Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 03/2015, 10.03.2015

Fachstelle Qualitätsmanagement und Lebensmittelrecht im Fokus

Fachleute, die in der Lebensmittelindustrie arbeiten, brauchen ein fundiertes Wissen auf vielen Gebieten. So zum Beispiel im Qualitätsmanagement und Lebensmittelrecht. Die Fachstelle QM und Lebensmittelrecht am Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation, ILGI, der ZHAW in Wädenswil widmet sich diesen Themen nicht nur wissenschaftlich, sondern auch in der praktischen Umsetzung.

Autor: Evelyn Kirchsteiger-Meier Dozentin und Fachstellenleiterin am ILGI

Die Fachstelle «QM und Lebensmittelrecht» ist dem Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation, ILGI, der ZHAW angegliedert. Der Name ist Programm: Die Themenschwerpunkte sind die Fachgebiete Lebensmittelrecht, Lebensmittelsicherheit und Qualitätsmanagement. Im Wissen darum, dass hervorragende Leistungen nur durch Zusammenarbeit zwischen der Praxis und der Lehre/Forschung zustande kommen, versteht sich die Fachstelle als Brücke zwischen Hochschule und Wirtschaft.

Die Themenschwerpunkte der Fachstelle vermittelt das Team in der Lehre im Bachelorstudiengang Lebensmitteltechnologie und vertieft sie noch im Rahmen von Fallstudien und studentischen Arbeiten wie Semester- und Bachelorarbeiten.

Themenschwerpunkt Lebensmittelrecht. Die Auseinandersetzung mit dem schweizerischen und EU-Lebensmittelrecht stellt ein besonderes Steckenpferd der Fachstelle dar. Das Team bietet daher zahlreiche Weiterbildungs- und Nachdiplomkurse im Lebensmittelrecht an. Dazu gehören:

CAS (Certificate of Advanced Studies) in Lebensmittelrecht: Diese berufsbegleitende Weiterbildung ist als Fernlernkurs konzipiert. Sie besteht aus 3 Modulen (schweizerisches Lebensmittelrecht, EU-Lebensmittelrecht sowie Abschlussarbeit) und dauert rund ein Jahr. Den Kurs führt die Fachstelle in Zusammenarbeit mit dem Europa Institut an der Universität Zürich durch. Der neue Studiengang startet am 4. Mai 2015.

Einführung ins schweizerische Lebensmittelrecht: Der eintägige Kurs gibt eine Einführung in die lebensmittelrechtlichen Vorschriften und Anforderungen der Schweiz. Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer werden befähigt, nationales Lebensmittelrecht zu beschaffen, anzuwenden und zu diskutieren.

Einführung in die Kennzeichnung von Lebensmitteln: In diesem eintägigen Kurs vermitteln die Expertinnen Basiswissen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. Die Teilnehmenden wissen, welche Gesetze und Verordnungen für die Kennzeichnung von Lebensmitteln massgebend sind und wo sie die nötigen Informationen in diesem Zusammenhang finden.

Einführung ins EU-Lebensmittelrecht: Der Kurs gibt eine Einführung in die lebensmittelrechtlichen Grundlagen der Europäischen Union (EU) und zeigt auch den Einfluss des EU-Lebensmittelrechts auf das Schweizer Lebensmittelrecht auf. Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer kennen die Struktur des EU-Rechts und werden befähigt, EU-Rechtsquellen zu beschaffen.

Zudem organisiert die Fachstelle jährlich die «Wädenswiler Lebensmittelrecht-Tagung». Sie findet am 21. Mai 2015 bereits zum 10. Mal statt und wird das Thema «Global Food Legisla­tion – Das Lebensmittelrecht globaler Exportmärkte» beleuchten. Geplant sind einführende Referate zum Lebensmittelrecht von Brasilien, China, Japan, Russland und den USA. Während die Rechtsquellen vieler Länder oft nur in den jeweiligen Landessprachen verfügbar sind, erlauben die Referate einen Einstieg in deutscher oder englischer Sprache. In einem Einführungsreferat wird zudem das handelspolitische Umfeld für exportierende Firmen der Lebensmittelbranche beleuchtet.

