letzter Zeit eingehender untersucht und konnten zeigen, dass ein Protein Schmutzpartikel ausflockt, während andere Stoffe, wie zum Beispiel Senfölglycoside, Keime abtöten. Das Resultat ist Wasser, das sowohl sichtbar sauber als auch mikrobiell geniessbar ist.

... bis zum Blatt.

Neben Samen und Wurzeln, sind auch die Blätter von Nutzen. Sie enthalten wertvolle Nährstoffe, Vitamine, Mineralien und sekundäre Inhalts- stoffe. Moringa Blattpulver weist einen hohen Gehalt an Protein auf (28 g pro 100 g Trockenpulver). Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Aminosäurenzusammensetzung zu einer biologischen Wertigkeit führt, die sich mit tierischem Protein messen kann. Alle essentiellen Aminosäuren sind in hoher Konzentration vorhanden. Weiterhin ist Moringa-Protein reich an Aminosäuren mit verzweigter Molekülstruktur, den BCAA (branched chain amino acids).

Vitamine und Co.

Das Blattpulver bietet auch eine natürliche Vitamin- und Mineralstoffquelle. So sind beispielsweise die Vitamine* A (ß-Carotin 16  mg / 100 g) C (30 mg / 100 g), E (100 mg / 100 g) und verschiedene B-Vitamine reichlich vorhanden. Der Gehalt an Magnesium (459 mg /100 g), Kalium (1448 mg / 100 g) und weiteren Mineralstoffen* sorgt bei regelmässiger Aufnahme des Pulvers für eine ausgewogene Elektrolytbilanz. Der Eisengehalt liegt mit etwa 28,2 mg / 100 g im Bereich des Eisengehalts von Leber (10 bis 20 mg / 100 g). Erste Studien in afrikanischen Ländern sprechen dafür, dass die Aufnahme von Moringa sich günstig auf den Hämoglobingehalt auswirkt. Dennoch sind weitere klinische Studien nötig. Zudem sind Antioxidantien wie Epigallocatechingallat, Quercetin und Kaempferol enthalten. Wissenschaftliche Abhandlungen haben darüber hinaus eine positive Wirkung auf Blutfettwerte ergeben.

Einsatz in der Lebensmittelindustrie.

Da Moringa oleifera in unseren Breitengraden nicht wächst, steht die Pflanze nicht als Frischprodukt zur Verfügung. Doch das getrocknete Blattgut und Blattpulver lassen sich einfach importieren und in der Lebensmittelindustrie nutzen. Der Geschmack ist würzig, leicht bitter und ähnelt Spinat. Das gibt einen gewissen Rahmen für die Anwendungen vor. So eignen sich getrocknete Blätter und Blattpulver beispielsweise für Gemüsesmoothies und zur Anreicherung von Suppen. Zudem ist der Einsatz in Convenienceprodukten für Vegetarier und Veganer denkbar. Auch als Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln, etwa für Sportler, sind Moringa-Produkte interessant.

In den USA und Europa gibt es bereits erste Versuche mit Moringa-Riegeln. Einige Unternehmen vertreiben dort auch eine Limonade, die aus Extrakten und viel Zucker hergestellt ist.

Andere Länder, wie Malaysia, arbeiten schon länger mit Moringa-Produkten. So gibt es Moringa-Kekse, -Pesto, -Chutneys und -Nudeln. Die Ideen sind vielfältig und vielversprechend. Auch in Europa interessieren sich Schulen dafür, Moringa, insbesondere in vegetarischen, beziehungsweise veganen Speisen, zu verarbeiten. Denn die Gemeinde der Veganer wächst zusehends. Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass sich mit Moringa Lücken der Nährstoffversorgung schliessen lassen, die eine fleischlose Ernährung manchmal mit sich bringt, ohne die betreffenden Mineralien oder Vitamine künstlich zusetzen zu müssen.

Auf die Qualität kommt es an.

Mittlerweile tummeln sich im Moringa-Geschäft viele Anbieter. Gute Qualität hat aber ihren Preis und schützt vor Enttäuschungen. Hier sollten Unternehmen vor allem auf Pestizidrückstände und Schwermetalle achten.

Da Moringa noch relativ neu auf dem europäischen Markt ist, liegt der Gedanke nahe, dass die Produkte unter die EU Novel Food Verordnung fallen. Da jedoch eine indische Minderheit in Grossbritannien sich bereits seit vielen Jahren Moringa aus Indien kommen lässt, um es im Einzelhandel anzubieten, fällt es nicht unter die Verordnung. Rechtlich gesehen stehen die Blätter des Meerrettichbaums auf der gleichen Stufe wie Spinat.



Weitere Informationen:
africrops! GmbH
www.africrops.de

*Die Vitamin- und Mineralstoffangaben beziehen sich auf Trockenpulver und entsprechen Literatur- und africrops Werten
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Die africrops! GmbH ist ein Importeur für Moringa aus afrikanischem Ursprung in kontrollierter Premiumqualität. Dr. Heinrich Heinrichs und Meinolf Kuper kennen Afrika seit mehr als 20 Jahren und zeigen, dass sich Handel und Entwicklung zusammenbringen lassen. Sie prägten den Begriff «Fairer Handel auf Augenhöhe».




Das Blattpulver lässt sich in der Lebensmittelindustrie für verschiedene Anwendungen als natürlicher Zusatzstoff nutzen


Moringa-Blätter haben einen würzigen, leicht bitteren Geschmack