Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 10/2015, 27.09.2015

Zukunft der Agro-Food Branche

Bilder: LT

Am 18. September 2015 veranstaltete Swiss Food Research an der HAFL in Zollikofen den 5. Swiss FoodTech-Day. Namhafte Referenten betrachteten die Agro-Food Wertschöpfungskette und zukünftige Entwicklungen.

Der Ingenieur und Zukunftsforscher Hannes Rohner zeigte einen Weg auf, Entwicklungen «vorher bestimmen zu können», ohne sich auf Trends zu verlassen, da er diese als enge «Trampelpfade» empfindet. Vielmehr braucht es seiner Meinung nach Visionen und er stellte 10 Kriterien vor, mit deren Hilfe sich die zukünftige Attraktivität der Lebensmittelproduktion besser bestimmen lässt. So spielen für den Zukunftsforscher Kultur, Genuss, Zusatzstoffe, soziale Aspekte, Zertifikate, Gesundheitsbeurteilungen und Wellness, Ökologie, Sicherheit, Art der Präsentation und die Wertschöpfung respektive Wertschätzung eine wichtige Rolle.

Peter Verstrate zeigte in seinem Beitrag, wie sich Fleisch im Reagenzglas gewinnen lässt. Auch wenn diese Methode der Fleischerzeugung noch sehr teuer ist, könnte sie dennoch Potenzial haben. Denn die Entwicklung schreitet stetig voran. So arbeitet die Wissenschaft derzeit nicht nur an der Gewinnung von Muskelfleisch, sondern auch an der Erzeugung von Knochen- und Fettgewebe. Doch wie sieht es mit der Akzeptanz der Konsumenten aus? Besteht überhaupt Bedarf an Fleisch aus dem Reagenzglas? Erste Umfragen zeigen, dass etwa 2/3 der Befragten bereit sind, so ein Fleischprodukt mal zu probieren. Ob der Verzehr aber tatsächlich selbstverständlich wird, zeigt sich in einigen Jahren.

Mit gepulsten elektrischen Feldern in der Obst- und Gemüseverarbeitung beschäftigt sich das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik DIL. In Vertretung von Stefan Töpfel zeigte Kemal Aganovic, was sich hinter gepulsten elektrischen Feldern (PEF) verbirgt und wie sich diese Technik nutzen lässt. So können Getränkeproduzenten beispielsweise die Haltbarkeit von Orangensaft auf rund 2 Monate verlängern, wenn sie diesen mit der PEF-Technik pasteurisieren. Da PEF im Sinne der Novel Food Verordnung keine neue Technik ist, steht ihrem Einsatz nichts im Wege.

Anna Katarina Gilgen vom World Food System der ETHZ fasste die Ergebnisse einer Foresightstudie zusammen und erklärte die Herausforderungen und zukünftigen Forschungsfelder für ein nachhaltiges Schweizer Ernährungssystem. Es zeigten sich klare Bereiche, zu denen sich die Forschung hin entwickeln muss. Dazu gehört beispielsweise der effiziente Gebrauch natürlicher Ressourcen, wie Land, Erde, Wasser und Luft. Zudem liessen die Ergebnisse der Studie erkennen, dass es ein klares Bedürfnis nach Forschung für ein Schweizer Ernährungssystem gibt.

Neues aus dem 3-D-Druckbereich stellten die Referenten Jürg Buchli von der ZHAW und Christoph Denkel von der HAFL vor. Das Team um Jürg Buchli befasst sich mit pulverbasiertem 3-D-Druck im Lebensmittelsektor. Die Wissenschaftler haben schon einige Versuche mit ihrer Pilotanlage erfolgreich durchgeführt, müssen aber noch einige Hürden nehmen, bis Drucker relevante Lebensmittel produzieren. In Zusammenarbeit mit der HAFL tüfteln die Projektbeteiligten eifrig an neuen Produkten, denn für Christoph Denkel ist es jetzt an der Zeit zu Handeln und sich mit dem Thema auseinander zu setzen. «Die Entwicklung geht stetig voran und wird immer schneller. Wer sich jetzt nicht damit beschäftigt, läuft Gefahr von anderen überholt zu werden und läuft dem abgefahrenen Zug hinterher.»