Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Branchenfokus: Ausgabe 10/2015, 05.10.2015

Freispruch für die Milch

Seit geraumer Zeit sind zahlreiche Vorwürfe gegen die Milch im Umlauf, die jedoch wissenschaftlich nicht haltbar sind. Ein Überblick über die aktuelle wissenschaftliche Literatur gab jetzt Entwarnung.

Autor: KErn

Bilder: Fotolia, Richard Bartz, Munich; Creative Commons License: CC BY-SA 3.0

Seit mehr als 8000 Jahren trinkt der Mensch artfremde Milch – ohne davon krank zu werden. Veränderungen im Laktase-Gen im Verlauf der Evolution ermöglichten auch Erwachsenen die Verdauung von Milchzucker (Laktose). Milch und Milchprodukte sind in 42 Ländern der Erde wichtige Bestandteile der täglichen Ernährung und eine bedeutende Quelle für eine ganze Reihe von Vitaminen und Mineralstoffen. Hervor zuheben sind die Vitamine B2 und B12 sowie der Mineralstoff Kalzium und die Spurenelemente Zink und Jod. Über den Verzehr von Milchprodukten nimmt der Mensch 27 Prozent der Vitamine B2 und B12 auf, beim Mineralstoff Kalzium sind es fast 50 Prozent. Kalzium und Vitamin B2 sind zwar auch in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, aus Milch sind sie für den menschlichen Körper aber besonders leicht nutzbar.

Die empfohlene tägliche Zufuhr an Kalzium wird in Deutschland weder bei Jugendlichen noch bei Erwachsenen erreicht. Das Vitamin B12 ist ein Sonderfall, es kommt nicht in Pflanzen vor und sein Bedarf lässt sich lediglich über tierische Lebensmittel decken. Die Fachgesellschaften vieler Länder empfehlen etwa 2 bis 3 Portionen Milchprodukte – inklusive Käse – pro Tag. Die gegenwärtigen Zufuhrempfehlungen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) liegen bei 200 bis 250 g Milch/Joghurt sowie 50 bis 60 g Käse. Trotz ihrer zahlreichen Nährstoffe und ihrer vielfältigen positiven Eigenschaften wird Milch zunehmend mit einer Reihe von Krankheiten in Verbindung gebracht. Kritiker warnen sogar vor ihrem Verzehr.

Negative Schlagzeilen.

Seit geraumer Zeit sind zahlreiche Vorwürfe gegen die Milch im Umlauf, die jedoch wissenschaftlich nicht haltbar sind. So waren zum Beispiel Schlagzeilen wie «Ein Glas Milch kann tödlich sein» und ähnliche in der Presse zu lesen und sind auch Teil der öffentlichen Diskussion. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wollte es genau wissen und gab einen Überblick über die aktuelle wissenschaftliche Literatur in Auftrag. Das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) hat in Kooperation mit dem Max Rubner-Institut (MRI) Karlsruhe die internationale wissenschaftliche Literatur durchforstet und einen umfangreichen Gesamtbericht, sowie eine Kurzpublikation mit Fragen rund um den Milchverzehr verfasst. «Ein Jahr lang hat sich das KErn, wie auch das MRI, mit den Mythen und Fakten rund um Milch beschäftigt und dabei fast 400 Studien zum Thema Milchverzehr, potenzielle Krankheitsrisiken und mög-liche schützende Wirkungen untersucht», erklärt Wolfram Schaecke, Leiter des KErn.

Ernährung mit Milch bringt Vorteile.

Die Ergebnisse sind in einer Kurzpublikation mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zusammengefasst. «In der untersuchten wissenschaftlichen Literatur gibt es aktuell keine validen Hinweise, dass Milch mit einem erhöhten Krankheitsrisiko assoziiert ist», sagt Schaecke. Wer Milch im Rahmen der Verzehrempfehlungen (zwei bis drei Portionen täglich) geniesst, muss mit keinen negativen Folgen für seine Gesundheit rechnen. «Ganz im Gegenteil, erste Hinweise lassen eine Schutzwirkung durch einige Milchinhaltsstoffe bei diversen Erkrankungen vermuten», so Schaecke weiter.

Das Kalzium, die Fettsäure CLA sowie die Molkenproteine werden mit einer gewissen Schutzwirkung bei verschiedenen Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. So kann bereits ein Glas Milch pro Tag das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, verringern. Eine ausreichende Zufuhr von Kalzium erhöht nachweislich die Knochendichte, die bis etwa zum 30. Lebensjahr ihren Peak erreicht. Eine ausreichende Kalziumzufuhr ist deshalb vor allem im Kindes- und jungen Erwachsenenalter wichtig.

Anders als in den Medien häufig publiziert, schützt Milch eher vor HerzKreislauferkrankungen und hat einen positiven Einfluss auf den Blutdruck. Die «Dietary Approaches to Stop Hypertension» Studie hat gezeigt, dass eine Ernährung mit ausreichend Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie mit zwei bis drei Portionen fettarmer Milchprodukte pro Tag einer Ernährung ohne Milchprodukte überlegen ist.

Negative Effekte nicht nachweisbar.

Dass Milch zu einer Verschleimung der Atemwege und des Darmes führt ist falsch. Auch die Hypothese, dass saure Inhaltsstoffe in der Milch das Säuren-Basen-Gleichgewicht stören und durch eine vermehrte Kalziumausscheidung im Urin eine Osteoporose begünstigen, sind mit der aktuellen Metaanalyse widerlegt.

In seiner jüngst erschienen Kurzpublikation «Freispruch für die Milch!» geht das Kompetenzzentrum auf wichtige Fragen zum Lebensmittel Milch ein und räumt mit Vorurteilen auf. Auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Literatur behandeln Experten Themen wie Krebsrisiko, Osteoporose, Allergiepotenzial, Rohmilchverzehr und ESL-Milch. Auch Ergebnisse von Studien zu «Fettarme Milch als alternatives Sportgetränk» werden vorgestellt, zudem sind Fragen zu Allergiepotenzial und Prostatakarzinom Thema.



Weitere Informationen:
Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn)
www.kern.bayern.de
Max Rubner-Institut (MRI) Karlsruhe
www.mri.bund.de