Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Verfahrenstechnik: Ausgabe 03/2015, 10.03.2015

Energieeffizienz in der Lebensmittelindustrie

Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften sind Herausforderungen, mit denen sich die Unternehmen der Lebensmittelindustrie zunehmend auseinandersetzen müssen. Mehr Effizienz, weniger CO2 – so lautet die Devise. Doch wo liegen noch Einsparpotenziale?

Mit einem Mittelklassewagen 17-mal um die Erde – die Kohlendioxid­emission einer solchen Reise entspricht dem jährlichen Einsparpotenzial, das der Messtechnikanbieter Endress+Hauser für ein mittelständisches Unternehmen der Fleischbranche ermittelt hat. Zwar entfallen in der Lebensmittelindustrie durchschnittlich nur knapp zwei Prozent des Umsatzes auf die Energiekosten. Doch nachhaltige Lösungen zur Senkung des Verbrauchs sind für die Produzenten unerlässlich, wenn sie langfristig am Markt bestehen wollen. «Hierbei spielt die Energieeffizienz eine Schlüsselrolle», meint Antonio Delgado, Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg. Der Wissenschaftler sieht die Lebensmittelwirtschaft in einem besonderen Spannungsfeld, da «jede Massnahme zur Energieeffizienzerhöhung weder die Qualität noch die Sicherheit der Lebensmittel beeinträchtigen darf» – was nichts anderes bedeutet, als dass sich viele der in anderen Branchen erarbeiteten Massnahmen nicht eignen.

Synergieeffekte im Wärmekreislauf. Einen Weg zu mehr Energieeffizienz sieht Delgado in der Nutzung der energetischen Wechselwirkungen zwischen dem Produktionsprozess und der Infrastruktur. Allen voran ergeben sich aus den Synergieeffekten zwischen Wärme- und Kälteerzeugung grosse Einsparpotenziale. Wie kreativ die Unternehmen dabei vorgehen, zeigt Maggi in Singen. Das Werk nutzt die Abwärme eines nahe gelegenen Kupolofens einer Giesserei. Die dem Abgas entzogene Energie wird in einem Thermoöl gespeichert und über eine Leitung in das 200 Meter entfernte Kesselhaus von Maggi gepumpt. Dort sorgt ein komplexes System aus Wärmetauschern und Dampfkessel dafür, dass stets reiner Dampf für die Produktion zur Verfügung steht. Die Wärmerückgewinnung erzeugt mit 50 000 Megawattstunden rund zwei Drittel des Dampfbedarfs. Bis zu 11 000 Tonnen Kohlendioxid jährlich spart das Unternehmen ein.

Dass sich durch die intelligente Verknüpfung bestehender Anlagen der Energiebedarf systematisch reduzieren lässt, ist auch bei Warsteiner ein gelebter Grundsatz. Die Familienbrauerei investiert kontinuierlich, um ihre Effizienz zu steigern und gleichzeitig die Umwelt zu entlasten. Vor Kurzem hat das Unternehmen die Lüftungsanlage in der Ladehalle auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Fachleute verbesserten die Kanalführungen des Lüftungssystems, optimierten die Zuluftführung, rüsteten das Steuerungssystem um, bauten Deckenventilatoren ein und rüsteten mehrere kleine Wärmerückgewinnungssysteme nach. Im Ergebnis hat die Brauerei durch die Massnahmen nicht nur wertvolle Heizenergie eingespart und die Luftqualität in der Verladehalle verbessert. Zusätzlich konnte der Betrieb dadurch die CO2-Emissionen um 1100 Tonnen pro Jahr senken.

Kleine Ursache, grosse Wirkung. Lebensmittelhersteller, die auf der «grünen Technologiewelle» reiten, schauen sich unter Berücksichtigung der Lebenszykluskosten genau an, was sie wo und wie einsparen können. Oft sind es die kleinen Komponenten, die in Summe grosse Auswirkungen auf die Effizienz haben. Wie im Falle der Sektkellerei Rotkäppchen. Viele raffinierte Einzellösungen tragen vor Ort in Freyburg zur Leistungsfähigkeit der Sektabfüllung bei: dynamische Handhabungseinheiten zum Verschluss der Flaschen, robuste Scharnierbandketten für den Flaschentransport sowie effiziente Motoren für die Fördertechnik. Die Kellerei verbaute in der Abfülllinie 50 mechatronische Antriebseinheiten von SEW Eurodrive. Sie erfüllen bereits die Anforderungen der Energieeffizienzklasse IE4 und sparen gegenüber herkömmlichen Antrieben bis zu 50 Prozent Energie ein. Die zugehörigen Frequenzumrichter sind bei Rotkäppchen in einem zentralen Schaltschrankcontainer untergebracht. Dessen Abwärme nutzt das Unternehmen im Winter, um einen Lagerbereich zu heizen.

Energieströme im Überblick. Stellschrauben für die Optimierung gibt es viele. Vor jeder Massnahme stellt sich zunächst die Frage: Womit sollen Verantwortliche anfangen, um Einsparerfolge zu erzielen? Um zu erfahren, welches Einsparpotenzial wo schlummert, muss der Ist-Zustand bekannt sein. Bausteine für die energetische Optimierung sind onlinefähige Messgeräte, die kontinuierlich die Energieströme für Dampf, Druckluft, Wärme, Kälte, Strom, Gas, Öl und Wasser erfassen. Ein auf Energiekreisläufe optimiertes Durchflussmessgerät ist beispielsweise in der Lage, Leckagen in Druckluftnetzen aufzuspüren. So lassen sich kritische Aggregate oder Prozessstufen aufspüren und Verbrauchsspitzen dauerhaft in engen Toleranzen halten. Energieeffizienz als inte­graler Bestandteil der Automation – ein weiterer Weg, um Einsparpotenziale zu erschlies­sen. Hier zeigt sich einmal mehr: Das grösste Potenzial, Ressourcen zu schonen und Kosten zu senken, liegt in der effizienten Nutzung der zur Verfügung stehenden Energie.

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Weitere Informationen:
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www.anugafoodtec.de




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