Zum Lebensmittelrecht bietet das Team auch umfassende Dienstleistungen an. So erstellt und beurteilt es Etiketten für Unternehmen, damit sie dem schweizerischen Lebensmittelrecht entsprechen, und klärt die Verkehrsfähigkeit für die Schweiz ab. Oder die Hochschulmitarbeiterinnen verfassen ein detailliertes Gutachten zu lebensmittelrechtlichen Fragestellungen wie zum Beispiel:

  • Wie wird der Fleischgehalt von Fleischerzeugnissen richtig berechnet?
  • Welche nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben können für das Produkt A gemacht werden, und welche Rahmenbedingungen müssen beachtet werden?
  • Welche Auswirkungen hat die «Swissness-Vorlage» für das Produkt B?
  • Braucht es für das Produkt C eine Bewilligung für das Inverkehrbringen in der Schweiz?
  • Welche rechtlichen Rahmenbedingungen für die Zulassung und die Kennzeichnung von Enzymen gelten in der Schweiz und der EU?

Themenschwerpunkt Qualitätsmanagement. Evelyn Kirchsteiger-Meier und ihre wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen bearbeiten Themen, die eine Querschnittsmaterie zum Lebensmittelrecht darstellen, insbesondere das Thema «Selbstkontrolle», die gemäss Art. 23 LMG und Art. 49ff. LGV eine rechtliche Anforderung ist und mit ihren Elementen – GHP (Gute Hygiene- und Herstellungspraxis), HACCP, Rückverfolgbarkeit, Probenahme und Analyse sowie angemessene Dokumentation – im Rahmen von Qualitätsmanagementsystemen umgesetzt wird. Gerne begleiten die Spezialistinnen Unternehmen in der Schulung oder Umsetzung dieser Themen in deren Betrieb und bieten auch Weiterbildungskurse dazu an.

Beispielsweise hat die Fachstelle in enger Zusammenarbeit mit dem verantwortlichen Personal in der Küche des Kantonsspitals Aarau ein massgeschneidertes Selbstkontrollkonzept entwickelt. Das Betreiben einer Spitalküche weist besondere Herausforderungen auf, wozu die Verpflegung von kranken und rekonvaleszenten Personen, das Angebot an vielfältiger Spezialernährung und die Speisenverteilung auf den Stationen zählen.

Darüber hinaus befasst sich das Team mit den gängigen Normen und Standards im Lebensmittelbereich wie ISO 9001, BRC, IFS und FSSC 22000. Es unterstützt Betriebe bei der Einführung, Weiterentwicklung oder Verbesserung dieser Systeme und bietet auch massgeschneiderte In-House-Coachings an.

Das Thema KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess, auch Kaizen genannt) stösst auf immer mehr Interesse in der Lebensmittelbranche. Die Profis zeigen Unternehmen auf, was für Chancen es gibt, den KVP in ihrem Betrieb einzuführen und stellen dazu verschiedene KVP-Methoden und «-Werkzeuge» vor. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen entwickeln und fertigen die Spezialisten ein massgeschneidertes KVP-Konzept und begleiten und unterstützen es bei der Ein- und Weiterführung des KVP.

Zusammenfassend lassen sich die Themenschwerpunkte der Fachstelle beschreiben mit «From Compliance to Excellence», also von der Erfüllung der (lebensmittel-)rechtlichen Anforderungen bis zur Ein- und Weiterführung von exzellenten QM-Systemen, die die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit stärken.


Weitere Informationen zur Fachstelle:
www.ilgi.zhaw.ch/qm_lebensmittelrecht


Dieser Artikel ist der zweite von zehn Beiträgen, der die Fachstellen am Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation, ILGI, der ZHAW vorstellt.



Umfassende Dienstleistungen zum Qualitätsmanagement sind wesentliche Aufgaben der Fachstelle