Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Branchenfokus: Ausgabe 10/2015, 05.10.2015

Nachhaltig produzierte Milchprodukte

Die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln ist in den letzten Jahren stark in den Vordergrund gerückt. Bord Bia, die irische Lebensmittelbehörde, hat mit der Gründung von Origin Green ein Programm ins Leben gerufen, mit dem sich Nachhaltigkeit umsetzen lässt.

Autor: Redaktion

Bilder: LT

Klimawandel,  Umweltverschmutzung oder Food Waste sind nicht nur Schlagworte in den Medien, sondern reale Probleme unserer Zeit. So steht die Welt vor der Herausforderung, in den nächsten 40 Jahren die Lebensmittelproduktion um 70 Prozent zu steigern und die Treibhausgasemission in einem ähnlichen Umfang zu reduzieren. Doch sinkende Wachstumsraten in der Landwirtschaft und nicht vorhersehbare Wetterbedingungen lassen nachhaltiges Planen und Handeln zur Hauptaufgabe der globalen Lebensmittelindustrie werden.

Nachhaltige Produktion.

Die Ansätze zum nachhaltigen Wirtschaften und Arbeiten sind vielfältig. Das fängt bereits im Kleinen an, beispielsweise bei der Optimierung von Herstellungsprozessen, geht über die Anpassung von Reinigungsverfahren und die Entwicklung neuer Reinigungsmittel und reicht bis zur Reduzierung des CO2-Footprints und Regulierung des Wasserverbrauchs. Jeder einzelne Schritt, jede Optimierung und jede sinnvolle Reduzierung trägt zur Verbesserung der Situation bei.

Der irische Weg.

Irland hat aufgrund seiner klimatischen Verhältnisse die besten Voraussetzungen für die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln und Getränken. Das milde Klima, kombiniert mit dem beachtlichen jährlichen Regenfall, sorgt dafür, dass das Graswachstum auf der Grünen Insel den europäischen Durchschnitt um ein Drittel übersteigt und damit eine kontinuierliche und permanente Verfügbarkeit des Futters sicherstellt. Für Farmer wie Joe Hayden von der Orchard’s Farm ist das «ein Geschenk des Himmels»: «Unsere Kühe können Dank des milden Klimas rund 300 Tage im Jahr, Tag und Nacht auf den Weiden verbringen, so dass Zufüttern von Kraftfutter unnötig ist. Das Resultat ist eine Milch mit einem optimalen Fett- und Eiweissgehalt, reich an Vitaminen und einer schönen Farbe, die nur durch Grasfütterung entsteht.» Für den Farmer ist es zudem wichtig, dass seine Tiere keinem Stress ausgesetzt sind und sie ein «glückliches Leben» führen können. Die grosszügigen Weide- flächen und das sanft hügelige Land sorgen dafür, dass die Tiere viel in Bewegung sind, was sich positiv auf die Milchqualität auswirkt.

Gezielte Auswahl.

Doch Grasfütterung und Auslauf sind nicht die einzigen Kriterien für gute Milch. Es kommt auch auf die Rasse an. So stehen auf der Orchard’s Farm derzeit 145 Holstein-Kühe bei deren Zucht der Farmer nichts dem Zufall überlässt. Er kennt jede einzelne Kuh genau und kann daher – entsprechend ihrem Körperbau und ihren Eigenschaften – den passenden Zuchtbullen auswählen. «Damit kann ich zum einen die Gesundheit meiner Tiere gewährleisten, da das Kalb weder zu gross noch zu klein ist und damit die Mutterkuh bei der Geburt nicht in Gefahr bringt. Zum anderen ist die gezielte Zucht ein Weg, die Milchleistung stetig zu verbessern, ohne die Tiere zu überfordern.»

Obwohl Gras im Überfluss vorhanden ist, überwacht der Farmer das Gras genau. Denn die Qualität des Futters bestimmt die Qualität der Milch und der daraus hergestellten Produkte. So kontrolliert er regelmässig den Boden, um eventuelle Defizite von Anfang an verhindern zu können. «Für saftiges Gras sind beispielsweise Stickstoff und Phosphor sehr wichtig. So prüfen wir die Erd- und Grasqualität in regelmässigen Abständen, um rechtzeitig die notwendigen Düngemassnahmen ergreifen zu können. Damit verhindern wir auch eventuelles Überdüngen, was für unser Grundwasser und das umliegende Gelände nachteilig wäre. Die optimale Menge erhält die Futterqualität und schützt unsere Umwelt», erklärt der Farmer. Doch die Schutzmassnahmen gehen noch weiter. So darf beispielsweise niemand die Weiden betreten, der keine Überschuhe trägt. «Das mag auf den ersten Blick etwas eigen erscheinen. Doch mit Schuhen können viele Keime übertragen werden, was wir unbedingt vermeiden wollen. Uns liegt sehr viel an der Gesundheit unserer Tiere, denn nur so können wir die hohe Qualität unserer Milch garantieren», betont Joe Hayden.

«High Quality».

Hygienische Verhältnisse im Melkstand und den Ställen ist für Landwirte eine Selbstverständlichkeit. So auch auf der Orchard’s Farm. Melkstand und Melkmaschinen entsprechen den hohen Hygieneanforderungen der Lebensmittelbranche. Damit unerwünschte Keime erst gar keine Chance haben, kühlt der Farmer die frisch gemolkene Milch in einem speziellen Kühltank innerhalb von 30 Sekunden auf 4 °C herunter, so dass nur noch die natürliche Bakterienflora erhalten bleibt. Ein Milchtankwagen holt die frische Milch regelmässig ab, nicht jedoch ohne zuvor eine Probe genommen zu haben.

Das garantiert auch bei der weiteren Verarbeitung die hohe Qualität des Endprodukts, sei es als Trinkmilch, Joghurt, Käse, Butter oder Creamlikör aus irischem Whiskey und Rahm – dem Baileys Irish Cream. Die 145 Kühe der Orchard’s Farm produzieren über 1 Million Liter Milch jährlich für die Herstellung von Baileys. So war die Farm für die letzten 12 Jahre die geistige Heimat von Baileys und ist auch als Baileys Farm bekannt.

Gemeinsam klappt es besser.

Wie für nahezu alle Landwirte, ist es auch für irische Farmer nicht einfach, sich in den Märkten zu behaupten. Sinkende Milchpreise, beschränkte Absatzmärkte und Konkurrenzprodukte machen die Vermarktung der eigenen Produkte nicht leicht. Daher haben sich viele Farmer schon vor Jahren zu Kooperationen zusammengeschlossen. Co-op LacPatrick verarbeitet rund 500 Millionen Liter Milch pro Jahr und beliefert führende Detailhändler, zu denen auch Aldi und Lidl gehören, mit Frischmilch, Buttermilch, Butter, Joghurt und Desserts. Auch Voll- und Magermilchpulver, die hauptsächlich für den Export bestimmt sind, gehören zum Sortiment der Kooperative.

Hightech für Joghurt.

Für die Joghurtproduktion hat die Farmergenossenschaft eine moderne, grosszügige Produktionshalle gebaut, die über alle nötigen Maschinen und Abteilungen verfügt. Das hauseigene Labor prüft sowohl die Rohware, als auch das fertige Produkt und begleitet den kompletten Herstellungsprozess mit Stichprobenanalysen. Einmal angeliefert und in grossen Tanks zwischengelagert, durchläuft die Milch alle Prozesse automatisch. Eine innovative IT-Struktur hat die Produktion «im Blick», so dass Mitarbeiter Störungen rasch erkennen und beheben können. Moderne Abfüll- und Verpackungsanlagen sind für die Fertigstellung verantwortlich. Sicher verpackt treten Joghurt und Co. die Reise zu Detailhändlern im In- und Ausland an.


Weitere Informationen:
Bord Bia/The Irish Food Board
www.bordbia.ie
www.origingreen.ie




Für Joe Hayden ist die Gesundheit seiner Herden wichtig. Daher sind Überziehschuhe für jeden Besuch auf der Weide obligatorisch


In der modern ausgestatteten Produktionshalle der Co-op LacPatrick stellen Mitarbeiter Joghurt mit verschiedenen Geschmacksrichtungen her. Dank der Inlineproduktion haben unerwünschte Mikroorganismen keine Chance, denn weder Rohstoffe noch das fertige Produkt haben durch den geschlossene Anlagenbau Kontakt mit der Umgebungsluft

Origin Green: Arbeiten mit der Natur

Bord Bia, The Irish Food Board ist die irische Lebensmittelbehörde für Lebensmittel-, Getränke- und die Gartenbauindustrie zur Vermarktung der nachhaltigen und sicher produzierten Agrar- und Lebensmittelerzeugnisse im Premiumsegment. Mit Origin Green baut die Lebensmittelbehörde auf bestehenden Qualitätssicherungssystemen (QS) zur Prüfung der Landwirtschaft hinsichtlich Tiergesundheit, Tierschutz und Rückverfolgbarkeit, Wasser und Futter, Weidemanagement, Umweltmanagement, Landsicherheit und Artenvielfalt auf. Bord Bia arbeitet in Partnerschaft mit der Industrie zur Förderung und Entwicklung der Märkte für irische Lebensmittel, Getränke und den Gartenbau.

Die Origin Green Initiative bezieht die gesamte Lieferkette ein – «from farm to manufacturing». So haben Experten seit der Gründung der Initiative 2012 bis heute über 85 000 Klimabilanzbewertungen bei irischen Farmern durchgeführt. Zu Origin Green gehören 117 zertifizierte Unternehmen, deren Nachhaltigkeitspläne Auditoren der unabhängigen Zertifizierungsstelle SGS überprüfen. Über 85 Prozent der irischen Exportgüter stammen von diesen 117 Unternehmen. Zudem bestreiten 470 Unternehmen – die sich für das Nachhaltigkeitsprogramm verpflichtet haben – über 90 Prozent des Exports der Grünen Insel. Die beteiligten Unternehmen haben sich der Origin Green Charta verpflichtet und entwickeln einen Plan mit Zielen zu Nachhaltigkeit, Rohstoffgewinnung, Herstellungsprozesse und soziale Nachhaltigkeit. Dazu gehören auch Audits, die alle 18 Monate bei den Farmen stattfinden. Unternehmen, die sich der Charta verpflichtet haben, müssen jährlich einen Bericht zu den Fortschritten ihres Plans vorlegen.

LacPatrick – «Game Changing»

Zwei der ältesten irischen Kooperationen – Ballyrashane und Town of Monaghan – haben im Juli 2015 fusioniert und sich zur Co-op LacPatrick zusammengeschlossen. Die neue Kooperation gehört Farmern aus Irland und Nordirland und gilt angesichts der schwierigen globalen Märkte als «Plattform für Wachstum». Mit der Fusionierung gehen auch Pläne für künftige Investitionen einher, die die neu geschaffene Kooperative als entscheidenden Teil der Wachstumsstrategie beschreibt. Der Name LacPatrick setzt sich zusammen aus Lac – dem lateinischen Wort für Milch – und Patrick, einem Synonym für Irland. Die Verantwortlichen haben diesen Name gewählt, um die Ausrichtung der neu fusionierten Kooperative zu verdeutlichen. Ziel ist die optimale Vermarktung der innovativen und hochwertigen irischen Milchprodukte im In- und Ausland.